Der Berliner Höhenweg - Etappe 2

Von der Edelhütte zur Kasseler Hütte

Die erste Prüfung auf der großen Zillertaler Durchquerung lässt nicht lange auf sich warten: Der Siebenschneidensteig, auch als Aschaffenburger Höhensteig geläufig, ist eine von zwei Marathonetappen, aber sicher auch eine der reizvollsten, wenn man ein Faible für ausschweifende Märsche vor großer Bergkulisse mitbringt. 
 
Unterwegs am Siebenschneidensteig, der quer durch die westseitigen Kare des Ahornkammes führt; der Blick aus dem Popbergkar in den Grund der Stilluppe © Mark Zahel
Unterwegs am Siebenschneidensteig, der quer durch die westseitigen Kare des Ahornkammes führt; der Blick aus dem Popbergkar in den Grund der Stilluppe
Schritt für Schritt nähert man sich der Gipfelparade im Talschluss der Stilluppe, immer quer durch die Hochkare des Ahornkammes. Dabei müssen sieben mehr oder weniger ausgeprägte Gratschneiden überstiegen werden, am kniffligsten sind die ersten drei im nördlichen Teil. Zuweilen erwarten uns auf der 2. Etappe des Berliner Höhenwegs unwegsames, blockreiches Kargelände. Einige Steilpassagen an Felsrippen (mitunter gesichert) verlangen solide Trittsicherheit und Geländegängigkeit, die Weglänge zudem eine ausgezeichnete Kondition. Ausrüstung: Bergwanderausrüstung für Mehrtagetouren.

Die 2. Etappe des Berliner Höhenwegs

Von der Edelhütte schlägt man Südrichtung ein und steigt anfangs gemäßigt, dann steiler und mit ein paar Sicherungen zur Popbergnieder (2448 m) an. Hier links haltend entlang abschüssiger Grasflanken zunächst ohne Höhenverlust ins weite Popbergkar, das in großem Bogen ausgegangen wird. Dabei bald über grobes, chaotisch gestapeltes Blockwerk und schließlich wieder kurzzeitig steil auf die Gratrippe der Krummschnabelschneide (2444 m). Ein ausgesetztes Grasband leitet ins Hasenkar. Der gesicherte Steilaufstieg zum Sammerschartl (2392 m) in der Nofertensschneide ist je nach Verhältnissen meist die heikelste Passage der Etappe. Dahinter folgt das zahmere Nofertenskar, in dem man über magere Schafweiden allmählich leicht an Höhe verliert. Am Hennsteigenkamm passieren wir die Nofertensmauer (2277 m), ehe weiter schwach abwärts durchs Mader - egglkar gequert wird, und zwar in Richtung des wenig markanten Weißkarjöchls. Kurz davor befindet sich eine hölzerne Biwakhütte als Notunterschlupf.

Man hält weiter Südrichtung ein und quert nach dem Samerkarjöchl die recht ausgesetzten Flanken des Samer- und Steinkarls. Mit der markanten Geländeschulter der Sonntagskarkanzel (2202 m) ist die letzte Rippe erreicht und gleichzeitig wohl der schönste Aussichtspunkt am Siebenschneidensteig. Wir schwenken jetzt scharf links (ostwärts) ein und haben in Kürze zwei Möglichkeiten: Während früher meist das gesamte Sonntagskar ausgegangen wurde (dazu müssten nochmals fast 200 Höhenmeter gewonnen werden, um über den Bach zu kommen), begibt man sich heute eher steil in die Runse des Sonntagskarbachs hinab und gewinnt im Gegenanstieg gemeinsam mit dem Weg aus dem Stilluppgrund die Kasseler Hütte am Gratsporn der Eurer Köpfe.

Die Tour zur Kasseler Hütte auf einen Blick:

Wanderkarte 2. Etappe Berliner Höhenweg Edelhütte
Etappe 2 Berliner Höhenweg. © Rolle Kartografie, Holzkirchen
Talort: Mayrhofen (633 m) im Zillertal
Ausgangspunkt: Edelhütte (2238 m)
Zielpunkt: Kasseler Hütte (2178 m)
Höhenunterschied: 720 Hm Aufstieg, 780 Hm Abstieg
Gesamtdauer: 8 Std.
Beste Jahreszeit: Ende Juni bis Ende September
Karten/Führer: Alpenvereinskarte, 1:25 000, Blatt 35/2 »Zillertaler Alpen – Mitte«; Mark Zahel »Hüttentreks«, Bruckmann Verlag, 2010
Fremdenverkehrsamt: Tourismusverband, A-6290 Mayrhofen, Tel. 0 52 85/67 60
Hütten: Karl-von-Edel-Hütte (2238 m), DAV, bew. Mitte Juni bis Ende September, Tel. 06 64/9 15 48 51; Kasseler Hütte (2177 m), DAV, bew. Mitte Juni bis Ende September, Tel. 06 64/4 01 60 33
Charakter/Besonderheiten: Sehr lange Höhenroute für erfahrene Bergwanderer, denen raues Alpingelände nicht fremd ist. Neben Blockkaren kommen aber auch malerisch begrünte Passagen vor, die Aussicht ist stets fantastisch. Besonders ausgiebig sind die Gipfel des gegenüberliegenden Floitenkammes sowie der Große Löffler zu bewundern.
Achtung: Keine Notabstiege unterwegs, deshalb nur bei stabilem Wetter!

Zu den weiteren Etappen des Berliner Höhenweges
 
Mark Zahel
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 06/2010. Jetzt abonnieren!
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