Tipps und Tricks für Kletterer

Hoch hinaus in felsige Höhen – ein Einsteigerguide für Kletterer

Klettern hat sich mittlerweile zu einem echten Trendsport etabliert. Immer mehr Menschen pilgern an den Wochenenden in die Kletterhallen und feilen an ihrer Technik. Echte Abenteurer zieht es jedoch schnell raus aus der Kletterhalle und rein in die Natur und an einen echten Felsen. Doch wann ist ein Kletter-Einsteiger soweit, seinen ersten Fels zu bezwingen und welche Basis-Ausrüstung benötigen Neulinge? Der folgende Beitrag beantwortet die wichtigsten Fragen rund um den Kletter-Einstieg.
 
Wer Klettern möchte, braucht neben der richtigen Technik auch eine Menge Mut © fresh_water - Fotolia.com
Wer Klettern möchte, braucht neben der richtigen Technik auch eine Menge Mut

Die Kletterhalle – ein Muss für Einsteiger?

Kletterhallen gibt es heute in den meisten größeren Städten und das Indoor-Klettern hat sich zu einem regelrechten Trendsport entwickelt. Doch sollten auch all jene, deren Ziel es ist, echte Felsen zu erklimmen, die ersten Kletterversuche stets in der Halle wagen?

Fest steht, dass Kletterhallen gerade für Anfänger hervorragend geeignet sind, erlauben sie doch einen sicheren Einstieg in den Klettersport. Innerhalb recht kurzer Zeit können Kletterneulinge sich dort die grundlegenden Bewegungsabläufe und Techniken aneignen. Zudem werden in Kletterhallen Einsteiger-Kurse angeboten. Insofern ist es definitiv empfehlenswert, die ersten Kletterversuche in einer Halle zu absolvieren. Ein Muss ist es jedoch nicht, denn derlei Kurse können selbstverständlich auch in der freien Natur und am echten Fels absolviert werden. Doch gerade all jene, die nicht in unmittelbarer Nähe zu den Alpen leben und denen Hochseilgärten oder Ähnliches zu unspektakulär sind, kommen meist gar nicht drum herum, sich ab und zu dem Indoor-Klettern zu widmen. Vielen wird jedoch auch das auf Dauer zu eintönig, sodass es sie bald raus in die Natur und rauf auf die Felsen zieht.
Kletterhalle
Die Kletterhalle ist ein guter Ort für die ersten Kletterversuche (©Fotoimpressionen - Fotolia.com) 

Wann darf sich an den Fels gewagt werden?

Wer sich die Grundtechniken in der Kletterhalle angeeignet hat, der möchte seine Fähigkeiten natürlich möglichst schnell an einem echten Fels erproben. Doch allein sollte sich kein unerfahrener Kletterer auf den Weg machen, denn das ist schlichtweg lebensmüde. Nur, wer einen felsenerfahrenen Kletterer dabei hat oder an einem Kurs für Felsenkletterer teilnimmt, sollte sich zum ersten Mal an das Klettern in der freien Natur wagen. Natürlich besteht am echten Fels ein deutlich höheres Verletzungsrisiko als es an der künstlichen Kletterwand der Fall ist. Anfänger sollten also, trotz erfahrener Begleitung, stets Routen im Schwierigkeitsgrad zwei oder drei und nicht höher wählen, so der Bergzeit Blog.

Was gilt es in Hinblick auf die optimale Kletterausrüstung zu beachten?

Die Basisausrüstung für Kletterer besteht aus den folgenden Komponenten

Kletterausruestung

Die Kletterschuhe
Kletterschuhe sind ein absolutes Muss, denn sie sorgen dafür, dass der Kletterer auch auf kleinen Tritten stehen kann und ein Gefühl für die richtige Fußtechnik bekommt. Die Gummisohlen verbessern zudem den Halt an der Felswand. Anfängern fällt die Wahl des passenden Kletterschuhs oft schwer, da sich die Kletterschuhe, aufgrund ihrer Form, erst einmal sehr gewöhnungsbedürftig am Fuß anfühlen. Damit mehr Druck auf die Zehen ausgeübt wird, liegen die Schuhe eng an und sind vorne leicht gekrümmt. Kletterschuhe sollten also eng sitzen, dürfen aber auch nicht zu eng sein und den Fuß einschnüren. Hin- und Her-Rutschen im Schuh ist allerdings ebenso schadhaft. In gut sortierten Fachgeschäften ist es oft möglich, die Schuhe vor dem Kauf kurz zu testen. Damit sich die Schnürsenkel während der Kletterpartie nicht plötzlich lösen, werden die meisten Kletterschuhe mit kurzen Gummibändern geschnürt oder verfügen über einen Klettverschluss. Wer sich am Alpinklettern versuchen will, braucht Kletterschuhe, welche den Fuß in seiner symmetrischen Ausgangsstellung belassen und den Span nur minimal krümmen.

