Haupt-Sache geschützt: 12 Kletterhelme im Test | BERGSTEIGER Magazin
Kaufberatung Kletterhelme

Haupt-Sache geschützt: 12 Kletterhelme im Test

Vor einem harten Schlag auf den Kopf schützen alle Kletterhelme. Dank verschiedener Konstruktionstypen und stark variierender Belüftungen ist allerdings jedes Modell für einen bestimmten Einsatzbereich optimal. Wir zeigen Ihnen, worauf Sie bei Kauf achten sollten.
 
Welcher Helm für welchen Einsatzbereich? © pixabay
Welcher Helm für welchen Einsatzbereich?
Früher war ein Kletterhelm einfach nur lästig: Beim Aufsetzen am Einstieg musste man an der Umfangsverstellung rumfummeln, beim Klettern bekam man verschwitzte Haare und beim müden Abstieg hing der Steinschlagpanzer wie ein Klotz am Kopf. Heute sind die meisten Helme so komfortabel, dass sie schon fast ein Modeaccessoire beim Klettersteigen, Sport- und Plaisirklettern oder gar bei der Hochtour bilden. Nur für stark stein- und eisschlaggefährdete Touren sind noch traditionelle Modelle nötig.

Die auffälligste Komfortverbesserung ist das geringe Gewicht der Sportkletterhelme von unter 300 Gramm bis 225 Gramm (Petzl, Beal; Singing Rock hat nur 205 Gramm), das unter anderem durch großflächige Lüftungsöffnungen erreicht wird. Diese Helme kosten zwischen 65 und 90 Euro, stabilere und schwerere Alpinhelme 45 bis 60 Euro, Helme für mehrere Sportarten um die 150 Euro. Kletterhelme werden normalerweise in zwei Größen angeboten (ideale Kopfumfänge 48-56 cm und 54-62 cm). Bei Kong reicht eine (51-62 cm), der kleinere Petzl Elia ist der einzige Helm speziell für Frauen.

Vom Steinschlag- zum Universalhelm

Alle Kletterhelme erfüllen die Norm, was Schlagfestigkeit und Halt des Helms am Kopf betrifft. Die Prüfung der Kletterhelme nach der Norm EN 12492 ist im Bergsteiger 5/2016 ab Seite 94 ausführlich beschrieben, inklusive Übersicht der Helmtypen.

Dennoch gibt es inzwischen zwei grundsätzlich verschiedene Helmtypen: Hardshellhelme aus sehr festem ABS-Kunststoff (Hartschale), die kaum brechen können, aber den größten Teil der Schlagenergie eines fallenden Steins auf den Kopf übertragen. Und Softshellhelme aus expandiertem Polystyrol (EPS), die bei einem starken Schlag brechen und dabei dessen Energie optimal verteilen und großteils absorbieren. Beide Helmtypen gibt es jedoch kaum in Reinkultur.

Diese 12 Modelle haben wir getestet

AUSTRIALPIN Helm.ut
BEAL Atlantis
CÉBÉ Trilogy
CAMP Titan
EDELRID Zodiac
KONG Scarab
LACD Defender
PETZL Meteor
SALEWA Vayu
SINGING ROCK Penta
SKYLOTEC Grid
STUBAI Fuse Light

Die leichten (200-300 g) EPS-Helme werden im "In-Mould-Verfahren" mit einer dünnen Polycarbonatschicht überzogen, die die Aufprallenergie verteilt. Bei leichten Schlägen wird die Schicht beschädigt, bei schweren bricht sie. Sie können besser geformt und mit größeren Lüftungen versehen werden, verlieren nach schwerem Steinschlag aber ihre Schutzfunktion und sind ideal für Sportklettern oder Klettersteige.


Salewa kombiniert einen Hartschalenhelm mit einer elastischen Polystyrolmischung.

