Kinder für Bergsport begeistern | BERGSTEIGER Magazin
Raus in die Natur

Kinder für Bergsport begeistern

Viele Eltern finden es heute schwieriger, ihre Kinder zu Aktivitäten draußen in der Natur zu begeistern. Oftmals scheint die bunte digitale Welt viel verlockender zu sein als grüne Wälder und schroffe Felsen. Wer selbst Bergsport betreibt, möchte den Spaß daran auch gerne an seinen Nachwuchs weitergeben. Wir zeigen Ihnen, wie es gelingt, den Kleinen die Lust am Wandern oder Klettern in den Bergen zu vermitteln.
 
Auch Kinder können sich für Ausflüge in die Natur begeistern. © Fotolia/ARochau
Auch Kinder können sich für Ausflüge in die Natur begeistern.
Kinder interessieren sich nicht mehr für die Natur oder Outdooraktivitäten? Sie sitzen lieber drinnen und beschäftigen sich mit Smartphone, Computer oder Spielkonsole? Das stimmt nur bedingt. Denn das soziale Umfeld hat einen großen Einfluss darauf, welche Interessen Kinder entwickeln und wofür sie sich begeistern können. Von Klein an können die Eltern und andere Erziehungsberechtigte mit ihrem eigenen Verhalten vorleben, welche tollen Erfahrungen sich in der Natur machen lassen und wie schön es sein kann, Zeit draußen zu verbringen.  

Das Interesse an der Natur wecken

Eigentlich sind Kinder von Natur aus neugierig, offen für Neues und vor allem begeisterungsfähig. Es kommt also darauf an, wie man das Vorhaben angeht, dem Nachwuchs die Natur schmackhaft zu machen. Wenn die Kleinen in einem urbanen Umfeld aufwachsen, fällt es oft tatsächlich schwerer, da hier kaum Berührungspunkte mit der Natur vorhanden sind. 

Ein Ausflug in den Stadtpark, ist dann nur eine kärgliche Alternative. Hier sind auf öffentlichen Grünflächen häufig verschiedene Aktivitäten mit strengen Regeln verbunden oder gar ganz verboten.

Wenn der Spieltrieb und Bewegungsdrang der Kinder stets im Zusammenhang mit Einschränkungen steht, können sie schneller die Lust daran verlieren und wenden sich anderen Aktivitäten zu.  

Dennoch ist es auch für Familien, die in der Stadt wohnen möglich, ihre Kinder von Anfang an mit der Natur vertraut zu machen. Natürlich kann es nicht gleich die große Bergtour sein. Bei regelmäßigen kleineren Ausflügen lernen sie jedoch die Natur als interessanten und spannenden Lebensraum kennen:


Im Hochseilgarten können Kinder Höhenerfahrung sammeln und ihr Gleichgewicht trainieren. © Fotolia/Kzenon
  • Ausflüge in den Streichelzoo, Wildpark oder auf umliegende Bauernhöfe, wo die Kinder in direktem Kontakt mit Flora und Fauna treten können.
  • Auch Erlebnismuseen (z.B. als Alternative bei schlechtem Wetter) sind für Kinder interessant, vor allem, wenn sie dort selbst aktiv werden können und sich Dinge über die Natur selbst erschließen können.Dies weckt zudem die Neugier, das gelernte anschließend draußen zu überprüfen.
  • Wer die Kinder gezielt an Bergsport heranführen will, muss sie zudem frühzeitig für die besonderen Gefahren sensibilisieren. Ausflüge zu einem Baumwipfelpfad oder in einen Hochseilgarten können ausreichend große Kinder spielerisch mit der Höhe vertraut machen. Dort lassen sich zudem erste Erfahrungen mit dem Absichern mit Seilen machen oder die Balance und Trittfestigkeit trainieren.
  • Kletterparks, Klettersporthallen und entsprechende Vereine gibt es inzwischen in jeder größeren Stadt. Hier können Kinder auch unter fachkundiger Anleitung Klettern lernen – vorausgesetzt, sie haben Spaß daran und interessieren sich dafür.    

