Lawinengefahren einschätzen

Lawinenrisiko auf Ski- und Schneeschuhtouren

Egal, ob auf Schneeschuhwanderung, beim Skitourengehen oder Freeriden: Wer im Winter in die Berge geht, muss sich mit dem Thema Lawinengefahr auseinandersetzen; unsere Experten erklären, worauf Sie bei der Vorbereitung achten müssen. Von Alexander Römer

 
Gut vorbereitet auf Skitour © Alexander Römer
Gut vorbereitet auf Skitour
Wenn es Winter wird in den Alpen, wird auch das Thema Lawinengefahr wieder brandaktuell. Trotz größtmöglicher Sensibilisierung durch Berichterstattung und Aufklärung in Medien, alpiner Fachliteratur und Seminaren, kommt es jedes Jahr zu über einhundert Lawinenopfern in den Alpen. Die häufigsten Unglücksursachen sind leider immer noch Unwissenheit und Selbstüberschätzung der betroffenen Wintersportler oder Fehleinschätzungen der vorgefundenen Situation.

Halbwissen heißt nichts wissen!

Lawinen GefahrenskalaViel zu häufig stützen sich Wintersportler bei der Entscheidunsgfindung auf Halbwissen oder vorausgehende Personen. Selbst machen sie sich leider kaum Gedanken über Gefahren und Risiken. Aber je häufiger man ohne das nötige Hintergrundwissen im winterlichen Gebirge unterwegs ist, desto höher wird das Risiko, in eine heikle Lawinensituation zu geraten.

Hand aufs Herz: Wer analysiert nach einem kleinen »Rutsch« auf Tour schon mühevoll die Situation vor Ort, wertet sie aus und entscheidet sich erst dann für oder gegen eine Fortsetzung der Skitour?

Wohl die wenigsten. Aussagen wie »mir ist doch noch nie etwas passiert« sind keine Garantie, um in schwierigen Situationen die richtigen Entscheidungen zu treffen. Auch (zu viele) »erfahrene« Tourengeher sind leider immer wieder ohne LVS-Gerät unterwegs. Deren Begründung ist manchmal so haarsträubend wie folgende: »Wir gehen nur dort auf Tour, wo es keine Lawinen gibt«. Dieses kurze Gespräch fand bei Lawinenwarnstufe 3 (!) im Auslauf eines schattseitigen Hanges statt, der an seiner steilsten Stelle weit über 30 Grad aufwies…

Erfahrene Vorbilder handeln anders. Denn das Fatale an diesen Fehlentscheidungen ist, dass sich gerade Anfänger an bereits vorhandenen Spuren orientieren. So begeben sie sich in eine erhöhte Gefahrensituation, in dem Glauben »da waren ja schon Tourengeher unterwegs, das muss sicher sein«.

Vorbereitung ist der beste Schutz

Die konsequente Vorbereitung beginnt schon zu Hause und nicht erst vor Ort oder beim Anlegen der Felle! Wer ohne die wesentlichen Informationen auf Tour geht, bringt sich und andere wissentlich in Gefahr! Dabei wäre es doch so einfach: Internet sei Dank, sind die wichtigsten Daten wie Lawinenlagebericht, Wetterbericht und Schneehöhen in wenigen Minuten eingeholt. Oft findet man sogar eine »aktuelle« Beschreibung der Tour.

Aber hier ist auch Vorsicht geboten, denn nicht alle Internetportale bieten aktuelle (oder gar objektive) Tourenbeschreibungen. Besser verlässt man sich hier nach wie vor auf aktuelle Führerliteratur. Hat man das Vorbereitungsritual erst verinnerlicht, geht es schnell von der Hand und kann genau so viel Spaß machen, wie die Abfahrt in knietiefem Pulverschnee.
 
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