Im Test: Trekkingstöcke | BERGSTEIGER Magazin
Stockwerk

Im Test: Trekkingstöcke

Längenverstellbare Trekking-stöcke unterstützen Bergsteiger im Auf- und Abstieg bei den meisten Bergaktivitäten von Bergwandern bis zu Alpintouren, Faltstöcke auch bei Klettersteigen. Viele eignen sich auch für Winteraktivitäten wie Skitouren. Wir zeigen Ihnen, wie Sie sich beim Kauf richtig orientieren.

 
© Claudia Ziegler

Stöcke sind am Berg nicht mehr wegzudenken: Sie unterstützen beim Aufstieg, verringern die Abstiegsbelastung, bieten auf Geröll, Schrofen und ausgesetzten Firngraten Balance und treiben den Speedhiker bzw. Trailrunner an. Zur Anpassung für Auf- oder Abstieg und an die individuelle Körpergröße ist ihre Länge verstellbar. Flexibilität, Verstellsystem und Griff bestimmen über Komfort und Stabilität eines Modells. Zwar lassen sich fast alle vorgestellten Stöcke auch im Winter verwenden, aber nicht jeder für Skitouren. Umgekehrt gibt es drei sommertaugliche Skitourenstöcke: Komperdell und Kohla hatten zur Testzeit nur Wintermodelle zur Verfügung.

Die optimale Länge von Trekkingstöcken bei Sommeraktivitäten beträgt 110 bis 135 Zentimeter. Damit können kleinere Bergsteiger gut aufsteigen, größere noch gut absteigen. Für Skitouren sollte der Stock etwas länger ausziehbar sein (Kohla bis 146 cm). Bei dreiteiligen Teleskopstöcken beträgt die Längenvariabilität konstruktionsbedingt 70 bis 80 Zentimeter, was sich an langen Hangquerungen mit stark verkürztem Innenstock auszahlt. Oder man greift in dieser Situation auf die Manschettenverlängerung unterhalb des Griffs zurück, welche alle wintertauglichen Modelle besitzen. Reine Wanderstöcke bestehen meist aus dünnerem Aluminium, das sich bei Belastung verbiegt und somit Arm- und Handgelenke beim Abstieg entlastet. Beim Leki Corklite ist diese Funktion sehr effektiv kombiniert mit einem Gummidämpfer. Allroundstöcke besitzen dickere Rohre aus gehärtetem Aluminium oder Karbonlaminat, die relativ steif und stabil sind und sich neben Alpin- und Hochtouren auch gut für Skitouren oder Trekking mit schwerem Rucksack eignen. Am steifsten ist der mit Fiberglas verstärkte Karbonstock von Stubai. Obwohl Karbonstöcke immer fester werden, bleiben sie schlaganfälliger als Aluminiumstöcke, die sich eher verbiegen als zu brechen. Das unterste Segment der Karbonmodelle von Komperdell besteht deshalb aus Alu. Robuste Bergstöcke wiegen 450 bis 500 Gramm, stabile Leichtkonstruktionen bis 370 Gramm (steifer Swix). Deutlich über 500 Gramm sollten nur Stöcke für schwere Lasten oder Skitouren auf die Waage bringen.

Schieben oder Falten?

Um Stöcke für den Transport oder Kletterpassagen am Rucksack verstauen zu können, bestehen sie traditionell aus drei verstellbaren Segmenten. Diese Teleskopstöcke lassen sich kurz genug zusammenschieben, um sie mit etwas Überstand problemlos außen am Rucksack zu befestigen (Packmaß 60 bis 70 cm). Faltstöcke hingegen bestehen aus vier auseinandernehmbaren Teilen plus Verstellsegment und lassen sich so klein zerlegen, dass sie gut in den Rucksack passen. Wer die Stöcke auch als Zu- und Abstiegshilfe am Klettersteig bzw. für Touren mit Kletterpassagen verwendet, sollte sich Faltstöcke mit 35 bis 45 Zentimeter Packlänge zulegen, die in jeden Tagesrucksack passen. 

