BERGSTEIGER Testbericht: Schneehuhe

Schneeschuhe im Test

Schneeschuhe im Test. Beim Kauf von Schneeschuhen hat man die Qual der richtigen Auswahl. Alurahmen-Schneeschuhe oder Kunststoff-Schneeschuhe, größere Schuhe um das Körpergewicht auszugleichen oder Damenmodelle mit schmalem Rahmen? Wir testen und geben Tipps zum Kauf!
(Aus BERGSTEIGER 01/2010)
 
Spaß im Watschelschritt - Schneeschuhe im Test © Bernd Ritschel
Schneeschuhe im Test
Zwar hat sich Schneeschuhgehen inzwischen zu einer wichtigen Spielart der winterlichen Bergaktivitäten entwickelt. Es ist aber nicht leicht, das richtige Modell für den bevorzugten Einsatzbereich zu finden. Wir helfen Ihnen dabei. Die Entscheidungen beim Kauf von Schneeschuhen fangen schon damit an, dass schwerere Herrschaften größere Schneeschuhe kaufen sollten (Kunststoff-Schneeschuhe haben jedoch meist Einheitsgröße) – nicht nur, um weniger in den Schnee zu sinken, sondern auch wegen der Stabilität der Untersetzer. Dafür kann frau sich bei einigen Herstellern ein Damenmodell kaufen, welches sich in der Regel durch einen schmaleren Rahmen auszeichnet (MSR Lightning, Atlas Elektra-Serie; Salewa nur andere Färbung). Außerdem gibt es die Wahl zwischen verschiedenen Grundtypen von Schneeschuhen, wobei sich Alurahmen-Schneeschuhe und Kunststoff-Schneeschuhe funktionell immer mehr angleichen. Die meisten Hersteller bieten übrigens leichtere und einfachere Modelle für Kinder an.

Testbericht Schneeschuhe: Maße und Gewichte

Die Funktion von Schneeschuhen im Bergbereich ist ein Kompromiss zwischen Auftrieb und Handlichkeit, Robustheit und Gewicht. Grunsätzlich gilt: Je kleiner der Schneeschuh, desto geländetauglicher ist er, aber desto tiefer sinkt er in den Schnee. Schmale Schneeschuhe mit bis zu 20 Zentimetern Breite ermöglichen eine natürlichere Gehweise, besitzen bessere Querungseigenschaften und sind somit alpintauglicher als die Standard-Schneeschuhe (21 bis 23 cm). Die martialische Aufbiegung der Front vieler Schneeschuhe dient weniger der Bezwingung steiler Aufschwünge als eher dem »Aufschieben« in tiefem Schnee (bei Inook auch »Durchpflügen«). Klassische Alurahmen-Schneeschuhe mit flexibler Kunststoffbespannung gibt es in mehreren Größen, im Alpenraum meist in den Mittelgrößen von 25 oder 30 Zoll (65 bzw. 76 cm Rahmenlänge). Ihr Gewicht schwankt zwischen federleichten 1,7 (Redfeather) und 2,1 (T.H.E.) Kilogramm pro Paar bei 30 Zoll Länge.

Mit den größeren Schneeschuh-Modellen sinkt man bei gesetztem Tiefschnee erkennbar weniger ein (am besten Faber). Moderne Kunststoffschneeschuhe sind schwerer (1,9 bis 2,25 kg für Länge 61 cm), aber trotzdem kürzer (56 bis ca. 61 cm) und daher schlecht für Tiefschnee geeignet – außer dem MSR Denali mit ansteckbarer Verlängerung sowie den größeren Modellen von Vaude und Morpho (76 cm Länge) mit mittigem Schwerpunkt. Sie zeigen ihre Stärken eher in der größeren Beweglichkeit und bei härterem oder flacherem Schnee, wo seitliche Rahmenschienen und Querstreben für zusätzlichen Seiten- bzw. Rückhalt sorgen können. Unter den Modellen mit Plattenbindung finden sich die günstigsten Schneeschuhe mit brauchbarer Funktion (plus T.H.E).

