Tourentipps im Werdenfelser Land

Im Schatten der Zugspitze

Gipfel zum Glück gibt es rund um Garmisch-Partenkirchen genug. Schön, wenn der Weg bis nach oben auch glücklich macht. Klettersteige, Klammen und ein Hauch von Tibet: Bei unseren Tourentipps im Werdenfelser Land dreht sich diesmal alles um den besten Auf- und Abstieg. Von Christian Schneeweiß

 
Tourentipps im Werdenfelser Land © Bernd Ritschel
Wo Deutschland am höchsten ist – vom Gipfel des Hohen Ziegspitz (Ammergauer Alpen) präsentiert sich das Zugspitz-Massiv in seiner ganzen Größe
Es tut sich was auf den Gipfeln. Mit dem Beginn des Sommers wird Garmisch-Partenkirchen zum Schauplatz für Alpinismus aller Art. Wandergruppen schnüren ihre Stiefel, Klettersteigsets werden rasselnd in Stellung gebracht. Gipfelstürmer planen eine Übernachtung am Berg, Romantiker folgen den Spuren des Märchenkönigs. Ob Genussberg oder Gratwanderung: Garmisch-Partenkirchen ist einer der bekanntesten und beliebtesten Bergstützpunkte in den Alpen. Schon wenn man von Norden durchs Loisachtal anfährt, fallen die kompakten Ketten des kalkgrauen Wettersteingebirges auf. Während die massige Zugspitze die Felsszenerie im Süden beherrscht, hebt sich das Felsdreieck der Alpspitze erst allmählich vorm Blassenkamm ab. Gipfel zum Glück gibt es genug – und Touren für jeden Anspruch und Geschmack führen hinauf.

Wuchtige Felspyramide: Die Alpsitze

Sie ist neben der Zugspitze das beliebteste Bergziel im Werdenfelser Land. Wer‘s bequem mag – und das mögen viele –, fährt mit der Alpspitzbahn (2020 m) herauf, schaut sich den Mini-Lehrpfad mit Metallgämsen an und sucht den Kick der Höhe auf der Plattform des Alpspix, die 13 Meter ins Nichts ragt. Vollständig wird der Besuch bei einem Spaziergang unter der plattengepanzerten Nordflanke der Alpspitze (2628 m) entlang zur Kreuzeckbahn (1651 m). Dicht gedrängt geht es auch auf der leichten Alpspitz-Ferrata hinauf zum Gipfelkreuz, wo schon Dutzende Brotzeit machen. Einige Klettersteiggeher sind über die anspruchsvolleren Schöngänge heraufgekommen oder über das alpinere Mathaisenkar aus dem Höllental. Luftig und ausgesetzt gestaltet sich der Abstieg über den in den Fels gesprengten Nordwandsteig. Die technischen Schwierigkeiten an der Alpspitze sind allerdings ein Kinderspiel im Vergleich zu dem vor zwei Jahren angelegten Klettersteig des Mauerläufers (K5), der sportlich durch die glatten Fluchten der Bernadeinwände zur Bernadeinspitze (2143 m) führt. Fast jedes Wochenende müssen hier festhängende Ferratisten aus der Wand gepflückt werden.

Nur für Geübte: Die Zugspitze

Der anspruchsvollste Weg auf die Zugspitze beginnt dramatisch: Wütendes Wassergetöse und weiße Gischt begleiten den Bergsteiger auf dem Weg durch die gut 700 Meter lange Höllentalklamm – am Kassenhäuschen hat man zuvor einen Obolus für dieses Naturschauspiel entrichtet. Oben verwandelt sich das Wildwasser in einen gluckernden Gebirgsbach, der zur Höllentalangerhütte und deren Biergarten führt. Ungeübte haben nach der Rast die Möglichkeit, hoch über der Klamm auf dem Stangensteig mit seiner Schwindel erregenden Brücke zurückzukehren oder über den Knappensteig via Hupfleitenjoch (1754 m) abzusteigen.
Nur trittsichere Bergsteiger wagen sich an den Aufstieg zur Zugspitze (2962 m) über den Höllentalferner, dem einzigen Gletscher Deutschlands. Der ansetzende Klettersteig (K3) wird heutzutage mit Klettersteigset begangen. Nach gut 2200 Metern ist der höchste Punkt Deutschlands mit seinem goldenen Strahlenkreuz erreicht. Oben teilt man sich das Gipfelglück mit bis zu 3000 Menschen pro Tag – die meisten von ihnen sind mit der Zahnradbahn von Garmisch-Partenkirchen, Grainau oder vom Eibsee heraufgekommen.

