Gehtechnik und mehr wissenswertes zum Trekkingstock

Gehen mit Trekkingstöcken

Einst belächelt, gehören sie längst zur Grundausrüstung eines jeden Bergwanderers – längenverstellbare Trekkingstöcke, die ein knieschonendes Gehen ermöglichen. Wir sagen Ihnen, worauf man beim Einsatz von Trekkingstöcken achten sollte.
Von Alexander Römer

 
RiIchtiges Gehen mit Trekkingstöcken © BERGSTEIGER
RiIchtiges Gehen mit Trekkingstöcken
Dass man auf vier Beinen sicherer steht als auf zwei, ist eine Binsenweisheit. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass heutzutage immer mehr Bergwanderer zum  Vier-Beiner mutieren – dank verstellbarer Trekkingstöcke. Moderne Trekkingstöcke bestehen aus Aluminium oder Carbon, sind leicht und trotzdem sehr stabil. In der Regel gibt es sie zwei- oder dreiteilig, stufenlos zwischen 70 und 140 Zentimetern in der Länge verstellbar. Dadurch können sie schnell am Rucksack verstaut werden (die meisten Rucksäcke haben dafür spezielle Schlaufen) und zudem auf die verschiedenen Anforderungen im Gelände sowie auf verschiedene Körpergrößen angepasst werden.

Es macht Sinn, das Gehen mit Stöcken zuerst einmal auf gut ausgebauten Wegen zu üben. Prinzipiell entspricht die grundlegende Gehtechnik mit Teleskopstöcken der Diagonaltechnik beim Nordic-Walking. Wenn das rechte Bein nach vorne geht, wird der linke Arm samt Stock ebenfalls nach vorne gebracht und umgekehrt. Dabei werden große Teile des Oberkörper- und Rucksackgewichts über die Armmuskulatur auf die Stöcke übertragen und somit nach unten auf den Boden verteilt. Das entlastet die Gelenke (oberes und unteres Sprunggelenk, Knie- und Hüftgelenke) sowie die Muskulatur der unteren Extremitäten und verringert somit die körperliche Beanspruchung auf der Bergtour; dies gilt vor allem beim leichten bis steilen Bergabgehen. 

Beim Bergaufgehen spielt diese Form der Entlastung  keine Rolle. Hier steht vor allem der unterstützende, kraftsparende Effekt im Vordergrund. Mit jedem Schritt nach oben wird durch aktives Schieben mit den Armen die Beinmuskulatur spürbar entlastet. Nach kurzer Zeit schon hat man den »Dreh mit den Stöcken« heraus und mag auf die Unterstützung durch Trekkingstöcke nicht mehr verzichten.

Achtung, Verletzungsgefahr!

Durch die scharfen Stahlspitzen der Trekkingstöcke besteht beim unachtsamen Hantieren eine erhebliche Verletzungsgefahr. Das gilt auch und vor allem beim Transport am Rucksack. Hier passieren schnell einmal, etwa  beim Umdrehen in der Seilbahn, in der Hütte oder auf engen Wegabschnitten, Schürfverletzungen beim Nachbarn (in Seilbahnen Rucksack grundsätzlich abnehmen!). Deshalb immer die Spitzen nach unten drehen oder besser prinzipiell die Schutzkappen beim Transport aufgezogen lassen. Bei schmalen, steilen Wanderwegen, aber auch auf Klettersteigen, wo der Hintermann eventuell nahe aufrückt, kann es ebenfalls leicht zu Verletzungen kommen. Deshalb immer auf ausreichenden Abstand zum Vordermann achten!          

Tipps für Bergaufgehen mit Trekkingstöcken:

  • Schon durch den Einsatz eines einzelnen Stockes kann im Aufstieg allein durch das »dritte Standbein« (verbessertes Gleichgewicht) Kraft eingespart werden. (Bild 2)
  • Optimale Stocklänge: Vom Boden bis zum leicht angewinkelten Unterarm. Auch hier muss man die individuell optimale Länge herausfinden.
  • Durch bewusstes Schieben mit den Armen mit der »Doppelstock-Technik« (ähnlich dem Skilanglauf) wird eine erhebliche Kraftersparnis erreicht (Bild 3)

Tipps für Bergabgehen:

  • Durch den Einsatz beider Stöcke beim Bergabgehen wird die größte Entlastung der unteren Extremitäten erreicht (Bild 4)
  • Optimale Stocklänge: vom Boden bis zum waagerecht gehaltenen Unterarm, die Handfläche liegt direkt auf dem Knauf des Griffes (Bild 5)
  • Bei gleichmäßiger Hangneigung werden die Stöcke am besten im Diagonalschritt eingesetzt
  • Je größer die Hangneigung, desto unterschiedlicher müssen auch die Stöcke gesetzt werden. Das bedeutet zwar eine erhöhte Anforderung an Aufmerksamkeit und Koordination, aber gleichzeitig auch eine deutliche Erleichterung – vorausgesetzt, man ist geübt
  • Stöcke und Arme so körpernah als möglich führen, um die Kraftübertragung optimal auszunutzen (Bild 6)

Tipps für Querung:

  • Bei Querungen kommt es auf die Länge der Querung an. Für kurze Stücke empfiehlt es sich, den bergseitigen Stock einfach nur weiter unten zu greifen; für längere Querungen sollte der bergseitige Stock kürzer gestellt werden (Bild 7)
Richtiges Gehen mit Teleskopstöcken
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