Altersgerechte Familienausflüge planen

Während Erwachsene stundenlang die frische Luft und die idyllische Natur auf den Wandertouren genießen können, wird dies für Kinder hingegen schnell langweilig. Dabei ist es gar nicht schwierig, die Ausflüge so zu gestalten, dass sie auch für die Kleinen zu einem echten Erlebnis werden. 

Für viele Touren ist neben der Länge und der Höhendistanz auch ein Schwierigkeitsgrad angegeben. Pauschal lassen sich solche Informationen nicht auf die Eignung für Kinder übertragen. Manche sind bereits im Grundschulalter sehr trittsicher und ausdauernd, um ausgedehntere Ausflüge in die Berge mit anspruchsvollen Wegen zu bestreiten. Andere sind dagegen noch unsicher auf unwegsamem Untergrund oder auch ängstlich. 

Hier müssen die Eltern individuell entscheiden, was sie ihren Sprösslingen zumuten können und wie sicher sie bereits unterwegs sind. Regelmäßige Pausen sind genauso wichtig, wie ein Tempo, das auf die Kräfte der Kinder angepasst ist. Sinnvoll ist zudem, wenn die Tour auch problemlos abgekürzt werden kann, sollten unterwegs die Kräfte ausgehen.   


Kinder finden es vor allem spannend, wenn sie in der Natur etwas entdecken können. © Fotolia/Sven Maaßen

Ist für die Erwachsenen bei einer Bergtour das höchste Ziel, den Gipfel zu erklimmen und sich dort an der Aussicht zu freuen, sind Kindern ganz andere Dinge wichtig. Hier gilt eher: Der Weg ist das Ziel. Spannende Entdeckungen am Wegesrand, das Erspähen eines wilden Tieres oder auch das Picknick in der Natur mit frisch gepflückten Walderdbeeren – statt einem höheren Ziel entgegenzustreben sollte für die Kleinen eher auf Abwechslung gesetzt werden. Schritt für Schritt lassen sich die Touren dann immer weiter ausdehnen, so dass die ganze Familie auf ihre Kosten kommt.  

Wenn sich die Kleinen dennoch nur schwer motivieren lassen, kann es manchmal helfen, gemeinsam mit anderen Familien und Kindern auf Tour zu gehen. In der Gruppe ist vieles noch einmal spannender und wird zu einem kleinen Abenteuer in der Natur.  Mit verschiedenen Aufgaben und Entdeckungsspielen kommt keine Langeweile auf

Die passende Ausrüstung für die Kleinsten

Ein wichtiger Punkt betrifft die passende Ausrüstung für die Kinder beim Bergsport. Rutschige Sohlen, nasse Füße oder unpraktische Kleidung können nicht nur die Lust am Outdoorerlebnis vermiesen, sondern auch gefährlich sein.
  • Schuhe: Für die ersten Ausflüge in die Natur genügt in der Regel festes Schuhwerk, das mit einer trittfesten Sohle ausgerüstet ist und dem Fuß gleichzeitig genügend Freiraum gibt sich entsprechend zu bewegen, ihn aber auch ausreichend stützt. Sind nur leichte Wanderungen in einfachem Gelände geplant, genügt zunächst ein hochwertiger Turnschuh mit fester Sohle. Geht es hingegen so richtig in die Berge, sollten auch die Kleinsten mit guten Wanderschuhen ausgestattet werden. 
  • Kleidung: Wie bei den Erwachsenen, sollte hier auf Funktionalität geachtet werden. Nach dem Zwiebelprinzip lassen sich mehrere Schichten übereinander tragen. So sind auch die Kinder immer für die jeweilige Witterung gut ausgerüstet. Selbst bei warmem Wetter sollte stets an eine leichte, winddichte und bestenfalls auch wasserdichte Jacke gedacht werden.   
  • Material:  Nicht nur bei der Kleidung sind hochwertige Funktionstextilien vor allem bei längeren Ausflügen sinnvoll, denn sie zeichnen sich zusätzlich durch ein geringes Gewicht aus. Auch bei Schuhen zahlt es sich aus einen genauen Blick auf die Materialien zu werfen. Gerade bei längeren Touren kann es immer mal wieder zu schwankenden Witterungsverhältnissen kommen, auf die man gut vorbereitet sein sollte. Der Unterschied zwischen Wasserabweisend und Wasserdicht macht sich dann in der Praxis deutlich bemerkbar. Für den Einsatz im Outdoorbereich ist zweiteres die bessere Wahl. 
  • Rucksack: Kinder freuen sich, wenn sie auf ihrer Wanderung selbst einen Rucksack „wie die Großen“ tragen dürfen. Dieser sollte jedoch altersgerecht gewählt sein und nicht zu schwer werden. Ein kleiner Snack und die eigene Wasserflasche finden darin Platz, so können sie sich unterwegs zudem selbständig versorgen.  
Die Kleidung zum Toben im Freien und auch für Ausflüge in die Natur sollte zudem auch mal schmutzig werden dürfen. Selbst beim einfachen Spaziergang durch den Wald springen die Kinder nun mal gerne in Pfützen, balancieren auf Baumstämmen und halten sich nicht unbedingt an die ausgewiesenen Wege. Statt sie ständig zu ermahnen und auszubremsen, ist es sinnvoller, gleich auf robuste Kleidung und Ausrüstung zu setzen. 

Für längere Touren freuen sich die Kleinen zudem über einen eigenen Wanderstock. Dieser kann eventuell vorher schon gemeinsam mit den Eltern aus einem kräftigen Zweig gefertigt werden und dann immer wieder zum Einsatz kommen. Damit lassen sich unterwegs Blätter aufpiken, Matschlöcher untersuchen und er sorgt im unwegsamen Gelände für etwas mehr Halt.     

Sicherheit vermitteln ohne einzuschränken

Neben all dem Spaß sollte die Sicherheit in den Bergen nicht vernachlässigt werden. Es ist weder ratsam die Kleinen ungehindert in der Natur toben zu lassen, noch sollten sie ständig brav neben den Älteren hertrotten müssen. Einerseits kann draußen im Gelände bereits bei einer kleinen Unaufmerksamkeit etwas passieren, andererseits verlieren Kinder die Lust, wenn sie ihre Umgebung nicht auch einmal auf eigene Faust erkunden dürfen. Hier gilt es, einen guten Mittelweg zu finden.  

Sie können Gefahren nicht richtig einschätzen und verfügen über weniger Kraft und Erfahrung, um sich in einer kritischen Situation selbst helfen zu können. Deshalb ist es wichtig, sie stets im Auge zu behalten. Es kann beispielsweise verabredet werden, dass sie sich immer nur in einem gewissen Umkreis von der Gruppe entfernen und stets auf die Anderen warten. An gefährlichen Stellen können kleine und auch größere Kinder zusätzlich an die Hand genommen werden. Das vermittelt Sicherheit und sie können nach und nach mehr Trittfestigkeit entwickeln. 

Klettersteige sind eine gute Möglichkeit, Kinder im passenden Alter auch mit dem Klettern und schwierigeren Touren vertraut zu machen. Genau wie die Erwachsenen, müssen jedoch auch die Kinder den Umgang mit dem Sichern und das Verhalten im Steig lernen und üben. Spezielle Anfänger-Steige für Kinder und Jugendliche bieten sich dazu an. 

Mit jeder Tour wächst schließlich nicht nur die Freude an Unternehmungen in der Natur, sondern auch die Erfahrung. Die Kinder können sich dann sicherer bewegen und werden mutiger und ausdauernder, sodass schrittweise auch ausgedehntere und schwierigere Ausflüge unternommen werden können.
 
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