Nanga Parbat – der neue Vilsmaier-Film | BERGSTEIGER Magazin
Reinhold und Günther Messner am Schicksalsberg der Deutschen

Nanga Parbat – der neue Vilsmaier-Film

Der Film erzählt eine Geschichte: Die von zwei Südtiroler Brüdern, die aus der Enge ihres Heimattales aufbrechen zum Achttausender Nanga Parbat. Aber nur einer der Brüder kehrt wieder nach Hause zurück. Joseph Vilsmaier mit seinem Gespür für Dramatik hat die Tragödie um Reinhold und Günther Messner packend in Szene gesetzt. Von Horst Höfler

 
Als Joseph Vilsmaier Reinhold Messner persönlich kennen gelernt hatte, fing er Feuer ander Idee zu »Nanga Parbat« © Perathoner Film
Als Joseph Vilsmaier Reinhold Messner persönlich kennen gelernt hatte, fing er Feuer ander Idee zu »Nanga Parbat«
Immer wieder zog es Reinhold Messner seit 1970, als er seinen Bruder Günther an der Diamirflanke – vermutlich in einer Eislawine – verloren hatte, zum Nanga Parbat. Er führte eine Suchexpedition durch, erstieg den Berg – nach vorangegangenem Versuch – im Alleingang von der Basis aus (1978), eröffnete 2000 sogar nochmals eine neue Route an ihm (wobei Hanspeter Eisendle ein Wadenbein fand, das – wie sich später herausstellte – von Günther stammte), eröffnete eine Schule in Tato, führte eine Trekkingtour um den Berg – und just in diesem Zeitraum (2005) wurde Günthers Körper gefunden. Am Fuß der Diamirwand. Damit war bewiesen, dass Reinhold Recht hatte und alle Unterstellungen nach 2001 dergestalt, dass Expeditionsteilnehmer von damals glauben ließen, Reinhold trage eine Mitschuld am Tod seines Bruders bzw. suggeriert wurde, er habe Günther im Stich gelassen oder allein in die Rupalwand zurückgeschickt, um seinen ehrgeizigen Plan, die Nanga-Parbat-Überschreitung durchzuführen, weiterverfolgen zu können, der Fantasie entsprangen.

Feuer gefangen…

Eines Tages trug man die Idee zu einem Film über das Geschwisterdrama an den großartigen Regisseur Joseph Vilsmaier (»Herbstmilch«, »Rama dama«, »Stalingrad«, »Schlafes Bruder« u.a.) heran. Aber so wie ihm das vorgeschlagen wurde, wollte er es nicht machen. Dann kam am 20. Dezember 2004 ein Brief von Reinhold Messner. »Danach trafen wir uns halt, und als ich Reinhold kennen gelernt hatte, habe ich Feuer gefangen. Das war für mich interessant, das war für mich alles wahnsinnig, das war für mich alles…so was kann’s ja eigentlich nicht geben, dass ein Mensch des alles durchhält. Und diese ganzen Anschuldigungen, das hat mich alles brennend interessiert. Und dann habe ich mir meine eigenen Gedanken gemacht und mich mit Psychologen, Extrembergsteigern unterhalten, weil: Ich kenn’s ja nicht. Nur: Wie wir dort waren auf 6000, 7000 Meter, das ist erst einmal eine furchtbare körperliche Anstrengung, es ist der Sturm bei 30 Grad minus und das Schlimmste: Man kriegt keine Luft. Und wenn das so ein Dauerzustand wird – also, am liebsten würd’ man sich hinlegen und sterben. Da kann man nichts mehr mit normalen Maßstäben sehen – also, ich hätte ein Problem damit, wenn ich sagen müsste: Reinhold ist schuld am Tod seines Bruders.«

Nun, Joseph Vilsmaier, der frühere Ausdauersportler (10000 Meter und Marathon), war 2008, als er mit Reinhold und Simon Messner am Nanga Parbat weilte, zunächst nicht akklimatisiert. Aber er hat sich gut gehalten, wie Reinhold erzählte, und es ging ihm von Tag zu Tag besser. Der Trip bis über 6000 Meter hinauf wurde für ihn im Nachhinein, als er wieder zu Hause war, zu einer Art Jungbrunnen. »Ich war fit mit den vielen roten Blutkörperchen, wollte jeden Tag in die Berge gehen, wollt’ mich auslaufen. Leider ist das nach vier, fünf Wochen wieder vergangen. Jetzt muss ich wieder einmal zum Nanga Parbat«, lacht Vilsmaier.

Der Film ergreift nicht Partei

»Nanga Parbat« kam vor einigen Tagen in die Kinos. Aber wer auf Schuldzuweisungen wartet, wird dies vergeblich tun. Der Film ergreift nicht Partei, er »erzählt eine Geschichte, und wir wollten partout das nicht, was da einmal gekocht wurde. Vielmehr wollten wir die anderen da rauslassen, weil wir ja auch keine bösartigen Menschen sind. In so einem Film könnte man ja bösartig sein, aber das wäre wieder ungerecht gegenüber den anderen. (…) Der Film ist ohne Böswilligkeiten und ohne irgend jemanden zu verunglimpfen.« Aber Vilsmaier sagt auch, dass bei diesem Drama nur ein Mensch wisse, was wirklich geschehen sei und dass er angesichts der Unterstellungen damaliger Expeditionskameraden »wahrscheinlich nicht so zahm wäre wie Messner«. Mit dem er übrigens bestens zusammenarbeitete: »Viele sagten im Vorfeld, ›du wirst es schon sehen, du wirst es schon noch merken, der ist kompliziert und schwierig‹. Nun, ich bin auch nicht ganz einfach und das ist auch okay, und ein Mensch, der so extrem lebt und derart extreme Dinge gemacht hat in seinem Leben, der kann ja gar nicht einfach sein. (…) Ich hab’ ihn richtig in mein Herz geschlossen, muss ich sagen.«

Das muss schon was haben

Der Nanga Parbat hatte Joseph Vilsmaier mächtig beeindruckt. »Ich habe die Stürme, die Kälte erlebt, und dann habe ich gewusst, das ist der völlige Wahnsinn. Der Berg schaut derart gefährlich aus, der schaut so…man kriegt Angst vor dem Berg. Und man fragt sich: Warum macht man so was, da hinaufzusteigen? Fordert man sich selber heraus? Versucht man zu ergründen: Was halte ich aus? Ich weiß es nicht. Die, die das tun, haben wahrscheinlich einen ganz anderen Willen oder eine Leidensfähigkeit, die andere nicht haben. Das finde ich schon beeindruckend. Und wenn man an so einem Berg steht – wir standen ja oft alleine –, und es ist völlig ruhig um dich, das ist schon überwältigend, eine ganz große Gabe und man fühlt, was man jetzt selber für sich geschaffen hat. Das muss, glaube ich, schon was haben.«

Trailer zum Film:


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Kinostart von Vilsmaiers »Nanga Parbat«. Von Horst Höfler
 
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