Tipps zur Akklimatisierung an große Höhen

Vorbereitung auf große Ziele: Höhenanpassung

Bergsteiger überall auf der Welt streben ihnen zu – den Gipfeln. Je höher diese liegen, desto weniger lautet die Devise der Besteiger »Der Weg ist das Ziel«. Vielmehr gilt dann: »Der Gipfel ist das Ziel.« Wie man sich auf Unternehmen in großen Höhen richtig vorbereitet, wissen unsere Experten von Hauser Alpin.

 
Trekkingtouren zu den Bergen im Himalaya – hier der Kongde Ri – erfordern bereits eine gute Akklimatisation an die Höhe © U. Neumann/hauser exkursionen
Trekkingtouren zu den Bergen im Himalaya – hier der Kongde Ri – erfordern bereits eine gute Akklimatisation an die Höhe
Statistische Auswertungen belegen, dass bei etwa zehn Prozent aller Trekker und Bergsteiger bereits ab 2500 Metern Höhe Symptome der Höhenkrankheit wie Schwindel, Kopfschmerz oder Übelkeit auftreten. Ab 4000 Metern sind es bereits 50 Prozent und damit steigt auch die Gefahr lebensbedrohlicher Körperreaktionen. Die weit verbreitete Meinung, dies sei allein auf mangelnde körperliche Fitness oder gar Alter und Geschlecht zurückzuführen, ist schlichtweg falsch. Reaktionen auf die Höhenluft hängen vor allem von genetischen Faktoren, Aufstiegsgeschwindigkeit und absoluter Höhe über dem Meeresspiegel ab. Abgesehen vom Training der Kletter- und Sicherungstechniken ist die sportmedizinische Vorbereitung auf das Höhenbergsteigen mit Abstand am zeitintensivsten. Bereits mehrere Wochen vor Abreise stehen erste Untersuchungen an. Direkt daran anschließend sollte mit der Umsetzung der Trainingspläne begonnen werden.

Akklimatisierung ist einfacher als früher

Noch bis vor wenigen Jahren, musste man viel Zeit und Geld investieren, um sich an die Höhe zu gewöhnen. So quartierte man sich meist ein bis zwei Wochen vor der geplanten Reise in Zermatt oder Chamonix ein, um sich täglich in Höhen über drei- oder viertausend Metern aufzuhalten. Schwierige Gipfelanstiege wurden dabei meist vermieden und der Organismus auf leichten Gipfeltouren langsam an die Höhe gewöhnt.

Und ist das Reiseziel erst einmal erreicht, möchte niemand mehr auf den langersehnten Gipfel verzichten. Denn allein die Reisekosten für Ziele wie Kilimandscharo  & Co. erfordern einen vierstelligen Betrag – ohne Ausrüstung und Vorbereitung. Dass die Reisenden sich selbst so einem gewissen Erfolgsdruck aussetzen, ist also mehr als nachvollziehbar. Schon deshalb wird eine gezielte Höhenvorbereitung immer wichtiger, bei der die Wahrscheinlichkeit unerwarteter körperlicher Reaktionen in der Höhe sinkt, und die Vor-Akklimatisation so effektiv wie möglich gestaltet werden kann.

Kennzeichen einer guten Akklimatisation vor Ort: Während der Höhenanpassung ist der morgendliche Ruhepuls immer deutlich erhöht. Das kontrolliert man am besten, indem man ihn direkt nach dem Aufwachen immer an der gleichen Stelle misst. Bei guter Akklimatisation kehrt der Ruhepuls wieder zum persönlichen Ausgangswert von zu Hause zurück.

Moderner Test der Höhenverträglichkeit

Modernste sportwissenschaft­liche Methoden ermöglichen heute die Vorbereitung der Akklimatisation schon zu Hause: Training in Höhenkammern mit sauerstoffreduzierter Luft. Vor dem Training ist allerdings ein Höhenverträglichkeitstest die Basis für eine gezielte individuelle Vorbereitung auf große wie mittlere Höhen. Mit ihm kann man schon nach rund 20 Minuten eine Tendenz in puncto Höhenverträglichkeit erkennen.

Die Universität Innsbruck hat diesen Test, bei dem ein reduziertes Sauerstoffgemisch über eine Atemmaske innerhalb eines bestimmten Zeitraumes (ca. 20 Minuten) eingeatmet wird, bereits mehrfach angewendet. Mit einem Puls­oximeter wird dabei die Veränderung der Sauerstoffsättigung im Blut beobachtet. Das Ergebnis gibt Aufschluss über mögliche körperliche Reaktionen in der Höhe und dient als Grundlage für ein anschließendes Höhentraining. Berücksichtigt werden die Parameter Ausgangshöhe, Dauer und Belastung sowie die maximal zu erreichende Höhe.

Die drei Hauptsymptome der Höhenkrankheit:

1. Höhenkopfschmerz: Drei von vier Höhenbergsteigern leiden gelegentlich darunter. Nur, wenn zusätzlich noch andere Befindlichkeitsstörungen auftreten (vor allem Atemnot in Ruhe, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Müdigkeit, Apathie, Unterhautschwellungen, Schwindelzustände und trockener Husten), spricht man von der Höhenkrankheit.
2. Gleichgewichtsstörungen: Sobald zu den eben genannten Symptomen auffällige Gleichgewichtsstörungen hinzukommen, besteht akute Lebensgefahr. Sie sind ein untrüglicher Hinweis auf ein Höhenhirnödem. Dieses ist zwar äußerst selten, führt aber ohne rasche Gegenmaßnahmen häufig zum Tod.
3. Plötzlicher Leistungsabfall: Wenn jemand urplötzlich besonders langsam wird oder ungewöhnlich häufig und lang rasten muss, ohne sich bei diesen Pausen richtig zu erholen, ist das ein ernstzunehmender Hinweis auf ein bevorstehendes oder bereits beginnendes lebensbedrohendes Höhenlungenödem.

Der Tipp vom Berg- und Skiführer

Atemnot bei Anstrengungen, gelegentliche Kopfschmerzen, Beklemmungsgefühle, Schlaflosigkeit oder unregelmäßiges Atmen im Schlaf sind in der Höhe ganz normal und keine Anzeichen von Höhenkrankheit. Da höhenbedingte Beschwerden aber häufig ignoriert oder verheimlicht werden, sollte man sich vom ersten Höhentag an ständig gegenseitig beobachten, denn auch aus leichten Formen der Höhenkrankheit können innerhalb von wenigen Stunden lebensgefährliche Situationen entstehen. Daher gilt es, sofort und kompromisslos richtig zu handeln. Bei leichter Höhenkrankheit, muss der Aufstieg sofort abgebrochen und ein Ruhetag eingelegt werden. Ist der Patient am nächsten Morgen noch immer nicht beschwerdefrei, muss mit mindestens einer Begleitung abgestiegen werden. Bei schwerer Höhenkrankheit muss sofort abgestiegen werden! Ist dies nicht möglich, bleibt nur der behelfsmäßige Abtransport. Auf keinen Fall auf Rettung warten – diese kommt fast immer zu spät!
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