Risikominimierung im Klettersport – so geht es | BERGSTEIGER Magazin
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Risikominimierung im Klettersport – so geht es

Schwere Kletterunfälle werden seltener. Das ist die gute Nachricht für alle Bergsteiger. Der Grund jedoch zeigt, dass es mit dieser Erkenntnis nicht damit getan ist, die Hände in den Schoß zu legen, denn: Weniger Unfälle sind nicht etwa auf weniger Bergsteiger zurückzuführen, sondern auf eine bessere Vorbereitung der Kletterer und auf Equipment, das das Risiko im Klettersport minimiert. Worauf es im Detail ankommt, zeigt dieser Beitrag.
Für eine sichere Klettertour bedarf es am richtigen Equipment, an einer positiven Einstellung und an einem wachen Körperbewusstsein. © zfredrik (CC0 Public Domain)
Für eine sichere Klettertour bedarf es am richtigen Equipment, an einer positiven Einstellung und an einem wachen Körperbewusstsein.

Das richtige Equipment ist entscheidend

Wer sich auf eine Klettertour begibt, der muss entsprechend ausgerüstet sein, um die Bergtour auch sicher hinter sich bringen zu können. Dass beim Thema Sicherheit zunächst an Kletterhelme gedacht wird, ist üblich, doch das ist nicht das einzige Equipment, das vor gefährlichen Unfällen schützen kann. Bei der Wahl des passenden Helmes gibt es eine übersichtliche Anzahl an Entscheidungskriterien. Das Gewicht des Helmes, das Material sowie Polster und Riemen sind die Punkte, auf die mit Blick auf den Komfort geachtet werden sollte. Werte zur Bemessung von Schlagfestigkeit und Halt lassen sich in der EN 12492 ablesen. 

Klettersteigsets rangieren mit dem Kopfschutz mindestens gleichauf. Dieser Test zeigt, auf was es bei der Wahl des Klettersteigsets ankommt:
  • Das Gewicht des Klettersteigsets ist ein entscheidendes Kriterium und damit ist zweierlei gemeint: Einerseits muss das Maximalgewicht, für das das Klettersteigset gemacht ist, zum Körpergewicht des Kletterers passen. Zudem darf das Klettersteigset an sich nicht zu schwer sein, denn es darf den Kletterer nicht belasten. 
  • Mit Blick auf den Karabiner fällt mehreres auf: Grundsätzlich muss er leicht bewusst zu öffnen sein, aber gleichzeitig die Gefahr ausschließen, dass er zufällig geöffnet wird. Dafür sorgen Sicherungen wie die Daumen- oder Handballensicherung.
  • Sogenannte Bandfalldämpfer sind die körperschonenden Nachfolger von Fangstoßdämpfern, weil das Abfangen des Körpers nicht ungebremst erfolgt.
Darüber hinaus ist auch das Schuhwerk des Kletterers ein entscheidendes Sicherheitskriterium. Der Schuh sollte in jedem Fall auf die Nutzung abgestimmt sein. Freunde von Mehrseillängentouren brauchen anderes Schuhwerk als Leistensteher. Ein Boulderschuh beispielsweise fällt mit einer extrem engen Ferse auf. Auch die Fußform (vor allem die Stellung der Zehen), die Größe, der Verschluss und das Material sind weitere entscheidende Faktoren.  

Eine gute Vorbereitung auf den Klettertrip vermindert das Risiko eines Unfalls

Wer professionell den Weg in die Berge nehmen möchte, der sollte sich mit Blick auf Kondition und Training von einem Sportarzt beraten lassen. Ein paar allgemeine, generelle Tipps für die Vorbereitung sind hier zusammengefasst:
  • Experten empfehlen im Vorfeld zwei bis dreimal wöchentlich zu trainieren. 
  • Ziel des Trainings soll sein, sich auf die kontinuierliche Belastung vorzubereiten. Die Belastungsdauer im Training sollte bei über einer Stunde liegen.
  • Um die Herzfrequenz im Blick zu halten, sollte (im Ausdauerbereich) mit einem Pulsmesser trainiert werden. Gemeinsam mit dem Arzt ist die Herzfrequenz während des Trainings und in Ruhe zu eruieren.
  • Vor jedem Training sollten Dehnübungen stehen, die vor Verletzungen schützen. 
  • Unabhängig vom individuellen Ehrgeiz sollte nie mit Erkältung trainiert werden. Die Folgeschäden könnten weitreichender sein als etwaige Trainingsrückstände.
Neben der körperlichen Fitness ist auch die mentale Stärke das A und O, um sicher eine Klettertour absolvieren zu können. Dazu gehört auch, sich mit dem Faktor Angst auseinanderzusetzen, den jeder Kletterer auf Tour einmal spürt. Um zu verhindern, dass diese Angst lähmend wirkt, empfehlen Kletterprofis Fallübungen zu absolvieren. Die Angst ins Seil zu fallen, wird so minimiert. Das stärkt die mentale Fitness. Auch ist Vertrauen in den Kletterpartner nötig, um die Angst in den Klippen zu bewältigen. 

Daneben ist eine grundsätzlich positive Einstellung wichtig, um sich ausgeruht und fit auf das Kletterabenteuer einzulassen. Wer mit Blick auf die mentale Fitness etwas nachhelfen möchte, der kann mit Yoga und mentalem Training, Tai Chi und Qi Gong die mentalen Kräfte bündeln und die Konzentration steigern. So kann Fokussierung erlernt werden. Und genau dieser Faktor ist wichtig, um sich an der Steilwand nicht ablenken zu lassen. Stärke, Kraft, Ausdauer und Körperspannung bringen den Kletterer ans Ziel. Ablenkung hat hier nichts zu suchen. Und Ablenkung bedeutet auch über Scheitern und Erfolg nachzudenken. Diese Gedanken sind jedoch Gift für die Konzentration.

Weitere Tipps zur sicheren Klettertour 

Die Signale des Körpers genau zu beachten, ist ein weiterer wichtiger Faktor bei einer Klettertour. „Regelmäßige Pausen, ausreichend Trinken und energiereiche Snacks sind in den Bergen unerlässlich!“, rät in diesem Zusammenhang auch der Deutsche Alpenverein. Wer Leichtsinnsfehler macht, sollte sich diese eingestehen und Pausen auch außerhalb der Reihe abhalten, ansonsten steigt das Unfallrisiko. Jede Klettertour sollte in diesem Zusammenhang auch mit Blick auf den Lerneffekt betrachtet werden, denn: Die Kondition wird besser werden und auch das Einschätzungsvermögen der eigenen Kräfte wird präziser. So können bei der nächsten Tourenplanung mehr Pausen eingeplant werden.
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