Anspruchsvoller Klettersteig in den Lechtaler Alpen

Imster Klettersteig in Tirol

Der »Imster«, 1989 eingeweiht, gehört längst zu den Klassikern unter den Tiroler Klettersteigen. Die verwegene Schlüsselstelle (ursprünglich K6) wurde durch ein paar Eisenbügel entschärft und der stark durch Steinschlag gefährdete Abstieg in Felsgelände verlegt.
 
Das Gipfelkreuz am Maldonkopf (2632m) © BERGSTEIGER
Das Gipfelkreuz am Maldonkopf (2632m)
Anspruchsvoller alpiner Klettersteig mit einigen stark fordernden Einzelstellen (K5). Da öfters auf Reibung gegangen werden muss, sind Kletterschuhe von Vorteil. Vor der Schlüsselstelle Zwischenabstieg ins Engelkar möglich. Nach einer Rast in der Muttekopfhütte kann man noch einen Abstecher zum neuen Wasserfallsteig unternehmen (K3, ½ Std.).

Klasse-Ferrata hoch über Imst

Zustieg: Vom Parkplatz (1560 m) auf der Sandstraße zur Latschenhütte (1623 m) und weiter zur Talstation der Hüttenseilbahn, dann auf ordentlichem Fußweg bergan zur Muttekopfhütte (1934 m). Dahinter (Wegzeiger) über Wiesenhänge hinauf zum winzigen Guggersattele und ins Scharnitzkar. Hier verlässt man den zum Scharnitzsattel führenden AV-Weg nach rechts, quert den Talboden und steigt, der deutlichen Spur folgend, steil bergan zum Felsfuß (Tafel, ca. 2130 m).

Imster Klettersteig: Die Route folgt den steil gestellten Rippen am Südgrat des Maldonkopfs. Das dicke, in kurzen Abständen verankerte Drahtseil gibt dabei die Richtung vor. Nach dem eher moderaten Auftakt nimmt die Steilheit allmählich zu, Tritte und Griffe werden dafür weniger. Eine Linksquerung – am Fixseil um ein luftig griffloses Eck herum – erweist sich als erste größere Herausforderung. Rund 250 Höhenmeter über dem Einstieg ist der erste Pfeiler geschafft, man kann durchatmen. Der zweite Abschnitt bietet abwechslungsreiche Kletterei mit einigen knackigen Einzelstellen. Er läuft am Vorgipfel (ca. 2525 m) aus; etwas unterhalb das Steigbuch.

Die Fortsetzung der Route ist nun gut zu überschauen: zunächst kurz abwärts (Kette) in eine Scharte (2510 m; rechts Notabstieg, markiert), dann an einem Pfeiler zunehmend steiler zur eigentlichen Schlüsselstelle (K 5), in die man von einem Felsabsatz nach rechts einsteigt. Die knapp 20 Meter in der Senkrechten verlangen vollen Einsatz, trotz einiger Eisenkrampen. Letztes Hindernis vor dem Gipfel ist dann ein kurzer Steilaufschwung, der den Bizeps nochmals ordentlich strapaziert. Dann steht man oben am Kreuz (2632 m), genießt den stimmungsvollen Rundblick und das Gefühl, eine Route der Spitzenklasse gemeistert zu haben.

Abstieg: Kurz am Grat entlang, dann mit neuen Sicherungen über gestufte Felsen neben dem stark steinschlaggefährdeten Couloir (ursprünglicher Abstieg) hinunter zum Felsfuß. Anschließend im Grobschotter durchs Engelkar weiter abwärts, den Markierungen folgend rechts um den Felsfuß herum zum Einsteig und auf dem Hinweg weiter zur Muttekopfhütte. Von dem gastlichen Haus hinauf (zum Sessellift am Alpjoch) oder hinab (zum Parkplatz) zum Ausgangspunkt der Tour.

Eckdaten zum Imster Klettersteig

Imster Klettersteig Karte
Der Imster Klettersteig ist nur was erfahrene Klettersteigler
Höhendifferenz: 1080/820 Hm
Dauer: 6¼/ 5 Std.
Talort: Imst (827 m)
Ausgangspunkt: Wanderparkplatz Obermarkter Alm (1560 m) oder Bergstation der Imster Sesselbahnen am Alpjoch (2050 m)
Öffentliche Verkehrsmittel: Imst liegt an der Arlberg-Bahnlinie; Ortsbus zur Liftstation Hochimst. Zufahrt zum Parkplatz Obermarkter Alm nur außerhalb der Betriebszeiten der Sesselbahn gestattet. Infos dazu unter Tel. 00 43/54 12/6 63 22  
Gehzeiten: 6¼ Std. (Zustieg 2 Std., Klettersteig 2 Std., Abstieg 2¼ Std.); startet man am Alpjoch (Liftstation), ergibt sich eine Gesamtgehzeit von 5 Std.
Beste Jahreszeit: Ende Juni bis zum ersten Schnee im Herbst
Karte: Österreichische Karte 1:25 000 bzw. 1:50 000, Blatt 115 »Reutte«
Fremdenverkehrsamt: Imst Tourismus, Johannesplatz 4, A-6460 Imst; Tel. 00 43/54 12/6 91 00, www.imst.at
Hütten/Einkehr: Muttekopfhütte (1934 m), bew. Anfang Juni bis Mitte Oktober; Tel. 0043/6 64/1 23 69 28, www.muttekopf.at

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Eugen E. Hüsler
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 09/2012. Jetzt abonnieren!
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