Der klassische Teleskopstock besaß eine interne Fixierung mit einem Kunststoffdübel, der beim Drehen aufspreizte und so im Rohr darüber verklemmte. Diese Klemmung war aber schmutz- und verschleißanfällig. Der ausgefahrene Stock schob sich bei großer Belastung oft unbeabsichtigt zusammen, was beim Abstieg zum Sturz führen konnte. Dafür ist dieser – bei einigen Modellen noch immer verwendete – Verschluss sehr leicht. Die heutigen externen Klemmen mit Daumenbedienung wurden ursprünglich gegen Vereisung und für die Handhabung mit Handschuhen entwickelt. Sie können zwar auch durchrutschen, aber dann mit simplem Drehen an einem Rädchen härter eingestellt werden. Gar nicht zusammenrutschen kann das untere Segment von Helinox, bei dem Senkknöpfe in Löcher einrasten. Hundertprozentig durchrutschsicher sind auch die neuen Faltstöcke. Ihre Segmente sind nach dem Prinzip der Lawinensonde durch ein Kabel verbunden und werden nach dem Zusammenziehen durch einen Senkknopf (bei Komperdell Schraubverschluss) fixiert. Da der zusammengesetzte Stock nicht variabel ist, besitzen die meisten Modelle ein zusätzliches Segment, das sich per Daumenklemme verschieben lässt. Die Rasten-Variante von Snowline hält ebenfalls unverrückbar.

Verschiedene Griffe und Schlaufen 

Trekkingstöcke besitzen normalerweise angenehme Griffe aus EVA-Schaumstoff. Weil der etwas anfällig ist und an heißen Tagen feuchtelt, haben Sommerstöcke teils Korkgriffe (Swix perfekt). Nicht alle Griffe sind ergonomisch gut geformt, die Umfänge unterschiedlich dick und nur gerundete Knäufe ermöglichen ein mehr oder weniger bequemes Aufstützen (Leki sehr variabel). Grob geriffelt sollten Manschetten am Rohr unterhalb des Griffs sein, die an allen Stöcken mit Winteroption ein Tiefergreifen bei steilen Aufstiegen oder Hangquerungen ermöglichen (Stubai top). Die im Knauf befestigten Handschlaufen lassen sich durch Zug nach oben verlängern bzw. am Schlaufenende nach unten verkürzen. Dies funktioniert meist problemlos außer bei Systemen, bei denen sich der Fixierkeil nach außen schiebt (Fizan, Komperdell). Lekis Schlaufe lässt sich mit einem Ruck entriegeln (gleichzeitig Sicherheitslösung bei Verhängen) und dann verstellen. Die meisten Schlaufen bestehen aus grobem Nylon mit Polsterung. Angenehmer auf der Haut sind breite, schweißdurchlässige Komfortschlaufen aus dünnem Stoff (Leki, Kohla).

Teller wechsel dich

Die Spitzenaufsätze der Stöcke aus Kunststoff sollten fünf Zentimeter über den Trekkingteller (ca. 4 cm Durchmesser) hinausragen, mit Schneeteller (8-9 cm Durchmesser) mindestens sechs Zentimeter, um nicht an einem Steilhang ausgehebelt zu werden. Auch sollten sie sich bei hoher Querbelastung verbiegen. Die eigentliche Spitze besteht aus extrem hartem Karbid, wobei Ringkronen besser halten als Bohrkronen. Zumindest Wanderstöcke sollten einen Gummiaufsatz für Asphalt besitzen. Die meisten Spitzen besitzen inzwischen einen Drehverschluss zum Wechseln vom Trekkingteller zum Schneeteller. Am schnellsten und sichersten funktioniert der Tellerwechsel mit Raste bei Komperdell. Beim simplen Abstreif-System ist etwas Kraft angesagt (Fizan).     

Die Testmodelle im Vergleich

Camp: Sonic Alu

Verstellbereich: 36/114-135 cm
Gewicht/Paar: 470 g
Spitze: 5,5 cm
Griff: mittel
Preis: 79,95 €
Konstruktion: Fünfteiliger Alu-Faltstock mit Moosgummigriff, weichem Stützknauf und Neopren-gepolsterter Nylon-Verstellschlaufe; Segmente-einstellung: mittig Ausfalt-Fixierraste,  Längenverstellung mit einstellbarem Daumen-Klemmverschluss; Spitze mit Karbid-Bohrkrone, Wanderteller, Stautasche, Elastik-Stauschlaufe, Straßenaufsatz, Trekking- und Schneeteller

