Mehrtagestour in der Venedigergruppe

Hochtourenrunde der Herzen

Eine wunderbare Mehrtagetour in Osttirol führt in die Region rund um die Dreiherrnspitze ins Grenzgebiet zu Südtirol – und zu einer kleinen Verwandten der Stüdlhütte.
 
Im oberen Umbalkees an der Dreiherrnspitze klaffen mächtige Spalten. © Alpinkompetenzzentrum Osttirol
Im oberen Umbalkees an der Dreiherrnspitze klaffen mächtige Spalten.
Nach dem Tunnel in Matrei rechts: Wer von Norden durch den Felbertauerntunnel kommend diesem Hinweis folgt, landet in einer der einsamsten Regionen der Ostalpen. Im Virgental, Ausgangspunkt für diverse Tages- und Mehrtagetouren in der westlichen Venedigergruppe. Das Gebiet mag in Osttirol liegen und doch ähnelt es landschaftlich eher den Westalpen: Die Gletscher sind spaltenreich, die Steige nicht immer leicht zu finden, die Anstiege lang und beschwerlich – alpine Erfahrung ist oberstes Gebot. Berge wie Rötspitze (3496 m), Dreiherrnspitze (3499 m) oder die Simonyspitzen (westliche: 3488 m, östliche: 3446 m) haben einen entsprechend guten Ruf in Bergsteigerkreisen.

Das Auto am Talschluss in Ströden geparkt, wird es relativ schnell alpin. Eine konditionell anspruchsvolle Tour führt in zwei bis drei Tagen durch diese weniger bekannte Ecke des Nationalparks Hohe Tauern. Im Gegensatz zum Großvenediger (3666 m) finden hier nur wenige Bergsteiger her. Am ersten Tag führt der Weg zunächst noch gemütlich von Ströden an einem Hochseilgarten vorbei ins Maurertal und auf die Essener-Rostocker-Hütte (2207 m) – mit genialem Blick von der Terrasse auf Großen Geiger und Simonyspitze. Das Panorama wird nicht unbedingt schlechter, auch wenn man sich die weiteren Aussichten hart erarbeiten muss: Denn weit zackiger verläuft der zweite Tag, an dem es »zeitig« losgeht, wie es Martin Rainer, Bergführer und Obmann des Austria Alpinkompetenzzentrums Osttirol formuliert.

Der Weg zur Dreiherrnspitze, dem Grenzberg zwischen Südtirol, Salzburg und Osttirol, führt auf einem anfangs markierten Steig zum Reggentörl (3047 m), auf den letzten 300 Höhenmetern über einen vorgelagerten Gletscher. Wilde Variante Rechts vom Törl bauen sich die Gubachspitzen auf. Im Rücken die eisgepanzerten Gipfel der Simonyspitzen, von denen sich die Gletscher bis fast hinab zum Simonysee ziehen. Oberhalb davon, am Reggentörl, rückt das Tagesziel ins Blickfeld: die Dreiherrnspitze. Die Route führt bei fast gleich bleibender Höhe in einem großen Bogen über das obere Umbalkees. Weiter, immer weiter.

Zum Rucksackdepot führt ein gut 40 Grad steiles Firnfeld. Von dort geht es über ein weiteres, schmales Firnfeld zum Gipfel mit Blick Richtung Dolomiten im Süden, in nächster Nähe Großer Geiger (3360 m), Simonyspitzen und Großvenediger. Für eine zweite Übernachtung auf dem Abstieg nach Süden empfiehlt sich die Clarahütte (2036 m). Sie ist gewissermaßen die kleine, unprätentiöse Schwester der Stüdlhütte. Denn wie die riesige Verwandte zu Füßen des Großglockners wurde auch die Clarahütte auf Anregung des Prager Kaufmanns und Alpinisten Johann Stüdl errichtet. Mindestens ebenso ursprünglich wie die Hütte präsentiert sich eine sehr lange, ausgesetzte und teils unmarkierte Variante namens Alpenkönigweg, benannt nach einem Prägratener Bergführer, der diesen Spitznamen trug. Durch komplett gletscherfreies Gelände mit steilen Grashängen, Schrofen und vorbei an kleinen Seen führt der Alpenkönigweg zurück zur Essener-Rostocker-Hütte, von dort in ein bis zwei Stunden zum Auto – und bleibt zurück im Herzen.

Mehrtagestour im Schatten des Großvenedigers

Mehrtagestour in der VenedigergruppeAusgangspunkt: Ströden (1403 m) im Virgental, www.virgental.at
Unterkünfte: Essener-Rostocker-Hütte (2207 m), Übernachtung ab 12 Euro, Tel. 00 43/48 77/51 01, www.dav-essen.de; Clarahütte (2036 m), Übernachtung für AV-Mitglieder ab 10 Euro, Tel. 00 43/6 64/9 75 88 93, www.virgentaler-huetten.at
Karte: Kompass 1:50 000, Blatt 50/1 »Nationalpark Hohe Tauern – Großvenediger«; AV-Karte 1:25 000, Blatt 36 »Venedigergruppe «
Fotos: 
Alpinkompetenzzentrum Osttirol
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 07/2015. Jetzt abonnieren!
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