Winter in Berchtesgaden

Für den Winterblues bleibt im Berchtesgadener Land keine Zeit, weil im und am Rande des Nationalparks so vielfältige Tourenmöglichkeiten locken, dass selbst extremes Wetter kein Hindernis ist. Von Iris Kürschner (Text und Bilder)

 
Wie eine Fata Morgana taucht der Watzmann auf dem Weg zum Brandkopf aus dem Nebel auf © BERGSTEIGER
Wie eine Fata Morgana taucht der Watzmann auf dem Weg zum Brandkopf aus dem Nebel auf
Auch einem »Nichtbayern«, und ist er noch so jung, sind sicherlich die Schönheiten des Berchtesgadener Landes zu Ohren gekommen. Und wenn nicht, dann ganz bestimmt der Ohrwurm: »Groß und mächtig, schicksalsträchtig…« So wird jeder, der mit der von Wolfgang Ambros besungenen Bergbauernparodie aufgewachsen ist, eines Tages den Watzmann sehen wollen (am liebsten natürlich auch die Gailtalerin). Das Wetter passt zur Phantasie, wo urige Älpler tief gebeugt unterm Herrgottswinkel ihre Suppe schlürfen. »…Um seinen Gipfel jagen Nebelschwaden…« Dicke Schneewolken hängen auch heute überm Land und wir freuen uns, dass Schnee, viel Schnee fällt. Schnell ist das Tal wie mit Puderzucker dick verkleidet, die Geräusche gedämpft, kaum ein Mensch wagt sich raus und der Zauberwald hält, was der Name verspricht. Ein Chaos gewaltiger Felsblöcke, um die sich Wurzeln krallen, kleine Höhlen und tiefe Gassen bilden, überdacht von dichtem Nadelwald. Das Bergsturzmaterial, das einst vom Hochkalter brach, hat im Laufe von rund 3500 Jahren eine Szenerie wie aus einem Märchen geschaffen. Auch der Hintersee ist dabei gestaut worden. Nach längerer Kälte ist dieser kein Hindernis mehr, man stapft einfach drüber, dringt jenseits in den Nationalpark, ins Karlsbachtal ein. Wo sonst im Sommer Horden wandern, ist nun pure Einsamkeit. Nicht ganz.

Wir teilen sie mit dem Wild, das im Winter Obdach in einem Gehege findet. Zur täglichen Wildfütterung kommt man den Herden ganz nah. Schwer trägt ein Sechzehnender, doch stolz mit erhobenem Haupt; zwei junge Rabauken verkeilen sich; grazile Hirschkühe schauen unbeeindruckt zu, haben mehr Interesse an dem Wildhüter, der endlich mit dem duftenden Heu kommt. »Früher zog das Rotwild in die Auenwälder zum Äsen«, erzählt er, »doch Siedlungen und Straßen haben das zunehmend erschwert. So bleiben sie auch im Winter im Gebirge. Mit der Winterfütterung wollen wir Verbiss- und Schälschäden am Bergwald verhindern.« Stundenlang könnte man am Beobachtungsposten verharren, wenn die Kälte nicht nach Bewegung rufen würde. Durch federleichten Schnee unter gewaltigen Fichten hindurch kommt die Wärme wieder zurück in den Körper.
Schneeschuhwandern rund um Berchtesgaden
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