25 Jahre Extrem-Kletterführer aus dem Verlag Filidor

In Bergsteiger- und Kletterkreisen ist der von Jürg von Känel aus Reichenbach im Kandertal gegründete Filidorverlag eine bekannte Adresse für hervorragende Kletterführer. Mit der Herausgabe des neuesten Kletterführers extrem SUD feiert der Filidorverlag das 25-Jahre-Jubiläum seit dem Erscheinen des ersten Extrem-Führers.

Von Hans Grossen 
 
Egon Bernasconi klettert »Microcip« (©SvK) © SvK
Egon Bernasconi klettert »Microcip«

1989: Ein neues Konzept für Kletterführer


1989 veröffentlichte Jürg von Känel im Eigenverlag seinen ersten Auswahlführer Schweiz-Extrem. Darin beschrieb er in einem neuen Toposystem 1000 der schönsten Sportkletterrouten aus 46 Gebieten des schweizerischen Alpenraumes. Markenzeichen des neuartigen Führers waren handgezeichnete, klare Routenskizzen und genaue topografisch ausgearbeitete Übersichtsskizzen mit Zufahrten und Zustiegen. Die Klettergebiete wurden ohne Text vorgestellt – die aufs Wesentlichste beschränkten Topos mit genauem Routenverlauf und präzisen Schwierigkeitsangaben für jede Seillänge sprachen für sich. Dank der dreisprachigen Einleitung und Zeichenerklärung war der Führer auch für anderssprachige Kletterer lesbar. Das neue von Jürg von Känel entwickelte Konzept setzte sich rasch durch und in regelmässigen Abständen erschienen bis heute im Filidorverlag insgesamt 28 Topoführer, darunter die zahlreichen Plaisir-Führer– sie wurden zum Markenzeichen des Filidorverlages schlechthin.

2014: Der neue extrem-SUD

Nach Jürgs viel zu frühen Tode übernahm seine Frau Berthi die Leitung des Verlages und ihr Sohn Sandro trat in die Fussstapfen seines Vaters. Das bewährte Konzept hat er übernommen und weiterentwickelt. Neue Sportklettergebiete und unzählige Neutouren in den bestehenden Gebieten sind in den vergangenen 25 Jahren entstanden und haben den inhaltlichen Rahmen des ersten Führers längst gesprengt. Sandro hat den schweizerischen Alpenraum inzwischen mit drei Bänden abgedeckt: Extrem WEST (2010), Extrem OST (2013) und Extrem SUD (2014). Der neueste extrem SUD beschreibt 64 Sportklettergebiete allein auf der Alpensüdseite. Beginnend südlich des Simplonpasses mit der Region Gondo-Ossola (13 Gebiete), wird anschliessend der ganze Kanton Tessin abgedeckt (36 Gebiete) und abschliessend werden die hervorragenden Möglichkeiten im nahen Italien in der Region Comersee-Valsassina (12 Gebiete) sowie im Val Masinio und Val Malenco (3 Gebiete) vorgestellt.

Der dreisprachige Führer (dt., it., engl.) ist weit mehr als ein reiner Topoführer. Im 358 Seiten umfassenden Werk finden sich zahlreiche Farbfotos, knapp gehaltene Einführungstexte weisen auf die Besonderheiten eines Gebietes hin und geben einen Überblick über das Routenangebot. Für Auflockerung sorgen Porträts und Interviews namhafter Erschliesser und Kletterer, die Einblick geben in die unterschiedlichen Kletterphilosophien. Sie zeigen der Leserschaft überdies auf, mit welcher Leidenschaft und Hingabe die Protagonisten zu Werke gehen. Dem neuen Trend des Tradkletterns trägt Sandro Rechnung und beschreibt für diese anspruchsvolle Sparte des Sportkletterns die Gebiete von Yosesigo und Cadarese mit ihren Traumlinien.

Die Topos und Übersichtskizzen kommen grafisch überaus leicht und gefällig daher; neben den mit dem Computer eingescannten Signaturen verrät der persönliche Strich des Autors sein Flair fürs Zeichnen und grafische Gestalten. Insgesamt eine sehr ausgewogene Mischung zwischen den heutigen Möglichkeiten mit den Grafikprogrammen am Computer und dem persönlichen, zeichnerischen Stil des Verfassers. Wer zum Sportklettern auf die Alpensüdseite reist, ist gut beraten, den extrem SUD mit ins Gepäck zu nehmen. Man sollte ihn frühzeitig für die Urlaubsplanung anschaffen: Er bietet viel Stoff zum Träumen und dürfte zum Standardwerk für die schweizerische Alpensüdseite und das angrenzende Italien werden.
Hans Grossen
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