Harschkrallen

riginale Holzrahmen-Schneeschuhe mit schneedurchlässiger Bespannung können deutlich breiter und länger als andere Schneeschuhe sein (Hybrid von Faber 90 x 25 cm), denn ihre wesentliche Funktion ist maximaler Auftrieb bei geringem Gewicht. Sie sind ideal bei Neuschnee in flacheren Bereichen wie sanften Bergen, Tälern oder Fahrwegen. Schneeschuhe ohne Harschkrallen sind nur bei weichem Schnee sinnvoll einsetzbar und bei hartem Schnee bereits bei mäßiger Hangneigung ungeeignet. Schneeschuhe mit Harscheisen lassen sich unter allen Bedingungen einsetzen und beißen auch auf vereisten Fahrwegen – je nach Länge (T.H.E. 4 cm), Stellung (Atlas in alle Richtungen) und Material (am besten Stahl) allerdings sehr unterschiedlich. Entscheidend sind die mittels Gummiplatte oder Oberflächenbehandlung gegen Schneestollen geschützen Zacken unterm Fußballen. Die Frontalkrallen sind beim Aufsteigen entscheidend (Redfeather top), wobei bergtaugliche AlurahmenSchneeschuhe häufig auch Krallen gegen Rückrutschen besitzen (auch Salewa).

Viele Kunststoff-Schneeschuhe besitzen außer den Frontkrallen nur Stifte, die mehr schlecht als recht in alle Richtungen halten, aber man hat ja noch den Rahmen als Halt (beides am besten Inook). Seitliche Harschkrallen bieten Halt bei Querungen mit hartem Schnee, sind aber nicht so sicher wie die Seitenschienen von MSR Denali und Tubbs (außer Atlas). Harschkrallen sind immer so angeordnet, dass sie sich gegenseitig stützen und man auch auf vereisten Wegen gehen kann.

Aufhängungen

Die Bindung ist ein Viertel bis ein Drittel der Länge hinter der Spitze aufgehängt. Beim Entlasten fällt der Schneeschuh hinten ab, während die Spitze des Schuhs in einen Ausschnitt der Schneeschuh-Bespannung taucht. Die aus einem Riemengeflecht bestehende Originalbindung fixiert die Längsstellung der Schuhe nur unzulänglich. Durch eine feste Vorderschuh-Platte mit Drehachse unterm Fußballen lässt sich diese ergonomisch günstig ausrichten. Alle klassischen Schneeschuhe funktionieren nach diesem Prinzip, wobei es Modelle mit starrer Achse und solche mit elastischer (T.H.E., Redfeather) bis federnder (Atlas) Aufhängung gibt. Diese verbessert die Querungseigenschaften und macht manövrierfähiger, wirbelt aber beim flotten Gehen Schnee bis zum Gesäß hoch. Eine Weiterentwicklung sind die Bindungsplatten der Kunststoffschneeschuhe (außer MSR Denali, Tubbs). Hier stabilisiert eine Platte an starrer Achse den gesamten Schuh, wobei es verschiendene Systeme für die Längenverstellung der Bindung gibt.

Bindungen

Immer gleich aufgebaut sind Plattenbindungen mit Riemenkorb (z. B. TSL) oder einfachem Riemen (z. B. Morpho) vorn und Fersenkorb hinten (Salewa perfekt). Hier befindet sich heutzutage meist ein Schnellratschen-Verschluss (Spannratsche mit Entriegelung), der gepolstert sein sollte (bei Morpho, Inook kaum vorhanden). Salewa, TSL und Vaude besitzen eine Trimmung zur Zentrierung der Schnellratschen-Schutzmanschette, welche ein komfortables Gehen auch mit weichen Trekkingschuhen ermöglicht. Die Schneeschuhe von TSL lassen sich mit verschiedenen Bindungen kaufen. An Bindungen mit harter Platte (außer T.H.E.) unterm Vorderfuß ist entweder ein klassischer Riemenverschluss (Redfeather) befestigt oder eine Kombination aus Schnellratschen-Fixierung vorne und Riemen hinten gegen Rückrutschen. Hier hat sich der elastische und vereisungsresistente Dornriemen durchgesetzt, der nur bei Tubbs einfach zu schließen ist und die Schneeschuhe von MSR komplett beriemt. Steighilfen sind an allen Schneeschuhen für den Berg- und Alpinbereich sinnvoll, da sie das Aufsteigen nicht nur bei hartem Schnee enorm erleichtern.
Christian Schneeweiß
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 01/2010. Jetzt abonnieren!
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