Alpinistische »Konditionsbolzer« fahren nicht mit Bahn zurück, sondern nehmen den Jubiläumsgrat unter ihre Schuhe. Absolute Schwindelfreiheit und die Fähigkeit zur seilfreien Kraxelei im II. Schwierigkeitsgrad sind gefragt, während man zwischen Höllental und Reintal in luftiger Höhe entlang balanciert. Bald kommt die Schlüsselstelle, eine glatte Platte, und dann der erste Gegenanstieg mit Drahtseil zur Inneren (2741 m) der drei Wettersteinspitzen, wo man am Klettersteig zur Knorrhütte absteigen kann – dem einzigen Notausstieg unterwegs. Hat man das Höllentalgrat-Biwak auf 2684 m passiert, fordert der Klettersteig über die Vollkarspitze (2618 m) die letzten Kräfte. Das restliche Stück des Weges führt unter dem düsteren Hochblassen (2707 m) und durch das Höllental zurück ins Tal.

Königliche Wege: Partnachklamm und Reintal

Ein Naturschauspiel in märchenhaften Blautönen ist die Partnachklamm, zu der man im Ortsteil Partenkirchen am ehemalige Olympiastadion startet. Rauschend schießt das Schmelzwasser der Partnach durch den Fels – auch hier steht zu Beginn ein Kassenhäusl. Hinter der Klamm führt der Weg steil auf zum Eckbauer (1220 m) und nach Spezi und Schweinsbraten auf einem Kamm weiter. Familien mit Kindern und müde Wanderer beenden die Tour hier und steigen ab zwischen den sanft gewellten Wiesenflächen von Wamberg – mit 996 Metern das höchstgelegene Kirchdorf Bayerns. Zugspitz-Aspiranten dagegen wandern den Fahrweg durch das Reintal weiter. Vorbei am Oberreintal, einem legendären Klettergebiet in bombenfestem Wettersteinkalk, geht es bis zur Blauen Gumpe unterhalb der Nordflanke des Hochwanners (2744 m). Die Reintalangerhütte begrüßt den müden Wanderer mit tibetischen Gebetswimpeln, Sonnenstühlen und Hüttenmusik. Da fallen am nächsten Morgen der steile Aufstieg zur Knorrhütte und der weitere Schuttweg übers Platt zur Zugspitze nicht mehr schwer. Weniger lang, aber steiler ist nach der Partnachklamm der Aufstieg über den Kälbersteig zum Schachenhaus (1866 m). Das Jagdhaus Ludwigs II. ist innen mit prachtvollem Interieur (vulgo Kitsch) eingerichtet und bietet einen traumhaften Blick über das Reintal bis zur Zugspitze. Als Sahnehäubchen für Bergsteiger ragt überm Schachen die dreigipflige Dreitorspitze (2633 m) auf. Das weniger begangene »Mauerblümchen« ist der zweithöchste Gipfel des Werdenfelser Landes, den Normalbergsteiger auf leichtem Klettersteig erreichen können.

Für Genießer: Kramer und Wank

Die schroff über Garmisch aufragende Kramerspitze (1985 m) in den Ammergauer Alpen hatte es Ludwig II. ebenfalls angetan. Der Märchenkönig gelangte hoch zu Ross hinauf – aber nur zum Picknick auf der nach Norden vorspringenden Kanzel des Königstands (1430 m), wo er in der Ferne seine Residenzstadt München erahnen konnte. Heutige Wanderer zweigen vorher vom Reitweg auf den steilen Normalweg zum Kramerspitz ab, der sich durch die Nordflanke zum felsigen Hauptgipfel schlängelt. Wer den ganzen Tag Zeit hat, sollte unbedingt den Rundweg über die bewirtete Stepbergalm (1583 m) nehmen. Hier läuft man auf dem Westkamm im Angesicht der Zugspitze dem Bier entgegen. Wer lieber unter Bergsteigern ist, nimmt noch den Blumenkamm zum Hohen Ziegspitz (1864 m) mit kurzer Kraxelstelle mit, wo weniger los ist.
Der sanfte Bruder des Kramer ist der Wank im Estergebirge. Aus den gemütlichen Gässchen Alt-Partenkirchens mit seinen Straßencafés gelangt man über den hübschen Steig oberhalb der Schalmerschlucht und über die bewirtschaftete Gamshütte (1050 m) zur Eckenhütte, wo der Aufstieg von der Talstation der Wankbahn einmündet. Dann geht es inmitten bunter Wandergrüppchen durch die mit lichtem Wald bestandene Südwestflanke zum immer belebten Wankhaus (1780 m) auf der behäbig gerundeten Wiesenkuppe.
Auf dem Königsweg (Fotos: Bernd Ritschel)
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