Der Sonne entgegen - Wanderziele im Winter | BERGSTEIGER Magazin
Wanderziele für sonnenhungrige Bergsteiger in den Wintermonaten

Der Sonne entgegen - Wanderziele im Winter

Sonnige Wanderziele im Winter. Sie haben den Winter bereits ausgekostet und es dürstet Sie nach milden Temperaturen und vielen Sonnenstunden jeden Tag? Sie möchten dabei auf Berge nicht verzichten und kurzärmelig wandern? Wir haben für Sie acht (Urlaubs-)Ziele ausgesucht, die jetzt schon Wärme versprechen.

 
Der Sonne entgegen - Wanderziele im Winter © Andrea Strauß
Ein sonnenverwöhnter Flecken: Varenna am Comer See mit Blick auf den Monte di Tremezzo

Wandern im Tessin – der Sonnenstube der Schweiz

Im Tessin sind nahezu alle Qualitäten vereint, die sich der Aktivurlauber wünscht: Berge und Seen, bestens abgesicherte Sportklettergebiete und wilde Schluchten; Infrastruktur nach Schweizer Standard und kulturelles Kleinod. Da das Tessin der südlichste Schweizer Kanton ist, trägt es auch den Ehrentitel »Sonnenstube der Schweiz«. Das will zwar nicht heißen, dass die Sonne am Lago Maggiore und am Luganer See das ganze Jahr über scheint – Regentage gibt es auch hier. Aber man kann in den tieferen Lagen bereits im März und April erste Wanderungen in wunderbarer Umgebung unternehmen, ohne frieren zu müssen.

Viele der Gipfel über Locarno und Lugano sind in ein, zwei Stunden erreicht und bieten dennoch eine schöne Aussicht auf die noch schneebedeckten Tessiner Alpen, auf das Wallis und die Adula-Alpen. Sie sind also speziell für den Saisonbeginn die erste Wahl. Wer auf Gipfelglück weniger Wert legt, findet wunderbare Talwege im Maggiatal, Verzascatal, im Centovalli, im Valle Leventina und im Sottoceneri mit schmalen Pfaden, alten Steinbrücken, malerischen Dörfern und romanischen Kirchen. 

Für Kletterer ist der Frühling sogar die beste Reisezeit. Am Nordufer des Lago Maggiore (193 m) sorgen die niedrige Lage und die oft südseitige Ausrichtung der Felsen für milde Temperaturen. Anschließend ein Latte Macchiato unter Palmen, abends geht es dann in eine Bar in Ascona oder in die Burgenstadt Bellinzona!

Mallorca – Jenseits vom Ballermann

Schon seit einigen Jahren bemüht sich der Inselrat Consell de Mallorca, vom Image als Ballermann-Party-Insel loszukommen. Um so größer war die Freude, als das im Norden der Insel gelegene Gebirge Serra de Tramuntana im Jahr 2011 in die UNESCO Welterbeliste aufgenommen wurde. Ausschlaggebend war unter anderem, dass die Tramuntana als Jahrhunderte alte Kulturlandschaft durch einen hervorragend konzipierten Weitwanderweg dem sanften Wandertourismus zugänglich gemacht wurde.

 So kann man an der Nordseite der Insel auf bestens markierten Wegen und perfekt geführten Refugis auf der so genannten Trockenmauer-Route durch eines der schönsten Gebirge des Mittelmeers wandern. Dabei kommt man an tollen Aussichtsgipfeln, uralten Schneehäusern und traumhaften Orten vorbei, von denen die meisten Strand-Touristen rund um Palma nicht einmal eine Ahnung haben.
Michael Pröttel

Sizilien – »Nordafrikanisches« Abenteuer

Sie gilt als karge Schönheit, die größte Insel des Mittelmeers. Dabei kommt das ganz auf die Reisezeit an. Mit etwas Glück beginnen die Mandelbäume auf Sizilien bereits Ende Februar zu blühen. Dann neigt auch der März dazu, schön zu sein, und die Insel erstrahlt wie eine Braut am Tag der Hochzeit. Mit mehr als 3000 Blütenpflanzen übertrifft ihre Artenvielfalt sogar die Kretas.

Bis Ende Mai führen die Wege durch eine manchmal schier unglaubliche bunte Pracht. Erstaunlich abwechslungsreich ist auch das Revier für Wanderer. Wie ein steinernes Rückgrat zieht sich im Norden der Insel ein Gebirgsbogen an der Küste entlang, an den im Süden niedrigere Ketten und hügelige Landschaften anschließen. Viele Bergsteiger haben als erstes Ziel den höchsten Berg, den Ätna, im Visier.

Dabei ist er bestimmt nicht das einzig reizvolle Ziel. Eine Herausforderung auf der gesamten Insel: Wege sind zwar theoretisch meist markiert, sie zu finden ist trotzdem ein Abenteuer. Die Markierungen wurden oft an Holzpfosten angebracht, die nicht mehr da sind. Insofern hat Wandern auf Sizilien viel mit Geocaching zu tun. Kompass und GPS sollten im Rucksack nicht fehlen. 

