Richtig Anseilen gehört zum Basis-Knowhow beim Klettern. In der Praxis haben sich zwei Einbindeknoten bewährt. Denise Günzel stellt sie vor und zeigt ihre Stärken und Schwächen.

Anseilknoten: Achter versus doppelter Bulin

Im vergangenen März erreichte die Redaktion eine traurige Nachricht: In einer Münchner Kletterhalle hatte sich ein tödlicher Absturz ereignet. Die Unfallursache war ein Anseilfehler. Wie konnte das passieren? Das Klettern in Kletterhallen ist doch sicher! Ja, das stimmt – wenn Menschen keine Fehler machen. Aber Menschen machen Fehler.
 
Anseilfehler sind laut einer Studie des Deutschen Alpenvereins aus dem Jahr 2004 die dritthäufigsten Fehler, die in Kletterhallen gemacht werden. Und sie sind die Fehler mit den dramatischsten  Konsequenzen –  Absturz, Verletzungen, Tod.

Gegen Einbindefehler hilft nur eins: Den richtigen Knoten lernen, lernen und nochmals lernen. Solange, bis man ihn im Schlaf beherrscht. Aber welcher Knoten ist richtig? Der Alpenverein empfiehlt zwei Anseilknoten für das Sportklettern: den Achterknoten und den Doppelten Bulin.  Darüber, welcher Knoten besser ist, wurden schon einige hitzige Schlachten ausgefochten. Wahr ist: Beide Knoten sind sicher. Und wahr ist auch: Beide Knoten haben Vor- und Nachteile. Welchem  man den Vorzug gibt, ist letztlich Geschmackssache.

Absolut lebensnotwendig sind dabei drei Dinge:
  1. Beim Anseilen darf man sich nicht ablenken oder unterbrechen lassen
  2. Beim Anseilen sollte man immer den gleichen Knoten machen
  3. Und nach dem Anseilen kommt der Partnercheck! 

Der Achter

Man darf wohl sagen: Der Achterknoten ist der Klassiker beim Sportklettern. Seit es diese Disziplin gibt, wird der Achter am häufigsten verwendet. Kein Wunder: Er ist relativ leicht zu erlernen, und das fertige Knotenbild ist sehr gut wiederzuerkennen. Bei Sturzbelastung zieht er sich allerdings fest zu und ist oft nur mit Mühen wieder zu lösen. Außerdem vergessen viele Kletterer nach dem Ausbinden die Hälfte des Knotens im Seil. Die Folge: Beim Abziehen bleibt das Seil in der Umlenkung hängen. Diese Nachteile tun der Beliebtheit des Achters aber keinen Abbruch.  

So wird der Achter geknüpft

Eine Armlänge vom Seilende entfernt eine Schlaufe legen; das Seilstück zum Seil­ende hin liegt oben. Das Seilstück zum Seilende hin einmal um das Seilstück zum Sichernden hin herum- legen und von oben durch die Schlaufe führen. So sieht die fertige erste Hälfte des Achters aus: die namensgebende Achterschlaufe befindet sich im Seil. Das Seilende von unten durch beide Anseilschlaufen des Gurtes führen (parallel zur Zentralschlaufe). Anschließend den halben Achterknoten bis an den Gurt ziehen. Es folgt der zweite Teil des Achterknotens: die Achterschlaufe mit dem Seilende rückwärts nachfahren. Beim rückwärts Nachfahren darauf achten, dass das Seil nirgendwo überkreuz läuft. Nur so entsteht ein wiedererkennbares Knotenbild.  Der Knoten ist fertig, wenn das Seiende aus dem Knoten herauskommt, wo das Seil zum Sichernden hineinführt. Das Seilende sollte 10 bis 20 cm aus dem Knoten herausschauen. Abschließend wird der Knoten in alle Richtungen festgezogen. Die doppelte Achterschlaufe ist jetzt auf den ersten Blick erkennbar. Fertig!   

Der Doppelte Bulin

Die Geschichte des Doppelten Bulin ist ein bisschen kompliziert (wie der Knoten selbst): In den 70er-Jahren geriet sein Vorfahre, der Einfache Bulin, in Verruf, weil er sich leicht versehentlich löst und weil er bei Ringbelastung nicht hält. Für die Sportkletterei war er damit erstmal gestorben. In den 90er-Jahren kam dann der Doppelte Bulin auf. Er ist nicht ganz einfach zu knoten, aber absolut sicher. Sein großer Vorteil: Er zieht sich auch bei heftigsten Sturzbelastungen nicht zu. Außerdem bleibt nach dem Ausbinden kein Restknoten übrig, der beim Abziehen an der Umlenkung hängen bleiben könnte.

Fazit:
Der Doppelte Bulin ist ein moderner Knoten, der für die Anforderungen beim Sportklettern bestens geeignet ist.  So wird der Doppelte Bulin geknüpft: Das Seilende von unten nach oben durch beide Abseilschlaufen am Gurt fädeln (parallel zur Zentralschlaufe, siehe erstes Bild beim Achterknoten) und bis auf eine Armlänge durchziehen. Das Seil zum Seilende hin hängt hinab. Mit dem Seil, das zum Sichernden führt, eine einfache Schlaufe bilden und eine weitere Schlaufe dort hindurchstecken. Durch die dabei entstandene Schlaufe das Seilende stecken. Und für den nächsten Schritt diese Schlaufe merken! Jetzt kommt der etwas heikle Schritt: Den Knoten an der zu merkenden Schlaufe festhalten und am Seil zum Sichernden ziehen, bis der Knoten »umschnappt«. Nach dem Umschnappen ist der einfach Bulin fertig.

Charakeristisch daran ist die Schlaufe, die um das Seil zum Sichernden führt. Hier beginnt der zweite Teil des Knotens – das Zurückschlaufen: Zunächst das Seilende von oben nach unten durch die Anseilschlaufen am Gurt (parallel zum dort bereits befindlichen Seilstrang). Das Seilende kommt unten aus dem Gurt heraus. Jetzt immer dem Seilstrang folgen, dem man bereits durch die Anseilschlaufen des Gurtes folgte. Schließlich führt das Seilende dort aus dem Knoten, wo das Seil zum Sichernden hineinführt. Der Knoten ist fertig. Charakteristisch daran: Alle Stränge laufen doppelt, bis auf die Schlaufe, die um Seilende und Seil zum Sichernden läuft.

Übersicht: Achterknoten versus doppelter Bulin

Achterknoten:
+ leicht und schnell erkennbares Knotenbild
+ leicht zu knoten
- zieht sich bei Sturzbelastung fest
- bei Unkonzentriertheit passiert es manchmal, dass der Knoten nicht zu Ende geknüpft wird
- viele vergessen den Restknoten im Seil nach dem Ausbinden

Doppelter Bulin
+ leicht zu öffnen nach Sturzbelastung
+ kein Restknoten im Seil nach dem Ausbinden
- relativ kompliziertes Knüpfen
- nicht sehr eindeutiges Knotenbild
 
Text: Denise Günzel, Fotos: Werner Müller-Schell
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