Dolce Vita im Osten - Wandern in Slowenien | BERGSTEIGER Magazin
Wanderungen rund um Sloweniens Hauptstadt

Dolce Vita im Osten - Wandern in Slowenien

Wandern rund um Sloweniens Hauptstadt. Sonnenschein, warme Felsen und dazu ein Cappuccino: Auf den Piazze von Trento, Arco oder Como erwartet die Wanderer mediterranes Urlaubsflair gewürzt mit schönen Bergzielen. In der slowenischen Hauptstadt Ljubljana ebenso, nur wissen das die wenigsten – noch.
Von Michael Pröttel
 
Das erste Tageslicht entflammt den Himmel über dem Bleder See in Slowenien. © www.slovenia.info, Fotolia
Das erste Tageslicht entflammt den Himmel über dem Bleder See in Slowenien.
Aus den Karstbergen Sloweniens schlängelt sich ein geheimnisvoller Fluss Richtung Schwarzes Meer. Immer wieder verschwindet er in unterirdischen Karsthöhlen. Früher soll die Ljubljanica ein heiliges Gewässer gewesen sein, glauben Archäologen aufgrund der unzähligen Artefakte aus der Zeit um Christi Geburt bis ins 17. Jahrhundert, die in ihren Fluten gefunden wurden. Eine besondere Perle am Ufer dieses Flusses liegt exakt auf dem Breitengrad von Trento: Ljubljana, Hauptstadt von Slowenien. Italienische Barockbauten, großartige Jugendstil-Fassaden und das frische Grün von Trauerweiden, die sich im Wasser spiegeln, prägen neben Straßencafés und kultigen Kneipen das Bild der Stadt. Dahinter schimmern in der Ferne die verschneiten Gipfel der Karawanken und der Steiner Alpen. Ein wunderschöner Ort also, um in der Maisonne bei einem kalten Pivo (Bier) oder aromatischen Kava (Kaffee) die Tour des nächsten Tages zu planen.

Dass Ljubljana und seine Berge immer noch als Geheimtipp gelten, hat vielleicht mit Sloweniens Image eines ehemaligen Ostblockstaats zu tun. Tatsächlich verströmen Berg-Unterkünfte wie die monströse Triglavhütte oder die schmucklosen Plattenbauten von Jesenice nach wie vor kommunistisches Flair. Für Ljubljana gilt jedoch exakt das Gegenteil. Die Einwohner essen Pizza, Palatschinken und Gulasch, sie kleiden sich wie in Mailand und sprechen neben Englisch oft Italienisch und Deutsch. 2004 wurde Slowenien in die Europäische Union aufgenommen, 2007 der Euro eingeführt. Das Land gilt als Musterschüler der Osterweiterung.

Glockengeläut erfüllt Wandererwünsche in Ljubljana

Die Wander-Qualitäten Ljubljanas offenbaren sich schon auf der Anreise. Im Vorort Vikrče, wenige Kilometer vom Zentrum der Hauptstadt entfernt, startet die teils steile Bergtour zur Šmarna Gora. Lohn für die immerhin 450 Höhenmeter ist ein überwältigendes Panorama mit Blick auf Steiner Alpen, Karawanken und natürlich auf Ljubljana. Die kurzweilige Spritztour ist damit nicht nur für Bergbegeisterte, sondern auch für Städtereisende ein Höhepunkt. Selbst Einheimische wissen diesen Ort zu schätzen: Sie steigen – nicht nur wegen des netten Gipfel-Biergartens – oft noch nach Feierabend über einen der 15 Wanderwege dort hinauf.

Auch wenn sie nur 667 Meter misst, in der Geschichte des Landes spielt die Šmarna Gora eine große Rolle: In der Zeit der Türkeneinfälle wurden auf der Grmada, dem westlichen der beiden Gipfel, Bergfeuer zur Warnung vor drohender Gefahr angezündet. Die Überlebenden aus den Kämpfen gegen die Türken (und auch gegen die Pest) errichteten die älteste Sehenswürdigkeit auf dem Berg, eine Pestsäule. Kurz unter dem Gipfel steht eine Glocke, die Wanderer in der Hoffnung läuten, dass sich damit verborgene Wünsche erfüllen.

Sightseeing mit Panoramablick auf die Steiner Alpen

Nach diesem ersten Gipfel-Trip geht’s direkt zum Flussufer im Zentrum von Ljubljana, wo beim Apéro warme Abendluft ums Gesicht streicht. Schließlich liegt Ljubljana nur auf knapp 300 Meter Meereshöhe. Wie überall, gilt auch hier: Je weiter man sich vom touristischen Zentrum – in diesem Fall dem Presernov Trg – entfernt, desto alternativer werden die Kneipen und desto günstiger sind die Preise. Noch einen weiteren Grund gibt es, sich ins Nachtleben zu stürzen: Am nächsten Tag steht nur eine gemütliche Stadtwanderung Richtung Schlossberg auf dem Programm. Hierzu startet man am Prešernov Trg, an dem ein beeindruckendes Reliefmodell aus Bronze bei der Orientierung in Ljubljanas Gassen hilft. Der Weg führt über die Tromostovje (Dreibrücke) zum Mestni Trg (Stadtplatz), der von wunderschönen Barockfassaden umrahmt wird. Umgeben von hübschen Läden und Restaurants folgt man der gepflasterten Fußgängerzone nach Süden zum Levstikov Trg und weiter durch die Altstadt, um die Burg von Ljubljana zu erklimmen. Ihr Aussichtsturm bietet einen herrlichen Panoramablick über die verschachtelten Dächer, auf den alleinstehenden Berg Krim im Süden und auf die Steiner Alpen im Norden. Über die »Studentovska Ulica« erreicht man schließlich den Dom des Heiligen St. Nikolaus sowie den Marktplatz. Auf dem täglich stattfindenden Markt gibt es Obst und Gemüse in bester Qualität und zu günstigen Preisen. Brot, Gebäck und Käse für die nächste Bergtour kann man zudem in den Plečnik Arkaden erstehen, die den Fluss begleiten und zur berühmten Lindwurm- Brücke mit vier Drachenskulpturen führen.

Dolomiten in Miniatur

Auch bei der Tour in die westlich von Ljubljana gelegenen »Polhograjski Dolomiten « kann man das Auto stehen lassen, da sie gut mit dem Stadtbus zu erreichen sind. Eine der schönsten Mittelgebirgstouren Sloweniens führt durch die von grünen Hügeln und kleinen Felskuppen geprägte Landschaft. Durch vitalen Bergmischwald und über bunte Almwiesen geht es auf die überraschend alpine Grmada. Wegen ihrer spektakulären Gipfel-Felswand mitsamt entsprechendem Panorama mag man kaum vermuten, dass der Berg die 1000-Meter- Grenze um gerade mal elf Meter verfehlt. Ein lichter Kiefernwald prägt den Abstieg nach Dvor, wo es ein kulturelles Kleinod zu entdecken gibt: Das Hauptportal der St. Petruskirche besitzt das angeblich schönste, mittelalterliche Wappen-Relief Sloweniens. Die Holzdecke des dreischiffigen Innenraums ist so geschickt bemalt, dass sie wie ein Mauergewölbe aussieht. Der Name der alles überragenden Gestalt südlich von Ljubljana ist momentan in aller Munde, doch eher als Bezeichnung für die Halbinsel im Schwarzen Meer. Der 1107 Meter hohe Krim ist an Wochenenden ein beliebtes Ausfl ugsziel der Hauptstädter. Bei einem frischen Union (einem Bier der Hauptbrauerei von Ljubljana) genießen sie nach einem gut zweistündigen Anstieg die fantastische Rundumsicht auf Ljubljana, die Steiner Alpen und die Karawanken.

Narzissen zum Abschied

Echte Gipfelstürmer werden an dieser Stelle bemängeln, dass bis jetzt gerade einmal die 1000-Meter-Marke gerissen wurde. Spätestens auf der Rückreise wird sich dies ändern. In den Karawanken gibt es einige, gerade im Frühjahr sehr empfehlenswerte, weil südseitige Bergtouren vom Sava-Tal aus zu den höchsten Gipfeln des Grenzgebirges. Während der Winter die Nordwände der gegenüberliegenden Julischen Alpen Anfang Mai noch fest im Griff hat, verziert ein Meer weißer Narzissen beispielsweise die Wiesen der Golica-Alm. Zudem liegt auf dem Anstieg zum Kahlkogel, wie die Kärntner Nachbarn die Golica nennen, eine sehr nette Berghütte, auf der neben leckeren Käseknödeln ein Top-Blick auf den Triglav serviert wird. Noch besser ist die Aussicht vom Stol (zu deutsch Hochstuhl), die als die beste ganz Sloweniens gehandelt wird. Tief unter der mächtigen Südflanke des höchsten Karawanken-Gipfels liegt das grüne Sava-Tal mit Bled und seinem oft türkisblau schimmernden See. Dahinter ragen die Julischen Alpen mit Sloweniens Höchstem, dem Triglav in den Himmel. Und bei ganz klarer Frühjahrsluft kann man im Norden sogar den Großglockner ausmachen. Dort kämpfen sich zu dieser Jahreszeit noch die Skitourengeher durch den Schnee.

Tourentipps Slowenien:

Hochtour auf den Triglav
Wanderung in den Slowenischen Karawanken
Leichte Wanderung in Sloweniens Mittelgebirge

 
Fotos: 
www.slovenia.info (4), Michael Pröttel
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 05/2014. Jetzt abonnieren!
 
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