Greifgefühl ****
Einstellung ***
*
Bedienung *****
Fixierung ****
Steifigkeit **

Stärken: Angenehm zu greifen, simple Segmentverstellung, problemlos mit Handschuh, kann kaum zusammenrutschen, sehr flexibel für stark gedämpftes Absteigen, kürzestes Packmaß, gute Zusatz-Ausstattung, top Preis-Leistungs-Verhältnis
Schwächen: Schlaufe reibt an Daumen, wird schwitzig, keine Greifmanschette, Flex ungeeignet für alpine Abstiege/viel Gepäck, Innenzug sollte straffer sein

Fazit: Supergünstiger Falt-Winzling
Der flexible Alu-Faltstock mit kleinstem Packmaß und top Preis-Leistungs-Verhältnis passt in jeden Rucksack. Optimal für Bergwandern, Klettersteige, leichte Personen, nicht für Alpineinsatz und schweres Gepäck

Dynafit: Ultra Pro Pole

Verstellbereich: 42,5 /113,5-134 cm
Gewicht/Paar: 410 g
Spitze: 5 cm
Griff:
schmal
Preis/Paar: 160 €
Konstruktion: Fünfteiliger Karbon-Faltstock mit Moosgummigriff und kleiner Greifmanschette, einfachem Stützknauf und dünner Netz-Verstellschlaufe, Segmenteeinstellung: mittig Ausfalt-Fixierraste, oben kontinuierliche Längenverstellung mit einstellbarem Daumen-Klemmverschluss, Spitze mit Karbid-Ringkrone, kleiner Trekkingteller 

Greifgefühl *****
Einstellung ****
Bedienung ****
Fixierung *****
Steifigkeit ****

Stärken: Angenehm zu greifen, kein Schwitzen unter luftiger, superleicht einstellbarer Griffschlaufe, leichtgängige Längenverstellung kann kaum zusammenrutschen, kurzes Packma., geringes Gewicht
Schwächen: Nur grobe Klemmeneinstellung, Griffschlaufenfixierung etwas mühsam, keine Zusatzausstattung, kein Tellerwechsel möglich, teuer

Fazit: Luftiges Mini-Leichtgewicht
Der leichteste Karbon-Faltstock ohne Zusatzausstattung ist für schweißtreibende Trailruns oder Speed Hiking konstruiert. Auch super für Zu- und Abstiege zum Klettersteig sowie Wandern 

Ferrino: Trekking Kailash

Verstellbereich: 62,5-135,5 cm
Gewicht/Paar: 470 g
Spitze: 5,5 cm
Griff: mittel
Preis: 89,90 €
Konstruktion: Dreiteiliger Karbon-Teleskopstock mit Moosgummigriff, Stützknauf und Neopren-gepolsterter Nylon-Verstellschlaufe; Segmente-Einstellung: unten und mittig kontinuierliche Verstellung mit einstellbarem Daumen-Klemmverschluss, Spitze mit Karbid-Bohrkrone, Trekkingteller abdrehbar, inkl. Straßenaufsatz, Verbindungsklemme und Schnee-Wechselteller

Greifgefühl ****
Einstellung ****
*
Bedienung *****
Fixierung ****
Steifigkeit ***

Stärken: Griff sehr angenehm zu greifen, Schlaufe leicht einstellbar, supersimple Segmentverstellung, problemlos mit Handschuh, Stock kann kaum zusammenrutschen, flexibel für gedämpftes Absteigen, super Preis-Leistungs-Verhältnis
Schwächen: Griffschlaufe etwas schwitzig, Daumen kann an Knauf reiben. 

Fazit: Günstiger Karbon-Komfort
Flexibler Karbonstock mit simpler Verstellung und guter Zusatzausstattung. Für moderate Bergaktivitäten in Sommer und Winter plus Trekking, wegen Flex und kurzer Spitze weniger für Hoch- und Skitouren

Fizan: Elbrus Foam

Verstellbereich: 70-140 cm
Gewicht/Paar: 495 g
Spitze: 6,5 cm
Griff: mittel
Preis: 79,95 €
Konstruktion: Dreiteiliger Alu-Teleskopstock mit Moosgummigriff und langer Greifmanschette, gerundetem Stützknauf und teilgepolsterter Nylon-Verstellschlaufe; Segmente-Einstellung: unten und mittig kontinuierliche Verstellung mit einstellbarem Daumen-Klemmverschluss, Spitze mit Karbid-Rundkrone, Trekkingteller wechselbar, inkl. Stra?enaufsatz und Schnee-Wechselteller

