Auf Deutschlands höchsten Berg - durch das Höllental

Durch das Höllental auf die Zugspitze

Deutschlands höchster Gipfel - die Zugspitze - ist verunstaltet von einer Fülle technischer Anlagen: nicht gerade ein erstrebenswertes Gipfelerlebnis. Was hier zählt, ist der Weg: Der Anstieg durch das Höllental ist der schönste und nach dem Jubiläumsgrat auch der spannendste.
 
Rückblick vom Ausstieg – vom Gipfelgrat der Zugspitze fällt der Blick hinunter ins Höllental mit dem gleichnamigen Ferner. © Bernd Ritschel
Rückblick vom Ausstieg – vom Gipfelgrat der Zugspitze fällt der Blick hinunter ins Höllental mit dem gleichnamigen Ferner.

Ein Anstieg, der zahlreiche Superlative in sich vereint! Da ist zunächst einmal der gewaltige Höhenunterschied von mehr als 2200 Höhenmetern auf der verhältnismäßig kurzen Strecke zwischen Hammersbach und dem Gipfel. Dann das Höllental selbst. Der Weg durch die enge, steile Schlucht ist von solcher Kühnheit, dass man beim Wandern direkt über den tosenden Wassermassen nur darüber staunen kann, dass schon nach drei Jahren Bauzeit der Weg durch die Höllentalklamm im Jahr 1905 mit zwölf Stollen, einer Eisenbrücke und 14 000 Kilo Sicherungsmaterial eröffnet wurde. Heute passieren jedes Jahr etwa 70 000 Besucher die Höllentalklamm.

Nach zwei Stunden erreicht man schließlich die Höllentalangerhütte auf 1387 Metern Höhe. Sie bietet sich als Übernachtungsmöglichkeit für diejenigen Zuspitz-Aspiranten, denen 2200 Höhenmeter am Stück zu viel sind. Auch am zweiten Tag sind immer noch 1600 Höhenmeter in teils anspruchsvollem Gelände zu überwinden.

Nervenkitzel beim Anstieg durch das Höllental 

Die erste Schlüsselstelle wartet bereits nach einer Stunde: eine ausgesetzte Querung auf Eisenstiften über die haltlosen Plattenfluchten des sogenannten »Bretts«. Wem diese »Nervenpassage« schon grenzwertig erscheint, der sollte sich gut überlegen, ob er weiter marschiert, denn droben erwarten einen noch schwierigere Hindernisse. Erst einmal jedoch fordert der Weiterweg mehr Kondition als Technik, denn das Moränengelände unterhalb des Höllentalferners zieht sich steil bis unter die senkrechten Wände des Riffelkamms. Bevor man wieder Hand an den Fels legen darf, muss der oft blanke Gletscherrest des Höllentalferners und dessen vor allem im Herbst spektakuläre Randkluft überwunden werden; schon mancher war hier über Pickel und Leichtsteigeisen heilfroh! Der Höhenmesser zeigt 2560 Meter, und nun führt ein (nicht besonders schwieriger) Klettersteig als grandioses Finale bis zum höchsten Punkt.

Ein früher Aufbruch macht sich bezahlt, denn acht Stunden ist man gut und gerne von Hammersbach bis zum Gipfelhaus unterwegs – es sei denn, man versucht, den Rekord von einer Stunde und 57 Minuten, den derzeit der Garmischer Peter Riesch hält, zu brechen. Wenn am Nachmittag die Schatten länger werden, sollte man im Biergarten auf der Terrasse des Gipfelhauses sitzen. Zu lange braucht man jedoch nicht verweilen, denn die letzte Talfahrt lässt nicht auf sich warten.

Steiler Weg auf die Zugspitze

Aufstieg: Von Hammersbach neben dem gleichnamigen Bach auf einem breiten Weg im Wald zur Eingangshütte ins Höllental hinauf. Von dort durch die eindrucksvolle Höllentalklamm (AV-Mitglieder haben ermäßigten Eintritt) zur Höllentalangerhütte mit Übernachtungsmöglichkeit. Hinter der Hütte über den Höllentalanger am Wander- weg zunächst fast eben, später deutlich steiler zur Hühnerleiter, einer aus Krampen gemachten, steilen Felsenleiter. Die markierte Route führt bald darauf zum »Brett«. Dort kann man seine Schwindelfreiheit erstmals beweisen. Eisenstifte und ein darüber gespanntes Drahtseil ermöglichen die Querung einer Felswand (Vorsicht auf Steinschlag!).

Hinter dem »Brett« in steiles, felsiges Gelände hinein. Immer wieder an festen Drahtseilen entlang erreicht man das Höllentalkar. Dort wird die Gegend bald sehr trist, bis man sich dem Höllentalferner nähert. Die Wegspur führt über den Ferner anfangs nach links, um einer Spaltenzone auszuweichen, hält sich dann wieder rechts und kommt mäßig steil an den Klettersteig zum Gipfel heran. Auf der luftigen Steiganlage steil zur Irmerscharte (2660 m) und durch die Nordflanke des Zugspitz-Ostgipfels mit Hilfe von Drahtseilen und Eisenstiften (einmal ausgesprochen luftig) zum breiten, von Seilbahngästen geschätzten Weg hinauf. Auf ihm nach rechts und die letzten Meter über abgeschmierte Felsen zum goldenen Gipfelkreuz.

Abstieg: Am einfachsten mit einer der drei Bergbahnen zurück ins Tal. Zu Fuß über den Aufstiegsweg zurück ins Tal oder über den »Stopselzieher«; ganz engagierte Alpinisten klettern über den Jubiläumsgrat zurück.

Die Höllental-Variante im Überblick

Durch das Höllental auf die Zugspitze - KarteHöhendifferenz: 2200Hm
Dauer: 6-7 Std.
Ausrüstung: Grödel oder Steigeisen, Helm. Klettersteigausrüstung
Talort: Grainau (758 m)
Ausgangspunkt: Hammersbach (758 m), Haltestelle der Zugspitzbahn
Öffentliche Verkehrsmittel: Bahnverbindung bis Garmisch-Partenkirchen, ab dort Zugspitzbahn zum Ausgangspunkt
Beste Jahreszeit: Hochsommer und früher Herbst
Karte/Führer: Kompass Wanderkarte 1:50 000, Blatt 5 »Wettersteingebirge – Zugspitzgebiet«; Garnweidner »Wandern kompakt Zugspitze und Umgebung«, Bruckmann Verlag
Fremdenverkehrsamt: Tourist Information Grainau, Tel. 0 88 21/98 18 50, www.grainau.de
Hütten: Höllentalangerhütte (1387 m), DAV, Mitte Mai bis Anfang Oktober, Tel. 0 88 21/88 11, www.hoellentalangerhuette.de; Münchner Haus auf der Zugspitze (2959 m), DAV, Mitte Juni bis Mitte Oktober, Tel. 0 88 21/29 01
Charakter/Schwierigkeiten: sehr beliebte, landschaftlich großartige, aber auch recht anspruchsvolle Route, die oft unterschätzt wird; mit der entsprechenden alpinen Erfahrung ein eindrucksvolles Bergerlebnis. Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und einwandfreie Kondition sind zwingende Voraussetzung. Teilweise ausgesetzte Klettersteigpassagen und Steinschlaggefahr, ausgelöst durch Vorausgehende. Der Höllentalferner ist normalerweise ungefährlich; allerdings können stark abgeschmolzener Schnee und Blankeis mitunter Probleme bereiten.

Weitere Tourenmöglichkeiten auf die Zugspitze:

Durch das Reintal
Über den »Stopselzieher«
Über den Jubiläumsgrat


 
Christof Schellhammer, Siegfried Garnweider
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