12 Isolationsjacken im Test | BERGSTEIGER Magazin
BERGSTEIGER Testbericht: Isolationsjacken

12 Isolationsjacken im Test

Isolationsjacken im Test - Wenn man sie braucht, sollen sie wärmen, wenn man sie nicht benötigt, möglichst wenig Platz wegnehmen. Welche Isolationsjacken am besten sind, hat das Garmischer »Kompetenzzentrum Sport Gesundheit Technologie« für uns getestet.
(Aus BERGSTEIGER 10/2015)
 
Im BERGSTEIGER Test 10/2015: 12 Isolationsjacken © Ebert/Pohl/Schellhammer
Im BERGSTEIGER Test 10/2015: 12 Isolationsjacken
Frösteln ist immer unangenehm. Egal ob beim frühen Aufbruch zur Westalpentour, bei der Gipfelrast oder abends vor der Hütte. Überall dort sind leichte Isolationsjacken der perfekte Ausrüstungsgegenstand. Zumal, wenn sie sich klein zusammenpacken lassen und nur wenig wiegen. Doch wie testet man leichte Isolationsjacken am besten? Indem man mit einer Wärmebildkamera die Isolationsreeigenschaften darstellt? Mit einer Fragebogenbewertung durch Bergsportexperten? Oder mit einem Labortest?

Problem Nr. 1: das Testdesign

Da es kein standardisiertes Testvorgehen für leichte Isolationsjacken gibt, erarbeitete der verantwortliche Testleiter Christoph Ebert vom Kompetenzzentrum Sport Gesundheit Technologie in Garmisch-Partenkirchen zusammen mit einigen professionellen Bergführern zunächst ein aussagekräftiges und reproduzierbares Testdesign. Zu diesem Zweck wurden von den Bergprofis im Rahmen einer Hochtourenwoche im Berner Oberland praxisbezogene Einsatzbereiche, Anforderungen und Möglichkeiten der Jacken festgelegt.

Schnell stellte sich dabei heraus, dass keines der genannten Testverfahren für sich genommen aussagekräftig und praxisrelevant ist. Versuchen wir also die Erfahrungen der Bergführer zu rekapitulieren und gehen wir mit ihnen gemeinsam auf Hochtour ins Berner Oberland:

Morgens um 4 Uhr beim Aufbruch von der über 3 600 Meter hoch gelegenen Mönchsjochhütte herrschen auch im heißen Sommer 2015 Temperaturen um den Gefrierpunkt. Man ist froh um eine zusätzliche wärmende Schicht, besonders zu Beginn der Tour beim gemächlichen Tempo auf dem noch flachen Gletscher. Eine nicht zu weit geschnittene Kapuze ist dabei sehr angenehm und verhindert einen größeren Wärmeverlust des Körpers nach oben. Solange man gemütlich ohne große Anstrengung in der Ebene oder sogar bergab geht, erfüllen die meisten Isolierjacken diese Anforderungen.

Die Details der Isolationsjacke entscheiden

Bereits bei den ersten steileren Anstiegen oder sobald man bei leichten Kletterpassagen die Hände zu Hilfe nehmen muss, wird das Anforderungsprofil jedoch komplexer. Man wünscht sich zusätzlich zur guten Isolierung einen hohen Klimakomfort, maximale Bewegungsfreiheit und viele praxisgerechte Details, die einem besonders dann auffallen, wenn man sie vermisst. Zu diesen wichtigen Kleinigkeiten gehören gut gehende Zweiweg-Reißverschlüsse, eine effektive, einhändig zu bedienende Belüftung, außerdem ein körperbetonter Schnitt, eine ausreichende Anzahl von richtig positionierten und leicht zu bedienenden Taschen, die zum Wärmen der Hände am Standplatz genauso nützlich sein sollen wie zum Verstauen von allerlei Krimskrams.

Hauptsache leicht

Nach der ersten kurzen Rast verschwindet die leichte Isolationsjacke im Rucksack. Hier freut man sich besonders, wenn sich die Jacke möglichst klein zusammenpacken lässt und wenig wiegt. Später, bei der Gipfelpause oder beim Abstieg wird die Isolationsjacke gegebenenfalls wieder zum Einsatz kommen; in der Zwischenzeit sollte sie aber den Rucksackträger möglichst wenig belasten.