Die schwereren (meist 300 bis 400 Gramm), aber günstigeren Hartschalenhelme besitzen fast immer unterm Haupt eine EPS-Schicht, die bei einem schweren Steinschlag die Energie verteilt und bricht, ohne dass jedoch auch die Schale bricht (Hybridhelme). So bleiben sie noch funktionsfähig und sind daher ideal geeignet für Alpin-, aber auch Eisklettern. Seitliche Schläge, insbesondere Stirnschläge, werden durch ein rundum laufendes Kunststoffband aufgefangen. Alle Helmhersteller haben beide Typen im Programm. Salewa ist es gelungen, einen Hartschalenhelm mit einer elastischen anstatt einer brechenden Polystyrolmischung in einem Kombihelm zu verbinden. Dieser ist leicht, luftig und auch innen weitgehend bruchsicher.

Sogenannte Multihelme sind für mehrere Sportarten zertifiziert. Sie bieten also optimalen Schutz nicht nur beim Klettern, sondern auch beim Radfahren sowie anderen Freizeitaktivitäten im Gebirge. Beim raffinierten Cébé verwandeln Zusätze den Kletterhelm in einen Bike- (mit Schild), Eiskletter- (Lüftungsabdeckung) oder Skihelm (Isolierpolster und Ohrenschützer).

Die meist großflächigen Lüftungsschlitze oder Löcher von In-Mould-Helmen erleichtern das Klettern an warmen Tagen ungemein. Bei Kälte, Wind oder Regen sind sie zwar ein Nachteil; aber dann kann man eine helmtaugliche Kapuze überziehen. Bei Touren mit viel Splitt oder beim Eisklettern können Steinchen in große Öffnungen fallen. Hybridhelme für den Alpinbereich haben praktischerweise, auch wegen der Stabilität, meist kleinere Schalenfenster. Beim Petzl Elios (Elia für Frauen) sind die Lüftungen sogar verschließbar. Fast alle Helme besitzen schweißabsorbierende Polster an Haupt und Stirn sowie meist auch hinten an der Umfangseinstellung. Großflächige Polster passen den Helm besser an (kuscheliger Kong, rutschfester Skylotec) und wärmen den Kopf etwas, was bei kühlen bis winterlichen Temperaturen angenehm ist. Bei den meisten Helmen schwitzt man an der Stirn.

Riemen und Verschlüsse

Standard bei der Anpassung des Helms ist heute das mit einer Hand bedienbare Stellrad am Hinterkopf für ein den hinteren Kopf umfangendes Kunststoffband. Es ist bei guten Modellen höhenbeweglich (Edelrid perfekt), zum Transport im Helm versenkbar und funktioniert zuverlässig wie eine Ratsche. (Dreh-) Rasten (Beal bzw. Petzl) können nicht an den Rucksack oder Fels stoßen.


Das Stellrad am Hinterkopf ist mittlerweile Standard.

Der Helm wird mit Riemen unterm Kinn fixiert, deren Geometrie sich an Justierungsplättchen unter den Ohren anpassen lässt. Die meisten lassen sich leicht einstellen, können aber mit der Zeit verrutschen; unverrückbare Modelle sind mühsam einzustellen (nur Salewa leicht und unverrückbar). Standard-Kinnverschluss ist die unkomplizierte Steckschnalle, die seitlich statt unter dem Kinn befestigt sein sollte. Kinnpolsterungen sind sehr angenehm, behindern aber die Verstellung zusätzlich zur Steckschlaufe. Wegen der optimalen Anpassung von Kopfumfang und Kinnriemen verrutschen die Helme kaum.

Das Fazit

Wer einen Kletterhelm kaufen will, hat die Wahl zwischen leicht und luftig für Klettersteige und Genussklettern oder schwerer und bruchfester für Alpin- oder Eisklettern. Die Umfangseinstellung und Kinnfixierung des Helms geht meist mehr oder weniger problemlos per Stellrad bzw. Klickschnalle oder genialem Magnetverschluss (Beal, Petzl).

Leichthelme mit Riemeneinstellung können aber nach vorne rutschen (Salewa, Singing Rock). Multifunktionshelme ermöglichen es, den Kopf auch bei anderen Bergaktivitäten wie Mountainbiken, Skiabfahrten oder Wildwasserkajaken optimal zu schützen (Cébé, Kong).
 
Christian Schneeweiß
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 07/2016. Jetzt abonnieren!
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