Der Klettergurt
Mithilfe des Klettergurtes wird sicheres Klettern überhaupt erst möglich. Er sorgt für das sichere Klettern am Seil sowie die Möglichkeit des Sicherns. Genau, wie bei den Kletterschuhen, sollten Einsteiger auch bei der Wahl des Klettergurtes etwas Zeit mitbringen und verschiedene Modelle ausprobieren. Der Gurt muss bequem sein und auch nach einigen Minuten des Hängens darf er nicht einschneiden. Beim Klettern in freier Wildbahn kommt es immer mal wieder vor, dass sich eine Weile im Gurt ausgeruht wird, dann sollte sich dieser natürlich auch möglichst komfortabel anfühlen. Die Passform spielt dabei ebenfalls eine entscheidende Rolle. Der Gurt sollte den Rumpf auf Bauchnabelhöhe sicher umschließen und die Beinschlaufen dürfen weder zu locker noch zu eng sitzen. Wer testen möchte, ob der Gurt an den Beinen zu eng sitzt, kann einfach seine Handfläche zwischen Gurt und Bein schieben. Passt diese noch gut dazwischen, sitzt der Gurt optimal. Die Preisspanne bei Klettergurten ist recht groß, sicher sind jedoch alle im deutschen Fachhandel erhältlichen Modelle.

Der Kletterhelm
Der Kletterhelm ist beim Outdoor-Klettern Pflicht und auch in immer mehr Kletterhallen muss er getragen werden. Beim Klettern an Felsen schützt der Helm den Kopf in erster Linie vor Steinschlägen, bietet aber auch einen Aufprallschutz. Der Helm muss perfekt sitzen und darf weder zu locker sein, noch unangenehmen Druck auf den Kopf ausüben. Neben klassischen Hartschalenhelmen gibt es auch Modelle aus Hartschaum sowie Hybridkonstruktionen. Im Ratgeber von Sportscheck werden die Unterschiede der drei verschiedenen Varianten erklärt:



Das Kletterseil
Als Kletterseil kann natürlich nicht irgendein Seil dienen, vielmehr handelt es sich dabei um ein sogenanntes dynamisches Einfachseil. Ein Kletterseil benötigen all jene, die vorhaben, den Klettersport langfristig zu betreiben und immer öfter auch mal vorzusteigen. Ein Kletterseil dehnt sich nur geringfügig, aber genug, um den Kletterer bei Stürzen abzufangen und so das Brechen des Rückens zu verhindern. Dynamische Einfachseile sind in ganz unterschiedlichen Längen und Dicken und mit verschiedenen Beschichtungen erhältlich. Die Länge des Seils richtet sich nach dessen vornehmlichen Einsatz. Wer in der Kletterhalle klettert, dem reicht ein Seil von circa 40 Metern Länge. Beim Outdoor-Klettern ist eine Länge von 60 bis 70 Metern ratsam. Diese richtet sich natürlich auch immer nach der Höhe des zu erklimmenden Felsens, das Kletterseil kann also auch gut mal 80 bis 100 Meter lang sein. Die Dicke des Seils beeinflusst seine Langlebigkeit. Dünne Seile sind leicht, gehen aber auch schneller kaputt als dicke Seile. Letztere sind dafür recht schwer. Ein guter Mittelwert ist eine Seildicke von 9,8 bis 10,2 Millimetern. Die Beschichtung des Seils dient zum Schutz vor Feuchtigkeit und Schmutz. Wird ein Seilsack genutzt, wird das Seil in der Regel jedoch so oder so nicht allzu schnell schmutzig. Der Preis für ein Kletterseil liegt zwischen 1,50 Euro bis 3,50 Euro pro Meter.
kletterausruestung
Kletterseile gibt es in ganz unterschiedlichen Ausführungen (©Andreas P - Fotolia.com) 

Das Sicherungsgerät
Kletteranfänger können zwischen verschiedenen Sicherungstechniken und Sicherungsgeräten wählen. Zum einen wären da die eher kostspieligen halbautomatisch blockierenden Geräte, zum anderen die nicht blockierenden Geräte. Letztere sind sehr vielseitig einsetzbar. Die bekanntesten Systeme sind die sogenannten HMS-Krarabiner und Tubes. Beide sind, aufgrund ihrer einfachen Bedienbarkeit, gut geeignet für Kletter-Neulinge. Hier muss jeder schauen, welches Modell ihm am ehesten zusagt, beziehungsweise jeder Anfänger sollte eine intensive Beratung in Anspruch nehmen. Preislich liegen Sicherungsgeräte ungefähr zwischen 15 und 100 Euro.

