Hochtour auf den Triglav | BERGSTEIGER Magazin
Auf das Vaterlandssymbol Sloweniens

Hochtour auf den Triglav

Der Triglav ist ein überaus populäres Ziel, besonders bei patriotischen Einheimischen. Wer sich für die große Überschreitung mit Aufstieg über den recht anspruchsvollen Bambergweg entscheidet, bekommt aber auch genügend Gelegenheit, die Eindrücke in Ruhe zu genießen.
 
Götterthron der Julischen Alpen – Wolken spielen mit dem Gipfelaufbau des Triglav © Mark Zahel
Götterthron der Julischen Alpen – Wolken spielen mit dem Gipfelaufbau des Triglav
Es gibt wohl kaum einen Alpenberg, welcher ein Volk dermaßen in Bann zieht wie der Triglav die Slowenen. Für sie ist er eben nicht bloß der Höchste des Landes, sondern auch ein großes Symbol ihrer Heimatverbundenheit. Als stilisiertes »Dreihaupt« ziert der Triglav sogar die Nationalflagge. Und es heißt, dass jeder Slowene wenigstens einmal im Leben hinaufpilgern müsse, um seinem Vaterland zu huldigen. Eigentlich sympathisch harmlos, seinen Patriotismus dergestalt zum Ausdruck zu bringen…

Ich bin zwar kein Slowene, doch der Faszination dieses Kolosses, der südseitig einem weiten Karstland aufsitzt und nordseitig mit einer gewaltigen Felsmauer abbricht, kann ich mich ebenfalls nicht entziehen. Von der Nordwand wird man drunten in der tiefen Vrata ja schier erdrückt, und überhaupt scheint mir den Julischen Alpen immer etwas Monumentales und Ungebändigtes anzuhaften. Angesichts seiner Bedeutung ist der Triglav zweifellos ein überrannter Berg. Immerhin muss bis heute noch jeder zu Fuß hinaufsteigen, was schrittweise gezählt bestimmt nicht wenig ist. Dabei nähern sich die leichteren Routen von Süden an, während auf der Nordseite Zünftiges geboten wird. Dem Normalbergsteiger sei vor allem eine Überschreitung via Bamberg- und Pragweg ans Herz gelegt: eine Kalkalpentour mit Klettersteigeinlagen, viel »Landschaft« drumherum und einem Panorama der Extraklasse. Ich hatte das Glück an einem strahlenden Septembertag, erspähte weit im Norden den Großglockner und im Süden den Saum der Adria, ohne mich vom Volksfestcharakter stören zu lassen. Dafür war die Gipfelstunde einfach zu schön…

Auf den Triglav (2864 m)

Lage: Julische Alpen (Slowenien)
Talort: Mojstrana (641 m) im Savetal; Anfahrt über Karawanken-Autobahn oder Wurzenpass
Hütten: Triglavski dom (2515 m), Tel. 0 03 86/ (0)4/5 31 28 64; Dom Planika (2401 m), Tel. 0 03 86/ (0) 50/61 47 73; Aljažev dom (1015 m), Tel. 0 03 86/(0)4/5 89 51 00
Normalrouten: Von Süden über Vodnikov dom und Dom Planika, schließlich über den Ostgrat (Mali Triglav) oder den Südgrat. Von Norden über Pragweg, Triglavski dom und Ostgrat; jeweils Klettersteige
Weitere Routen: Bambergweg, Klettersteigabschnitte bis C; diverse Nordwandrouten (z. B. Deutscher Weg, Slowenischer Weg), mindestens III
Führer: Heindl »Klettersteigführer Julische Alpen«, Bergverlag Rother; Zahel »Die schönsten Gipfel Ortler, Dolomiten, Julische Alpen«, Bruckmann Verlag
Karte: Planinska zveza Slovenije, 1:25 000, Blatt »Triglav«

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Mark Zahel
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 07/2011. Jetzt abonnieren!
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