Klar könnte man jetzt fordern, dass die leichten Isolationsjacken auch wind- und wasserdicht sein könnten. Doch da sie etwa die bereits vorhandene wasserdichte Hardshell ergänzen und nicht ersetzen soll, ist diese Funktion überflüssig. Entsprechend des Zwiebelprinzips sind mehrere aufeinander abgestimmte Bekleidungsschichten wesentlich praktischer und universeller einzusetzen als ein einziges wie auch immer beschaffenes Kleidungsstück.

Diese 12 Isolationsjacken haben wir getestet:

Die Kriterien des Isolationsjacken-Tests

Von jeder Jacke wurden im Labor möglichst viele aussagekräftige Werte erfasst und in das Punkteschema des Tests übertragen. Die gemessenen Werte wurden ergänzt durch die subjektiven Testeindrücke der Testexperten, allesamt staatlich geprüfte Bergführer mit langjähriger Testkompetenz.
  • GEWICHT: Alle Jacken wurden in Größe L gewogen. Jacken ohne Kapuze sind bei der Gewichtswertung zwar im Vorteil, verlieren aber im Gegenzug zwei Punkte bei dem Kriterium »Ausstattung«.
  • ISOLATION: Wie gut ist die gefühlte Wärmeleistung in Bewegung und auf Tour? Die gefühlt wärmste Jacke erhält die Maximalpunktzahl. Da die Isolationsleistung aber von vielen Faktoren abhängt, sind hier in der Praxis z.B. bei großer Feuchtigkeit oder Nässe Abweichungen möglich.
  • JACKENFLÄCHE: Hier wird jede Jacke an unterschiedlichen Referenzpunkten vermessen und daraus eine virtuelle Fläche errechnet. Wichtig: Die Jacke mit dem größeren Wert ist nicht automatisch die bessere, sie verfügt lediglich über mehr Fläche.
  • BEWEGUNGSSPIELRAUM: Beim Klettern in Fels und Eis soll die Jacke den Bewegungsspielraum nicht einengen und nicht verrutschen. Auf einem standardisierten Kletterparcours wurde der Bewegungsspielraum erfasst und subjektiv mit Punkten von 1 bis 5 bewertet.
  • AUSSTATTUNG: Insgesamt sind hier 5 Punkte zu vergeben, 2 für eine Kapuze, und jeweils ein weiterer für Features wie Innentaschen, Weitenverstellungen am Bund, funktionelle Armabschlüsse, Stretcheinsätze und diverse Anpassungsmöglichkeiten.
  • VIELFALT IM EINSATZ: Je vielfältiger eine Jacke auf Grund ihrer Konstruktion und Machart eingesetzt werden kann, desto höher die Punktzahl.
  • PACKVOLUMEN: In einem standardisierten Messverfahren wird die Isolationsjacke in einem Messzylinder mit einer konstanten Kraft komprimiert. 1 = großes Packvolumen; 5 = minimales Packvolumen
  • PREIS: Das vermeintlich einfachste Kriterium mit 5 Punkten für die günstigste und 1 Punkt für die teuerste Jacke. Grundlage sind die empfohlenen Verkaufspreise.
  • TESTSIEGER: In den bei vielen Tests bewährten Netzdiagrammen lassen sich auf einen Blick die Vorzüge und die Einsatzbereiche der leichten Isolationsjacken herauslesen. Dass es bei den qualitativ durchgehen hochwertigen Produkten keinen eindeutigen Sieger gibt, versteht sich von selbst. Zu unterschiedlich sind die Konzepte, zu unterschiedlich die eingesetzten Materialien und Schnitte.

Ausblick: Dehnbares Material ist Trumpf

Dehnbares Material vermeidet Kältebrücken und steigert den Komfort deutlich. Zu diesem Ergebnis kam eine aufwändige Studie von Christoph Ebert. Mit Dehnmess-Streifen und Wärmebildaufnahmen maß er die Veränderungen der Isolationsleistungen in Abhängigkeit von der Dehnbarkeit des Materials. Obwohl das Ergebnis eigentlich nicht weiter überraschend ist, steht die Entwicklung von elastischem Isolationsmaterial noch ganz am Anfang. Im Test war nur die Vaude Bormio mit elastischem Isolationsmaterial ausgestattet. Leider handelte es sich bei der uns zur Verfügung gestellten Jacke um ein Muster, bei dem die Elastizität des Polartec Alpha Materials noch nicht der Serie entsprach.
Dr. Christoph Ebert, Wolfgang Pohl, Christof Schellhammer
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