Das Bergnest am Hochvogel - Das Prinz-Luitpold-Haus | BERGSTEIGER Magazin
Serie: Hüttenzauber - Das Prinz-Luitpold-Haus im Hintersteiner Tal

Prinz-Luitpold-Haus am Hochvogel

Seit mehr als 130 Jahren lockt das Prinz-Luitpold- Haus Bergbegeisterte ins Hintersteiner Tal. Von dort aus besteigen sie den berühmten Hochvogel, klettern an der Fuchskarspitze, laufen über lange Höhenwege zu den Nachbarhütten oder unternehmen einfach nur einen gemütlichen Hüttenausflug.
 
Idyllischer Rastplatz am Jubiläumsweg zwischen Prinz-Luitpold-Haus und Willersalpe: der Schrecksee © Mark Zahel
Idyllischer Rastplatz am Jubiläumsweg zwischen Prinz-Luitpold-Haus und Willersalpe: der Schrecksee
Am allerschönsten wird es rund um das Prinz-Luitpold-Haus, wenn die tief stehende Abendsonne die eindrucksvollen Felsformationen an der Fuchskarspitze zum Leuchten bringt und ihre Strukturen so richtig herausmodelliert: ein Wirrwarr aus extremen Faltungen und Verwerfungen, wild zerklüfteten Gratrippen, kreuz und quer gelagerten Schichttafeln und bizarren Türmchen. Da bekommt man eine Ahnung, welch ungeheure Kräfte einst im Erdinnern auf das Gestein gewirkt haben, um es schließlich weit über zweitausend Meter in die Höhe zu türmen. Der Blick aus dem Fenster des Prinz-Luitpold-Hauses ist somit gleichsam ein Blick in die Erdgeschichte. Und wer zu vorgerückter Stunde noch zum nahen Wiedemerkopf aufbricht, reserviert sich sein ganz persönliches, stilles Plätzchen für die Bergromantik. Denn in der Hütte geht es zuweilen hoch her – kein Wunder bei Kapazitäten von fast 300 Schlafplätzen.

Geologie zum Anfassen am Hochvogel

Erst am Wiedemerkopf erkennt man auch, wer eigentlich »Chef im Ring« ist – ein Herrscher, der sich vorderhand in vornehmer Zurückhaltung übt. Der Hochvogel als Paradeberg in den Allgäuer Alpen ist das Ziel der meisten Hüttengäste im Prinz-Luitpold-Haus. Doch Gebietsneulinge verwechseln das Ziel ihrer Begierde unter Umständen gleich einmal mit der Fuchskarspitze. Der Hochvogel versteckt sich nämlich hinter Vorbauten und lässt der fotogenen Nachbarin im unmittelbaren Hüttenumfeld großmütig den Vortritt.
Gestartet wird normalerweise drunten beim Giebelhaus, wo die Pendelbusse an manchen Tagen proppenvoll ein- und ausfahren. Der Umwelt zuliebe bleibt der Individualverkehr aus dem Quelltal der Ostrach ausgesperrt, obwohl sich mit einer Mautstraße wahrscheinlich gutes Geld verdienen ließe. 800 Meter höher thront das Prinz-Luitpold-Haus auf einem Geländeriegel neben dem wuchtigen Wiedemer, der als »erster« Hausberg binnen einer guten Stunde zu erreichen ist. Doch Obacht: Der vermeintliche Katzensprung entpuppt sich als steilschrofige Kraxelpartie, die man nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte.

Klettern an der Fuchskarspitze

Der Allgäuer Kletterberg schlechthin aber ist die Fuchskarspitze. Schon der rückseitig verlaufende Normalweg verlangt teils Handanlegen und einen guten Routeninstinkt. Gesteigerte alpine Finessen bieten die klassische Überschreitung sowie eine ganze Reihe schwieriger Führen, die im Allgäu natürlich nicht ohne gelegentlichen »Bruch« auskommen. Wen es mehr nach Technik als nach Abenteuer gelüstet, der findet Routen bis zum VIII. Grad im hüttennahen Klettergarten.

Das bergsteigerische Hauptinteresse gilt freilich dem Hochvogel. Wer auf der Hütte übernachtet, ist am nächsten Morgen zeitig unterwegs, passiert den kleinen Hüttensee und entscheidet sich im »Oberen Tal« entweder für die Klettersteigeinlage über die Kreuzspitze oder den althergebrachten Weg über die Balkenscharte und den berüchtigten »Kalten Winkel«. Berüchtigt deshalb, weil hier ein Firnfeld mit den ein oder anderen Tücken wartet. Doch auch danach bleibt es spannend: Vor allem die Bändertraverse entlang der »Schnur« ist ein Markenzeichen der Tour, ehe man über die schuttbedeckte gestufte Gipfelflanke (man bewegt sich ja in typischem Hauptdolomit!) das Kreuz am höchsten Punkt anpeilt. Von der Zugspitze über die Lechtaler Alpen und die Arlbergregion bis in die Ostschweiz spannt sich ein Panorama auf, das man einmal an einem klaren Tag gesehen haben sollte! Das Prinz-Luitpold-Haus dient aber nicht nur als Basislager für Gipfelstürmer, auch die Durchquerer machen hier auf ihren Wegen von Hütte zu Hütte Station.

Jubiläumsweg zur Willersalpe

So kann man beispielsweise auf dem abwechslungsreichen Jubiläumsweg in sieben bis acht Stunden zur Willersalpe wandern – eine Handvoll Gipfel inklusive. Der erste, gleich neben der Bockkarscharte und noch in Sichtweite der Hütte, heißt Glasfelderkopf. Unerschrockene Zeitgenossen möchten vielleicht auch austesten, wie kalt sich der in wellige Matten eingebettete Schrecksee anfühlt. Ebenso gut ließe sich am Jubiläumsweg zwischendrin ostwärts ausscheren, um die Landsberger Hütte über dem Vilsalpsee anzusteuern. Ein Übergang ins Nebelhorngebiet, zum Edmund-Probst-Haus, führt am eleganten Grasberg Schneck vorbei über das Lauf bacher Eck und gehört zu den ganz typischen Allgäuer Panoramawegen, für die die Region so geschätzt wird. Dies gilt auch für die Verbindung zur Kemptner Hütte. Allerdings liegt diese neun Gehstunden entfernt – wer an solchen Distanzen Freude hat, kann sich hier so richtig austoben. Eines ist klar: Sämtliche Touren vermitteln herrlichste Impressionen aus dem mal lieblichen, mal dramatisch angehauchten Herz der Allgäuer Alpen. Und das Prinz-Luitpold- Haus liegt mittendrin, an einem Schnittpunkt, wo Generationen von Bergfreunden einander schon begegnet sind – und sich sicherlich auch künftig begegnen werden.
Text: Mark Zahel
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 09/2013. Jetzt abonnieren!
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