Greifgefühl ****
Einstellung ***
Bedienung ****
Fixierung ****
Steifigkeit ****

Stärken: Angenehm zu greifen, weites Tiefergreifen bei Querung, Fixierung mit H.rteeinstellung kann kaum zusammenrutschen, robust, Teller recht gut abdrehbar, komplette Zusatz-Ausstattung, supergünstig
Schwächen: Griff/Schlaufe reibt etwas an Daumen, Verlängerung hakelig (Keil suboptimal), geöffnete Klemmen-Clips drehen sich, langes Packmaß

Fazit: Günstiger Schwerlaster
Robuster und günstiger Allround-Alustock mit hakeliger Griffschlaufen-Einstellung. Für alpinere Bergaktivitäten und Trekking ohne Klettersteig, skitourentauglich, für Wandern wenig komfortabel

Helinox: Ridgeline LB 135

Verstellbereich: 60,5/97-135 cm
Gewicht/Paar: 465 g
Spitze: 6,5 cm
Griff: schmal
Preis: 170 €
Konstruktion: Dreiteiliger Alu-Teleskopstock mit Moosgummigriff und geriffelter Greifmanschette, einfachem Stützknauf und teilgepolsterter Nylon-Verstellschlaufe; Segmenteeinstellung: unten Auszieh-Doppelraste, mittig kontinuierliche Verstellung mit einstellbarer Finger-Klemme, Spitze mit Karbid-Blütenkrone, Trekkingteller abdrehbar, inkl. Straßenaufsatz und Verbindungsklett

Greifgefühl ****
Einstellung *****
Bedienung *****
Fixierung *****
Steifigkeit ****

Stärken: Sehr angenehm zu greifen, sicheres Tiefergreifen bei Querung, Schlaufenverstellung super leichtgängig und fest, Verstellung nur oben, kann kaum zusammenrutschen, in einem Zug zusammenzuschieben, unteres Segment sehr robust, kürzestes Teleskop-Packmaß
Schwächen: Schlaufe reibt etwas an Daumen, Klemmeneinstellung mit Schraubenzieher, teuer

Fazit: Stabiler Allrounder
Durchdachter Allround-Trekkingstock mit kleinem Packmaß, top Verstellungen und super Stabilitäts-Gewicht-Verhältnis. Optimal für Alpinbergsteigen bis Hochtour, auch Wandern bis Trekking, skitourentauglich

Kohla: Emotion Pro

Verstellbereich: 66,5-146,5 cm 
Gewicht/Paar: 530 g
Spitze: 7,5 cm
Griff: dick
Preis: 99,95 €
Konstruktion: Dreiteiliger Alu-Teleskopstock mit Moosgummigriff und Greifmanschette, gerundetem Stützknauf und breiter dünner Verstellschlaufe; Segmente-Einstellung: unten und mittig kontinuierliche Verstellung mit fixem Daumen-Klemmverschluss, Spitze mit Karbid-Bohrkrone, Trekkingteller wechselbar, inkl. Verbindungsklemme und Schnee-Wechselteller

Greifgefühl *****
Einstellung *****
Bedienung *****
Fixierung ****
Steifigkeit ****

Stärken: Sehr angenehm zu greifen, super angenehme Schlaufe, sehr leichte Einstellung, superleichte Segmentefixierung kann kaum verrutschen, super Bedienung mit Handschuhen, Stock sehr lang, für schweres Gepäck und große Belastung, fest sitzender Teller leicht abdrehbar
Schwächen: Klemme de facto nicht einstellbar, kann etwas rutschen, ausgefahrene Länge im Sommer überflüssig, längeres Packmaß, schwer

Fazit: Schwerlaster für (Ski-)Touren
Sehr robuster und steifer Skitouren- und Schwerlast-Alustock mit super Bedienung. Optimal für Skitouren, aber auch Hochtouren und Trekking mit schwerem rucksack, weniger für Wandern


Hier geht's zu Teil 2 der Kaufberatung.

 

Christian Schneeweiß
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 02/2018. Jetzt abonnieren!
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