Kindgerechte Klettersteige in Raumsau am Dachstein

Zwei Klettersteige für Kinder

Klettersteige wurden einst als praktische Aufstiegshilfen erfunden – heute haben sie bei Bergbegeisterten eine wachsende Fangemeinde. In Ramsau am Dachstein gibt es 18 Klettersteige, zwei davon eignen sich besonders für Kinder und Jugendliche.
Von Lea Hampel
 
Kinder fühlen sich oft von Anfang an wohl am Felsen – anders, als viele Eltern denken. © Iris Kaun-Huber, Hans-Peter Steiner
Kinder fühlen sich oft von Anfang an wohl am Felsen – anders, als viele Eltern denken.
Keine 200 Jahre ist es her, da hatten Haken und Drahtseile am Fels vor allem eine Funktion: Menschen den Weg von Ort zu Ort zu erleichtern. Als der Geologe Friedrich Simony 1843 auf dem Dachsteingipfel in Österreich den ersten Klettersteig zu Sportzwecken errichten ließ, konnte er nicht ahnen, dass er eine Trendsportart begründen würde. Und doch: Seit über 170 Jahren gilt die Gegend um die Ramsau nun als »Wiege der Klettersteige« – und hat bis heute eine Vorreiterrolle. Denn aus dem Klettersteiggehen ist eine Disziplin mit vielen Fans geworden. Besonders für kleine Gäste ist die Beschäftigung, die zwischen Bergsteigen, Wandern und Klettern changiert, geeignet.

»Wir haben festgestellt: Das ist perfekt für Kinder, um ihren Bewegungsdrang auszuleben«, sagt Elias Walser vom Tourismusverband Ramsau am Dachstein. Schon im frühen Grundschulalter können sich Kinder an einem Klettersteig versuchen – vorausgesetzt, sie sind trittsicher, schwindelfrei, haben ein wenig Bergerfahrung und Kondition.

Schwierige Klettersteig-Passagen besser am Anfang

Wer mit dem Nachwuchs einen Steig erklimmen will, sollte mehr Zeit einplanen als sonst: Kinder brauchen nicht nur längere Pausen, sie entdecken auf dem Weg Dinge, die ihre Aufmerksamkeit fordern. Auch die Ansprüche sollten nicht zu hoch angesetzt werden: »Viele Eltern wünschen sich eine schöne Wanderung und einen Klettersteig«, sagt Elias Walser. Eine mehrstündige Kombination ermüdet jedoch kleine Bergsteiger. Die meisten Notsituationen entstehen, weil jemand seine Fähigkeiten überschätzt hat – oder die seiner Sportgenossen. Das kann durch gewissenhafte Planung vermieden werden. Zum einen sollte die Route nach Größe und Erfahrung des Kindes gewählt werden.

»Der ideale Zustieg dauert nur eine halbe Stunde«, sagt Elias Walser. Ist er länger, raubt er Kraft, die später am Fels fehlt. »Schlägt dann noch das Wetter um, kann es schon einmal eine kleine Familienkrise geben.« Zum Zweiten sollten bei der Tour schwierige Abschnitte am Anfang kommen, wenn noch die meiste Kraft vorhanden ist. Drittens sind Steige ideal, bei denen Notabstiegsmöglichkeiten bestehen. Wichtig ist außerdem, dass der Steig durchgehend gesichert ist. Es hilft sehr, wenn die mitgehenden Erwachsenen die Tour kennen. Und nicht zuletzt sollte das Wetter beachtet werden: Regen macht den Fels rutschig und Gewitter machen Klettersteige extrem gefährlich: Das Metall wird schnell zum Blitzableiter.

Obligatorischer Ausrüstungstest

Genauso wichtig wie die genaue Planung ist die praktische Sorgfalt. Denn auch wenn die Aufregung groß ist, sobald die ersten ihre Ausrüstung anhaben: Genauigkeit ist die beste Unfallvorbeugung. Alle sollten satt und ausgeruht sein. Die Ausrüstung – Klettergurt, Helm und Klettersteigset – sollte je von einer zweiten Person gecheckt werden. Ist ein Kind unsicher, macht ein Hilfsseil von 10 bis 20 Metern Länge Sinn. Bevor es losgeht, sollte besprochen werden: Was sind Besonderheiten, wo sind schwierige Stellen?

»Idealerweise bespricht man den Ablauf vor jedem Abschnitt neu«, sagt Elias Walser. »Und auf schwierige Stellen weist man kurz vorher hin.« Wie Erwachsene sollten auch Kinder stets beide Arme des Klettersteigsets im Stahlseil eingehängt haben und beim Umhängen daran erinnert werden, wie wichtig die Sicherheit ist. Es muss immer ein Karabiner am Drahtseil bleiben. »Anweisungen wie ›Einhängen‹ und ›Aushängen‹ sollte man wiederholen«, erklärt Walser. »Bevor man es nicht mindestens vier Mal gesagt hat, merken die sich das nicht.« Mit dieser Hilfe jedoch ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass am Ende einer Route große und kleine Menschen die Aussicht genießen – und aus der alten Bergtradition eine Familientradition wird.

Kindgerechte Klettersteige Kali und Kala

Kindgerechte Klettersteige DachsteinAm Sattelberg können sich Kinder und Jugendliche testen Am Sattelberg in der Ramsau bietet sich eine besondere Gelegenheit, ein Gefühl für das Klettersteiggehen zu bekommen. Dort hat der Tourismusverband Ramsau jeweils einen eigenen Kinderklettersteig für Kinder (Kali) im Jahr 2001 und Jugendliche (Kala) 2009 errichtet. Sie führen von der alten Ramsauer Getreidemühle bis zum Gipfel des Kinderberges: Der Kinderklettersteig über die Flechtenwand und den Gämsenturm, der etwas anspruchsvollere Jugendklettersteig über mehrere Grate – auf beiden Strecken können schwierige Stellen auch umgangen werden. Sie eignen sich daher gut für Einsteiger, die noch herausfi nden müssen, wie weit ihr Mut und ihre Fähigkeiten reichen. Hinterher können die kleinen Berggäste einen Teil des Abstiegs unter Aufsicht eines Bergführers mit einem Flying Fox abkürzen. Ein weiterer Teil des Abstiegs besteht zudem aus einem Natur- und Umwelterlebnispfad (s. S. 84 in BERGSTEIGER, Ausgabe 08/2014).
Infos: www.ramsau.com
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