Der Sextener Klettersteig-Achter - Etappe 2

Neuer Klettersteig zur Büllelejochhütte

In der neuen Via ferrata, die das Rifugio Carducci mit dem Bivacco De Toni verbindet, besteht eine landschaftlich schlicht grandiose Alternative zum Wanderweg über das Giralbajoch. Zwei Dreiseilbrücken und die maximal ausgesetzte Schlüsselstelle sorgen für gesteigertes Ferrata-Feeling.
 
Hängebrücken erhöhen bei dem neuen Klettersteig zur Büllelejochhütte noch zusätzlich die Spannung © Manfred Kostner
Hängebrücken erhöhen bei dem neuen Klettersteig zur Büllelejochhütte noch zusätzlich die Spannung
Die neue Ferrata (über den Namen rätseln die Erbauer noch) ist, trotz der beiden Seilbrücken (3 und 13 m), bewusst nicht als Sportklettersteig angelegt. Die Route sucht und findet den leichtesten Weg in einem spektakulär wilden Felsgelände. Die Schlüsselstelle ist nicht schwierig, aber eine kleine Mutprobe, weil sehr ausgesetzt.

Vom Rifugio Carducci zur Büllelejochhütte

Der neue Klettersteig: Von der Hütte in südlicher Richtung, erst ab-, dann wieder ansteigend, in den Karwinkel unter der Forcela Maria (2351 m). Blickfang ist hier die unwahrscheinlich schlanke Felsnadel mit dem appetitlichen Namen Salsiccia. Aus der Scharte gut gesichert aufwärts zu einer kurzen Hängebrücke. Felsbänder leiten anschließend in eine Rinne, aus der man kurz auf einen grasigen Rücken ansteigt. Dahinter läuft die Spur bergab auf ein markantes Band. Zunächst noch komfortabel breit, wird es zunehmend schmaler. Mit viel Luft unter den Schuhsohlen quert man zur Fortsetzung des Felsbandes (Schlüsselstelle), das ein paar Meter weit überdacht ist und zum Kriechgang zwingt. Eine fast senkrechte Wandstufe bringt einen zur zweiten, etwa 13 Meter langen Hängebrücke, die einen tiefen Spalt überspannt. Anschließend quert die Route, teilweise noch gesichert, in die breite Geröllrinne unter der Forcela de l’Agnel (2578 m). Mühsam auf sehr rutschiger Unterlage etwa 150 Höhenmeter hinauf zur Schafscharte mit dem Bivacco De Toni.

Zum Sandbüheljoch: Der Weiterweg läuft unter der senkrechten Westwand des Zwölfermassivs mit einigem Auf und Ab nördlich hinüber zur Zwölferscharte (2524 m). Ein hartes Schneefeld unter dem Zwölfer, das praktisch den ganzen Sommer über besteht, sowie ein Bergsturz, der den Weg auf über hundert Meter Länge verlegt hat, erschweren die Begehung dieses Abschnittes. Hier sind 2015 Sanierungsarbeiten vorgesehen (teilweise Neutrassierung). Aus der Zwölferscharte auf gutem Steig flach hinüber zum Sandbüheljoch (2530 m).

Alpinisteig (Cresta di Gengia): Vor einigen Jahren rekonstruiert und gesichert, folgt er den ehemaligen italienischen Stellungen am Cengia-Grat. Nach kurzem Anstieg geht’s über Treppen hinab auf ein markantes, recht luftiges Horizontalband. Zuletzt über leichte Felsen abwärts in die Gratsenke des Oberbachernjochs (2519 m) und flach hinüber zur Büllelejochhütte (2528 m).

2. Etappe des Sextener Klettersteig-Achters auf einen Blick:

Karte 2. Etappe Klettersteigrunde Sextener DolomitenSchwierigkeit: K2-K3
Höhendifferenz: 550Hm / 320Hm
Dauer: 4½ Stunden
Ausgangspunkt: Rifugio Carducci (2297 m)
Endpunkt: Büllelejochhütte (2528 m)
Gehzeiten: Rifugio Carducci – Bivacco De Toni 2½ Std., Bivacco De Toni – Büllelejochhütte 2 Std.
Beste Jahreszeit: Ende Juni bis zum ersten Schnee im Herbst
Karte/Führer: Tabacco 1:25 000, Blatt 010 »Sextener Dolomiten«. Eugen E. Hüsler/Manfred Kostner »Top- Klettersteige Dolomiten«, Bruckmann Verlag, München. Eugen E. Hüsler »Sexten – Hochpustertal«, Kompass Verlag, Innsbruck
Fremdenverkehrsamt: Consorzio Turistico Auronzo Misuruina, Via Roma 24, I-32041 Auronzo di Cadore; Tel. 00 39/04 35/ 40 80 56, www.auronzomisurina.it
Hütten: Büllelejochhütte (2528 m), Mitte Juni bis Anfang Oktober; Tel. 00 39/3 37/45 15 17, www.rogger.info. Bivacco De Toni (2567 m), Notunterkunft, stets zugänglich

Zur Übersicht Klettersteigrunde in den Sextener Dolomiten
1. Etappe: Vom Rufugio Lunelli zum Rifugio Carducci
3. Etappe: Paternkofel und Toblinger Knoten
4. Etappe: Alpinisteig und Sextener Rotwand  
Von Eugen E. Hüsler
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