Gletscherriese über dem Steinbockrevier

Hochtour auf den Gran Paradiso

Schon der Name besitzt einen außergewöhnlichen Klang, verheißungsvoll und charismatisch: Gran Paradiso. Wer die Gegend südlich des Aostatals je kennengelernt hat, weiß, dass dort wahrhaft paradiesische Zustände herrschen: eine wilde, ungebändigte Hochalpennatur im Reich des Alpensteinbocks. 
 
Über den Wolken – es sind noch wenige Meter bis zum höchsten Punkt des Gran Paradiso © Mark Zahel
Über den Wolken – es sind noch wenige Meter bis zum höchsten Punkt des Gran Paradiso
Vor Jahren bin ich dort einmal einen ganzen Juli lang umhergestreift, über dem Val di Cogne, dem Valsavarenche und dem Val di Rhêmes, die umschlungen sind von einem Nationalpark, der seinen Status nicht umsonst trägt. Bergsteigerische Krönung war die Besteigung des majestätischen Gran Paradiso selbst. Natürlich hatte man von Karawanen und einem dauernd überfüllten Stützpunkt gehört, vielleicht sogar gezweifelt, ob das »Große Paradies« unter dieser Belagerung gar nur eine Illusion sein würde. Nun, die Tour einsam zu nennen, wäre gewiss unangebracht, doch der morgendliche Aufstieg über weite Gletscherwellen, hinein ins erste Licht, gestaltete sich durchaus feierlich.

Und als man es sich schließlich neben der Gipfelmadonna auf sonnenwarmen Felsen eingerichtet hatte und die Augen über den weiten Alpeninnenbogen schweifen ließ, da war die Glückseligkeit perfekt. Die Hochalpenstaffage zwischen Mont Blanc und Monte Rosa gab es aus der eher ungewohnten Südperspektive, noch weiter gen Mittelmeer ragten die Granitgipfel der Dauphiné und des Monviso auf, während in der näheren Umgebung das Gewölk der Poebene langsam zu kochen begann und im Begriff war, die niederen Gipfel (größtenteils stattliche Dreitausender wohlgemerkt!) zu verzehren…

Gran Paradiso (4061 m)

Lage: Paradisogruppe/ Grajische Alpen (Italien)
Talort: Pont (1960 m) im inneren Valsavaranche; Anfahrt über Aosta
Hütten: Rifugio Vittorio Emanuele II (2732 m), Tel. 00 39/01 65/9 59 20; Rifugio Chabod (2750 m), Tel. 00 39/01 65/9 55 74
Normalroute: Vom Rifugio Emanuele über die Gletscher der Westseite, zuletzt kurz im Fels (II) 4 – 5 Std.
Weitere Routen: Vom Rifugio Chabod über den Laveciau-Gletscher zur oberen Normalroute; aus dem Valnontey über Bivacco Pol und Tribolazione-Gletscher; Nordwestwand, bis 55°
Führer: Klotz »Gebietsführer Gran Paradiso«, Bergverlag Rother; Dumler »Die Viertausender der Alpen«, Bergverlag Rother; Goedeke »Viertausender – Die Normalwege«, Bruckmann Verlag
Karte: IGC, 1:25 000, Blatt 101 »Gran Paradiso – Cogne«
Mark Zahel
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 07/2011. Jetzt abonnieren!
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren