Sechs Touren in den Bayerischen Hausbergen

Bayerische Hausberg-Touren mit Felskontakt

Es ist noch nicht wirklich Klettern, aber ganz ohne Handeinsatz geht es bei diesen bayerischen Klassikern nicht. Sechs Touren in den Bayerischen Hausbergen, die zu erstem Felskontakt einladen.
 
Nach dem Hinlangen ein Handschlag am Gipfel der Hörndlwand © Ruhpolding Tourismus
Nach dem Hinlangen ein Handschlag am Gipfel der Hörndlwand
Wie ein felsiger Schneidezahn stößt der Leonhardstein aus dem Wald über Kreuth heraus. Sogar ein bisschen gefährlich sieht er aus. Und weil er sich so markant und nah über dem Ort im Süden des Tegernsees erhebt, hört man ihn fast rufen: »Komm rauf!« Da ist es umso erstaunlicher, dass ausgerechnet in einer Region, die bei gutem Wetter Wochenende für Wochenende von den Münchner Ausflüglern be- und heimgesucht wird, dieser 1450 Meter hohe Gipfel doch noch vergleichsweise selten begangen wird. Das liegt vor allem daran, dass er zwar in Wahrheit überhaupt nicht gefährlich ist, auf den letzten Höhenmetern aber durchaus bergsteigerisches Geschick mit zupackenden Händen verlangt. Von einer Schlüsselstelle zu sprechen wäre zwar übertrieben – aber wer mag, darf sich dort mit beiden Armen zwischen zwei Felsen nach oben stemmen und das Ganze großzügig als leichten Zweier interpretieren.

Von Kreuth aus führt bis auf den Sattel zwischen dem Filzenkogel und dem Leonhardstein ein angenehmer Wanderweg, so breit, dass man sich auf keinen Fall verlaufen kann. Wenn dann der Gipfelsteig abzweigt, sollen es aber tatsächlich schon Bergsteiger geschafft haben, vom Weg abzukommen – gerade, wenn im Frühling noch Schnee liegt oder im Herbst Blätter die Markierungen bedecken. Mal ist der Weg an Bäumen markiert, mal auf den Felsen am Boden. Und wer nicht genau hinschaut, der übersieht vielleicht tatsächlich den ein einen oder anderen weißen und roten Strich. Allzuweit sollte man sich jedenfalls nicht vom Gipfelsteig entfernen. Im Süden werden die Wände des Leonhardsteins richtig steil und von deutlich fortgeschrittenen Kletterern besucht. Unterhalb des siebten Schwierigkeitsgrades findet sich hier kaum eine Route. Den Ausblick am Gipfel hat man sich jedenfalls auch mit gemäßigter Anstrengung verdient; ein im wahrsten Sinne des Wortes hervorragender Aussichtsberg ist er sowieso.

Abwechslungsreiche Tour über Oberammergau

Der Kofel oberhalb von Oberammergau ist einer derjenigen Berge, die es einem sehr leicht machen, sie zu mögen. In diesem konkreten Fall, weil der Kofel sich wie der Kopf eines Riesen mit steinerner Stirn über dem Passionsort erhebt – und mit wenig Schwierigkeit und Zeitaufwand einen veritablen Gipfel bietet. Der ist zwar nur 1342 Meter hoch, komprimiert aber auf knapp 500 Höhenmetern eine abwechslungsreiche Tour, die sich perfekt am Tag vor oder nach einer umfangreicheren Unternehmung zum Aufwärmen oder aktiven Erholen eignet.

Zu Besuch beim »Kini«

Im Westen des Passionsortes liegt mit dem Schloss Linderhof ein weiterer Touristenmagnet. Von der großen Klammspitze hat man einen hervorragenden Blick ins Tal – und erlebt dort oben quasi das sportliche Gegenprogramm zur Touri-Tour bei König Ludwig. Während drunten »nur schauen, nicht anfassen« gilt, ist oben, gerade am felsigen Gipfelanstieg mit der nicht immer ganz eindeutigen Wegführung, anfassen sogar notwendig.

Halber Klettersteig an der Wasserwand

Oberhalb von Nussdorf, diesmal im Inntal, erhebt sich die Wasserwand, gewissermaßen der Hausberg des Ortes. Und wenn nicht vom Namen, dann zumindest vom Sehen all denjenigen, die um das Autobahnkreuz A8/A93 wohnen als naher Gipfel bekannt. Bisweilen wird der Felsaufschwung im Schlussteil der Tour als Klettersteig geführt, für Kinder ist entsprechende Ausrüstung oder ein Sicherungsseil sicher sinnvoll. Trittsichere und schwindelfreie Bergsteiger nehmen die letzten Meter aber auch ohne zusätzliche Ausrüstung.

Erst kraxeln, dann baden

Die Hörndlwand oberhalb des Förchensees und südlich von Ruhpolding ist neben der ungleich prominenteren Kampenwand einer der einprägsamsten Gipfel des Chiemgaus – und eigentlich ein Kletterberg. Sie bietet mit dem neuen Schmidkunzweg (eine Stelle 3+) eine Route, die von guten Kletterern auch seilfrei begangen wird. Allerdings ist es für einen gelungenen Ausflug keinesfalls notwendig, die ganze Kletterausrüstung mit an den Fels zu schleppen – auch der Normalweg macht viel Freude. Schon allein deswegen, weil an der Hörndlwand nicht halb so viele Menschen unterwegs sind wie an der Kampenwand. An wärmeren Tagen bieten sich Lödensee, Mittersee oder Weitsee wenige Kilometer südwestlich für einen anschließenden Badeausflug an.

6 Bergtouren in den Bayerischen Hausbergen:

Bergtouren Bayerische Hausberge

1. Leonhardstein (1452m)
2. Schildenstein (1613m)
3. Kofel (1342m)
4. Große Klammspitze (1925m)
5. Wasserwand (1367m)
6. Hörndlwand (1684m)
 
Julian Galinski
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 07/2015. Jetzt abonnieren!
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren