Wanderungen im Spätherbst

Schwäbische Schmankerl - Aufs Wertacher Hörnle'

Links und Rechts der sprudelnden Wertach gibt es unbekannte Gipfel und schmackhafte Molkereiprodukte zu entdecken. Die Region bietet bis zum Spätherbst überaus lohnende Touren – zum Beispiel aufs Wertacher Hörnle im Allgäu.

 
Ideale Herbsttouren im Wertachtal © Michael Pröttel
Schwäbische Schmankerl - Unterwegs in den Allgäuer Alpen
Hand aufs Herz: Haben Sie schon einmal etwas vom Sorgschrofen oder von der Reuterwanne gehört? Oder gar Ihre Füße auf einen der beiden Berge gesetzt? Sie verneinen? Dann sollten die beiden Gipfel noch in diesem Jahr in Ihrem Tourenbuch Jahr auftauchen, denn sie sind ideale Herbstziele.  Der Weg ins obere Wertachtal führt am gleichnamigen Ort vorbei, in dem es lohnt, seine Gipfelbrotzeit mit frischen Molkereiprodukten zu bereichern.

Schließlich wurde in der mit 915 Meter Seehöhe höchstgelegenen Marktgemeinde Deutschlands vor 140 Jahren der erste Käse der Welt patentiert. Zugegeben: Die namensgebende, lackartige Schmiere des »Weißlackers« ist nicht jedermanns Sache. Im »Molkefässle« oder in der »Bergbauernsennerei« wird man aber mit Sicherheit auch eine große Auswahl an anderen würzigen Bergkäsen finden.

Deren Milch stammt vom »Allgäuer Braunvieh«, einer Kuhrasse, die sich auf den Almwiesen entlang der sprudelnden Wertach gewissermaßen sauwohl fühlt. Die Grünlandwirtschaft zieht sich teils bis zu den höchsten Kammlagen hinauf und beschert somit Kühen wie Wanderern eine tolle Aussicht. Eine solch bezaubernde grüne Gipfelkuppe ist die wegen ihrer nur 1241 Metern Höhe bis in den November hinein gut machbare Reuterwanne.

Das gilt vor allem dann, wenn man nicht von der schattigen deutschen Nordseite her aufsteigt, sondern den sanften Berg von Süden angeht, also aus der österreichischen Exklave Jungholz. Nach einem waldreichen Start bietet der freie Gipfelrücken ein Panorama, das vom lieblichen Allgäuer Alpenvorland über die Felszacken der Tannheimer Berge und der dahinter aufragenden Zugspitze bis zu den unzähligen Allgäuer Alpengipfeln reicht. Und als Appetitanreger liegt das nächste unbekannte Gipfelschmankerl direkt vis-à-vis. 

Wertacher Hörnle Allgäu - Gipfel der vier Grenzen

Am Sorgschrofen geht es deutlich steiler zur Sache. Und das ist auch gut so. Wenn der Kreislauf erst einmal in Gang gekommen ist, wird man die Schlüsselstelle bestimmt nicht verschlafen. Zu dieser mit Drahtseilen entschärften Felspassage führt – Trittsicherheit ist Pflicht – ein steiler Schrofen-Hang hinauf. Wer sich gut konzentriert und keine Steine auf Gleichgesinnte lostritt, wird zuletzt mit einer kurzen Gratüberschreitung belohnt, wie sie eindrucksvoller kaum sein kann.

Der Gipfel selbst stellt übrigens die einzige Landverbindung von Jungholz mit dem restlichen Tirol dar. Dadurch besitzt der Sorgschrofen die geografische Besonderheit, dass dort vier Grenzlinien je zweier deutscher und österreichischer Gemeinden in einem »Quasi-Vierländereck« zusammentreffen. Sowohl vom Panorama, als auch von den Sitzgegebenheiten her ist eine längere Rast in der »Schattwald-Ecke« zu empfehlen,  zu der von der anderen Talseite auch schon der Dritte im Bunde, das Wertacher Hörnle hinüber lacht. 

Nur Heimisches auf der Alpe

Ein Geheimtipp ist das Hörnle, das im Juni von Alpenrosen und deren Liebhabern übersat ist, freilich nicht. An einem klaren Herbsttag dagegen kommen eher Wanderer mit Weitblick auf dem Gipfelrücken auf ihre Kosten. Ob man den idealen Aussichtspfad auch für den Abstieg wählt oder den tiefblau in einer kraterartigen Mulde gelegenen Hörnlesee umrundet, ist Geschmackssache. 

Welchen Weg man auch wählt – auf der Buchel Alpe (1290 m) sollte man einen Stopp einlegen. Schließlich trägt sie das Qualitätssiegel »Allgäuer Alpgenuss« des gleichnamigen Vereins. Dieses bürgt dafür, dass alle Lebensmittel aus der Region stammen oder sogar auf der jeweiligen Alpe direkt hergestellt werden. Brot und Fleisch liefern Betriebe aus Wertach und Unterjoch. Die Getränke kommen von Allgäuer Mostereien, Brauereien und Brennereien.  Frühmorgens und  abends, wenn die Gäste wieder abgestiegen sind, lässt sich Hüttenwirtin Elke Gehring vom Berg- und Talpanorama dazu inspirieren, Meditationstexte zu Papier zu bringen. Darüber hinaus verkauft sie im Talort Unterjoch leckeren Käse.

Wenn Sie also Ihre Vorräte aus Wertach schon verdrückt haben, dann könnten Sie hier für zuhause nochmals nachlegen.

Wanderung auf das Wertacher Hörnle
Schwäbische Schmankerl - Aufs Wertacher Hörnle. Text und Fotos: Michael Pröttel
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 10/2014. Jetzt abonnieren!
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