Die Felsen in der Nähe des im Nordwesten der Insel, am Ende einer Landzunge gelegenen Badeortes San Vito lo Capo gelten als eines der besten europäischen Klettergebiete für kühle Jahreszeiten, denn viele Wände sind nach Südwesten ausgerichtet. Hier kommt alles zusammen, wonach sich der Naturmensch sehnt – die Erhabenheit von Felswänden und die Weite des Meeres – und was der Genussmensch für einen gelungenen Urlaub sucht: exzellente sizilianische Küche, aufgrund der geographischen Lage bei Gewürzen und in der Art der Zubereitung nordafrikanisch angehaucht.
Sandra Zistl

Zypern – Der Duft der Aleppokiefern

Rennradfahrer wissen es längst: Wer im Winter Kilometer sammeln und Kondition aufbauen will, der ist mit Zypern gut beraten. Wenn im Mittelmeerraum gar nichts mehr geht und über Mallorca Kaltfronten hinwegziehen, dann trumpft die Insel mit etwa 300 Sonnentagen im Jahr und einem sehr milden Klima auf. Wenn dann im April die ersten Badetouristen die Strände bevölkern, ist die Saison für die Radler fast schon vorbei: zu heiß wird’s an den Anstiegen zum Troodos-Gebirge. Dass  Zypern aber gerade im März für Wanderer ideal ist, hat sich noch nicht wirklich herumgesprochen.

Man kann im Troodos-Massiv stundenlang wandern, ohne einer Menschenseele zu begegnen, eingehüllt vom Duft der Aleppokiefern. Oberhalb von 1200 Metern wächst die Schwarzkiefer, die sich zum teil bizarr über Felsen und Abhänge verrenkt, an den südexponierten Hängen blüht der Ginster. Der Schritt federt leicht auf den von Nadeln bedeckten Saumpfaden, Hyazinthen und Alpenveilchen säumen den Weg. 

Apropos Botanik: Man kann auch als  Laie ins Schwärmen kommen angesichts der vielen Orchideen (45 Arten), die einem auf den Streifzügen durch den Troodos oder auf dem Akamas im äußersten Osten der Insel begleiten. Sehr zu empfehlen ist die »Große Troodos-Runde«, eine etwa sechsstündige Panorama-Wanderung mit mehreren Aussichtspunkten wie dem Gipfel des Pouzaris (1629 m). Zeitweise wird der Blick unschön gefangen von der ehemaligen Asbestmine Amiantos und ihren erodierten Hängen – ein Umweltfrevel aus zum Glück vergangenen Zeiten.
Michael Ruhland

Teneriffa – Das Unten ist das Ziel

Man kann von der tourismusgestressten Kanareninsel Teneriffa halten, was man will. Aber diese Vielfalt auf derart kleinem Raum ist schlicht einzigartig. Als Urlauber lassen sich im März sämtliche Jahreszeiten durchleben, vom Sommer an den sonnenverwöhnten Südstränden bis zum frostigen Gipfel des Pico del Teide auf 3718 Metern. Gleichzeitig bietet die Insel eine Vielzahl an Klimaten und Vegetationszonen, die selbst Geografen die Sinne verwirren. Teneriffa – nicht einmal fünf Flugstunden entfernt – ist Südafrika, Island und Arizona in einem. 

Das gewaltige Vulkanplateau im Zentrum der Insel erinnert an die Halbwüste, die Lorbeerwälder im Tenogebirge im Nordwesten an die Tropen, das Orotava-Tal – von Alexander Humboldt als »harmonisches Gemälde« geadelt – an einen botanischen Garten.

Kakteenhänge am Barranco del Infierno machen eines auf Mittelamerika, während die Kanarenkiefer als endemisches Gewächs dem Ganzen einen klaren, unvergleichlichen Charakter gibt. Das Klima-Mosaik ist von einem – teilweise sogar mit mitteleuropäischer Akkuratesse ausgeschilderten –Wanderwegenetz erschlossen. Auf den Pfaden durch die Barrancos (Schluchten) kann man sich ohnehin nicht verlaufen. Sie sind für den Alpenmenschen ein geradezu paradoxes Vergnügen, ganz nach dem Motto: Das Unten ist das Ziel.

So geht es in der Masca-Schlucht erst einmal bergab und dann bergauf oder sogar per Schiff zurück. Das gibt es nicht einmal am Königssee. Und wer richtig steil gehen will, findet um Arico und am Kraterrand sogar ein paar bestens abgesicherte Kletterfelsen. Wobei das größte Abenteuer möglicherweise darin besteht, den Kletterführer zu finden.
Dominik Prantl
 
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 03/2013. Jetzt abonnieren!
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