Auf Deutschlands höchsten Berg - über den Stopselzieher Klettersteig

Der »Stopselzieher« auf die Zugspitze

Steil und schattig von der Tiroler Seite aus startet der Stopselzieher. Der Anstieg von Tiroler Seite aus auf die Zugspitze hat den großen Vorteil, dass er fast bis Mittag im Schatten liegt, also ideal ist für heiße Sommertage. Steil und schweißtreibend ist der Weg dennoch, und einige Klettersteig-Einlagen warten ebenfalls auf dem Weg über die Wiener-Neustädter-Hütte.
 
Über drahtseilversicherte Passagen geht es nach dem »Stopselzieher« Richtung Gipfelgrat. © Bernd Ritschel
Über drahtseilversicherte Passagen geht es nach dem »Stopselzieher« Richtung Gipfelgrat.
Dieser Anstieg wird, im Vergleich zu den anderen Normalwegen, relativ selten begangen. Dabei ist er anspruchsvoller als der Weg durchs Reintal und weniger spektakulär als die Route durchs Höllental. Ob man nun vom tiefblauen Eibsee aufbricht oder aus dem Tirolerischen von der Talstation der Ehrwalder Zugspitzbahn – der Weg ist nicht zu unterschätzen und bildet unter den Aspekten der Schwierigkeit und der Länge gleichermaßen sozusagen »die goldenene Mitte« der drei klassischen Zugspitz-Anstiege. Kaum zu glauben, dass es durch die scheinbar übermächtig nach Westen abbrechenden Felsflanken der Zugspitz-Westseite einen für »Normalbergsteiger« gangbaren Weg geben soll.

Über eine steile Rampe und zahlreiche Geröllbänder schlängelt sich der teilweise mit Drahtseilen gesicherte Steig durch die Steilflanke des Gamskars bis zur Wiener-Neustädter-Hütte. Sie liegt gut versteckt im weitläufigen Österreichischen Schneekar auf 2209 Metern. Zum Gipfel sind es von hier »nur« noch gute zwei Stunden. Aber diese letzten beiden Stunden haben es noch einmal in sich. Auf die Schlüsselstelle gleich zu Beginn, den steilen kaminartigen »Stopselzieher«, der auf Eisenbügeln bewältigt wird, folgen weitere gesicherte Klettersteigpassagen und ausgesetzte, bei Nässe oder Schnee gefährlich rutschige Steige, bis man endlich auf etwa 2820 Metern Höhe am Grat aussteigt, in unmittelbarer Nähe der 1962 abgebrannten Bergstation der alten Ehrwalder Zugspitzbahn. Nun geht es auf breitem Pfad zu der vom Zugspitz-Platt kommenden »Normalroute«.

Stopselzieher-Steig auf die Zugspitze

Aufstieg: Von der Talstation der Tiroler Zugspitzbahn am Wanderweg anfangs gegen Osten, dann nach Südosten und auf der Skipiste dem Binderweg folgen. Der Wiesen- hang schwingt sich steil auf, dreht links ab und verengt sich zu einer Schneise. Vor den markanten Felsen der Ehrwalder Köpfe dreht er rechts ab, und gleich darauf zweigt nach links ein Steig ins Latschenkrummholz ab. Der Bergweg quert nochmals die Skiabfahrt, steigt im Gebüsch weiter an und erreicht die alternative Route, die am Georg- Jäger-Steig von Ehrwald heraufkommt. Nun passiert man die ausgedehnten Geröllfelder des Gamskares. Zwischendurch quert die Route Latschenbänder und Wiesenhänge, führt an einem Brunnen vorbei und in unzähligen Kehren zur Gratkante hinauf, die bei einer Seilbahnstütze erreicht wird. Auf der Grathöhe rechts abdrehen, mehrmals kurz ans Drahtseil und gegen Osten weiter. Am gut gesicherten Bergweg auf der linken (der nördlichen) Seite des Gratrückens weiter, mit dem Weg rechts abdrehen und zur Wiener-Neustädter-Hütte.

Unmittelbar vor der Hütte schwenkt die Anstiegsroute nach links, quert Schnee- und Geröllfelder und führt an steil aufragende Felsen heran. Dort beginnt ein leichter Klettersteig. Anfangs ist die Steiganlage sehr einfach zu bewältigen. Sie führt durch einen eindrucksvollen Felsentunnel – den »Stopselzieher« – und ziemlich steil eine Felswand hinauf. Anschließend folgt eine längere Etappe ohne Drahtseilsicherung, bevor es gesichert weitergeht. Nach langem, anstrengendem Steilanstieg wird der Wettersteingrat erreicht. Auf ihm links halten und an Antennenanlagen vorbei zum Münchner Haus. Dort schwindelt man sich durch den Touristenrummel zum Gipfelsteig hinab, über eine kurze Leiter hinauf, biegt rechts ab und folgt dem kurzen Grat zum Kreuz auf dem Gipfel.

Abstieg: Entweder entlang der Aufstiegsroute oder ganz bequem mit der Tiroler Zugspitzbahn zum Ausgangspunkt zurück

Der Anstieg über die Westflanke im Überblick

Stopselzieher Zugspitze - KarteHöhendifferenz: 1730Hm
Dauer: 5-6 Std.
Ausrüstung: Bergwanderausrüstung, Steinschlaghelm, Klettersteigset
Talort: Ehrwald (994 m)
Ausgangspunkt: Talstation der Zugspitzbahn (1228 m)
Öffentliche Verkehrsmittel: Bahn bis Ehrwald, ab dort Bus zum Ausgangspunkt
Beste Jahreszeit: Hochsommer und früher Herbst
Karte/Führer: Kompass Wanderkarte 1:50 000, Blatt 5 »Wettersteingebirge – Zugspitzgebiet«; Siegfried Garnweidner »Wandern kompakt Zugspitze und Umgebung«, Bruckmann Verlag
Fremdenverkehrsamt: Tiroler Zugspitzarena, Tel.00 43/ (0)56 73/2 00 00, www.zugspitzarena.com
Hütten: Wiener-Neustädter-Hütte (2213 m), ÖTK, Juli bis September, Tel. 00 43/(0)6 76/4 77 09 25; Münchner Haus auf der Zugspitze (2959 m), DAV, Mitte Juni bis Mitte Oktober, Tel. 0 88 21/29 01
Charakter/Schwierigkeiten: Die Route über die Wiener- Neustädter-Hütte ist ziemlich steil und verläuft fast in der Direttissima zum Gipfel hinauf. Deshalb ist sie auch die schnellste zur Zugspitze. Wer sich den Abstieg sparen und mit der Seilbahn talwärts gondeln will, kommt direkt am Ausgangspunkt an. Steiler und am langen Klettersteig stellenweise auch ausgesetzter Anstieg. Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und einwandfreie Kondition sind erforderlich.

Weitere Wege auf die Zugspitze:

Durch das Reintal
Durch das Höllental
Über den Jubiläumsgrat
Christof Schellhammer, Siegfried Garnweider
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren