Alpine Gefahren im Frühjahr | BERGSTEIGER Magazin
Sicher unterwegs am Berg

Alpine Gefahren im Frühjahr

Es wird wärmer, die Skisaison ist fast vorbei. Südseitig bedecken nur noch wenige Schneereste die grünen Wiesen. Ungeduldige Wanderer zieht es jetzt fast schon magisch in die Berge. Eines sollte ihnen dabei aber bewusst sein: Die alpinen Gefahren sind zu dieser Jahreszeit meist andere, als noch im Hochsommer oder Herbst.

 
Schneereste erfordern besondere Vorsicht beim Bergsteigen. © Karl-Heinz Liebisch/pixelio.de
Schneereste erfordern besondere Vorsicht beim Bergsteigen.
Abgesehen von den Themen Kondition und Koordination, die nach langem »Winterschlaf« erst wieder aufgebaut werden müssen, erwarten Wanderfreunde im beginnenden Frühling alpine Gefahren, die zu anderen Jahreszeiten kaum eine Rolle spielen: Altschneefelder und Steinschlag zählen im besonderen Maße dazu. Hingegen sind Wanderungen in niedrigen Lagen meist problemlos möglich, Wanderwege und Zustiege bereits schneefrei.

Vorsicht ist aber bei höheren Zielen geboten: Vom grünen Tal aus geht es im Sonnenschein bergauf; mit zunehmender Höhe weichen die immer brauner werdenden Wiesen großen Schneeresten an schattseitigen Berghängen. Und ehe man sich versieht, steht man vor einem großen Schneefeld, das den gesamten Wanderweg unter sich begraben hält.

Jetzt bleiben nur zwei Möglichkeiten: umdrehen oder überqueren. Genau hier passieren die meisten tödlichen Bergunfälle im Frühjahr. Denn nur wer wirklich weiß, was er tut, und die entsprechende Erfahrung hat, kann die Situation gut einschätzen und bewältigen.

Vorsicht bei »Steinschlagwetter«

Mit zunehmender Erwärmung tritt hauptsächlich im Frühjahr Steinschlag auf. Auf schmalen und steilen Wanderwegen daher besonders aufmerksam sein. Während morgens in schattseitigen Hängen – bei nicht allzu großer allgemeiner Erwärmung – meist keine Gefahr herrscht, sollten Sonnenhänge bei hoher Temperatur gut beobachtet werden.

Vor allem, wenn oberhalb des Weges noch Schneemassen lagern, die eine Menge losen Gesteins mit sich reißen können. Oder wenn aus steilen Felswänden direkter Steinschlag auf den Weg droht. Mittags ist diese Gefahr am größten. Dann strahlt die Sonne intensiv in die über uns liegenden Wände oder Hänge. Schmelzprozesse lockern angefrorene Felsbrocken oder Schneereste, die als Stein- oder Schneelawine niedergehen.

Mit abnehmenden Temperaturen beruhigt sich die Steinschlaggefahr abends meist; locker gewordene Steine und die noch vorhandene Schneedecke verfestigen sich wieder.

Vorbeugen statt Nachsorgen

Der beste Schutz ist eine gute Tourenvorbereitung. Sie vermeidet gefährliche Situationen im Vorhinein. Unterwegs schützt vor allem wachsames Beobachten der Lage.

Wer dennoch in einen Steinschlag gerät und nicht mehr ausweichen kann, sollte seinen Kopf mit dem Rucksack so gut es geht schützen und sich ganz nah an den Fels kauern.

Regionale Besonderheiten beachten

Alpine Gefahren hängen auch von den unterschiedlichen Eigenschaften der Bergregionen ab. Im Allgäu beispielsweise gibt es sehr steile Grasflanken, im Karwendel hingegen eher steile Geröllhänge. Gleich, ob Geröll oder Gras – wenn es steil wird, besteht überall Absturzgefahr. Vor allem aber, wenn im Frühjahr ein paar Zentimeter Schnee den Rutscheffekt verstärken.

Daher sollte man sich schon bei der Planung eingehend mit den unterschiedlichen Geländestrukturen befassen, um hier die richtigen Entscheidungen zur Routenauswahl treffen zu können.    

Verhalten auf Altschneefeldern

Morgens und abends ist die Schneeoberfläche fest bis hart und meist ohne Hilfsmittel nicht passierbar; deshalb sollte man für solche Fälle im Frühjahr Pickel und/oder Steigeisen/Grödeln dabei haben. Auf schattseitigen oder hoch gelegenen Frühlingstouren sollte man sie unbedingt dabeihaben. Geübte Wanderer können Schneefelder auch mit gezielten Schlägen der Fußsohlenkante stabiler Bergschuhe sicher überqueren. Dies sollten sie aber zuvor in sicherem Gelände geübt haben!

Mittags ist die Schneeoberfläche der Altschneefelder eher weich und in gemäßigten Hangneigungen gut passierbar, wenn der Schuh tief genug einsinkt. Zu steile Hänge mit unzureichender Verbindung zum Grund sollten vermieden werden, weil hier die Gefahr groß ist, dass die Schneeauflage das Gewicht eines einzelnen Bergsteigers nicht trägt und mit ihm abrutscht.

Bei der Zeitplanung gilt es zu bedenken, dass die Lawinengefahr im Frühjahr zur Mittagszeit am größten ist. Am besten also, man umgeht steile Hangabschnitte mit großen Schneeresten!

Im Falle des Sturzes: die Liegestütztechnik

Jeder Bergwanderer sollte die Rettungstechnik für Stürze in Schneehängen oder steilem Schottergelände beherrschen. Denn nur mit der sogenannten »Liegestütztechnik« lässt sich ein Sturz in steilem Gelände ohne Hilfsmittel unter Kontrolle bringen. Handschuhe allerdings sollte man sich vorher bereits angezogen haben. Und: Je schneller man sich bei einem Sturz auf den Bauch dreht, desto früher ist die Gefahr gebannt! (siehe Grafik)
  • Blitzschnell auf den Bauch drehen
  • Liegestützposition einnehmen
  • Arme und Hände durchdrücken
  • Po nach oben heben

Der Tipp vom Bergführer

Folgende Informationen sollten sich Wanderer vor einer Bergtour unbedingt einholen:
  • aktueller Wetterbericht
  • aktueller Lawinenlagebericht
  • Routenplanung (Kartenstudium und Führerliteratur)
  • Machbarkeit der Bergtour (lawinensicher, Wege passierbar) in Erfahrung bringen (Hüttenwirt, Gemeinde, Touristeninformation)
  • Notfallrufnummer im Handy einspeichern (europaweit: 112)
  • Für den Fall eines Unfalles, sollte die Bergtour (Ziel, Weg und ungefähre Rückkehrzeit) zumindest einer Person bekannt sein, die dann die Bergwacht alarmiert
Alexander Römer
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