Der Magnesiumbeutel
Der Magnesiumbeutel, auch Chalkbag genannt, wird genutzt, um die Hände mit Magnesiumpulver einzureiben und ihnen so mehr Grip zu verleihen. Beim Outdoor-Klettern sollte aus Rücksicht vor nachfolgenden Kletterern darauf geachtet werden, die Magnesiumrückstände wieder von den Griffen zu entfernen.

Wie können Anfänger ihre Fähigkeiten schnell verbessern?

Wer einmal Blut geleckt und das Klettern für sich entdeckt hat, möchte sich natürlich auch möglichst schnell verbessern und immer schwierigere Routen erklimmen können. Hier gilt: Übung macht den Meister. Nur, wer regelmäßig trainiert und dabei an Routen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden klettert, wird dauerhaft seine Fähigkeiten ausbauen können. Ein Artikel des Portals T-Online gibt zudem den Ratschlag, die Kraft und Beweglichkeit der Finger mithilfe von einem Thera-Band und einem Tennisball zu trainieren. Einen ähnlichen Effekt haben auch das Griffbrett oder das Fingerboard. Da bei den letzten beiden Varianten jedoch ein hohes Verletzungsrisiko besteht, sollten sich Anfänger erst einmal von einem Experten erklären lassen, wie diese Gerätschaften richtig genutzt werden.
 
Griffbrett
Ein Griffbrett hilft dabei, die Finger zu trainieren (©Andrey Bandurenko - Fotolia.com)

Was gibt es in Hinblick auf die Sicherheit zu beachten?

Egal, ob es sich um Kletter-Anfänger oder -Fortgeschrittene handelt, die Sicherheit ist immer das oberste Gebot. Dafür ist es entscheidend, auf den eigenen Körper zu hören und seine Grenzen zu respektieren. Genauso müssen all jene, die große Höhen fürchten, langsam beginnen und sich nach und nach vortasten. Des Weiteren ist es wichtig, dass stets nur dann geklettert wird, wenn es der gesundheitliche Zustand zulässt. Wer angeschlagen oder erkältet ist, sollte sich erst vollständig auskurieren, bevor es wieder an den Fels geht. Eine vollständige und gepflegte Ausrüstung ist ebenfalls ein entscheidender Sicherheitsaspekt. Vor jeder Kletterpartie müssen die einzelnen Komponenten deshalb gewissenhaft überprüft werden. Klettern ist ein Sport, der oft im Team durchgeführt wird. Vor allem Anfänger sollten jedoch stets mindestens eine weitere und erfahrenere Person dabei haben. Wer hingegen allein klettert und verunglückt, muss gerade in abgelegenen Gegenden damit rechnen, diesen Leichtsinn mit seinem Leben zu bezahlen.

Was verbirgt sich hinter dem Begriff Bouldern?

Bouldern ist eine Spielart des Kletterns. Beim Bouldern wird in geringer Höhe an Felswänden oder Felsblöcken sowie an Kletterwänden ohne Seil und Sicherung geklettert. Beim Indoor-Bouldern geht es darum, von einem Startpunkt aus hinaufzuklettern und einen bestimmten Punkt zu erreichen. Das Ganze sollte im Idealfall möglichst flüssig ablaufen. Aus Gründen der Sicherheit ist es wichtig, einen sogenannten Spotter dabei zu haben. Dieser steht neben der Matte und lenkt den Körper des Kletternden bei einem eventuellen Sturz. So verringert sich das Risiko, dass der Kletterer beim Fallen auf seinem Kopf aufschlägt oder sich anderweitig verletzt. Ein Spotter ist nicht nur beim Outdoor-Bouldern wichtig, auch in der Halle sollte immer eine Aufsichtsperson zugegen sein.

Fazit

Klettern ist ein spannender und herausfordernder Sport, der jede Menge Spaß bringt. Kletterer treiben ihren Körper immer wieder an seine Grenzen und wachsen so stetig über sich hinaus. Das Verletzungsrisiko beim Klettern darf jedoch nicht unterschätzt werden. Deshalb ist es wichtig, dass sich Anfänger langsam herantasten, die richtige Technik erlernen und stets auf ihre Sicherheit achten. Eine optimale und gut gepflegte Ausrüstung ist ebenfalls ein Muss beim Klettern, sei es nun in der Kletterhalle oder an der natürlich gewachsenen Felswand.
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