12 Ski- und Kletterhandschuhe im Test | BERGSTEIGER Magazin
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12 Ski- und Kletterhandschuhe im Test

Funktionelle Handschuhe für Skitouren oder (Eis-)Klettern müssen nicht unbedingt stark isolieren. Sie sollten aber einen rutschsicheren Griff, ein feines Fingerkuppengefühl und einen guten Wetterschutz bieten. Wir zeigen Ihnen, welches Modell was kann.
 
Funktionelle Handschuhe © Arc'teryx/Hugo Vincent
Das Isolations-Vlies von Primaloft wärmt auch noch bei Durchfeuchtung.
Eigentlich bräuchte man auf Skitour im Hochgebirge drei Paar Handschuhe: ein dünneres, rutschsicheres und Schweiß ableitendes im Aufstieg, ein robustes mit beweglichen Fingern und empfindsamen Fingerkuppen beim felsigen Gipfelkraxeln und ein gut isolierendes und wetterschützendes für die Abfahrt. Bei letzterem wären Fäustlinge eine sinnvolle Option. Eine eierlegende Wollmilchsau gibt es zwar nicht. Aber einige Handschuhe können fast alles.

Diese zwölf Modelle haben wir getestet:

ARC‘TERYX Teneo Glove
DYNAFIT Mercury DST Glove
HESTRA Ergo Grip Active M
MARMOT Exum Guide Glove Men‘s
MARTINI Isolate
MOUNTAIN EQUIPMENT Super Alpine Glove
OUTDOOR RESEARCH Lodestar Sensor Gloves
POC Wrist Glove Big
REUSCH Svalbard
RÖCKL Kiwar M
VAUDE Roccia Gloves
ZANIER Trekking.DGX Mens

Funktionelle Handschuhe sollten außen, also auf Hand- und Fingerrücken robustes, im Idealfall dehnbar-anpassendes Softshellmaterial mit einem im Winter ausreichenden Wetterschutz bieten. Modelle für intensive Fingeraktivität sind bei hoher Dampfdurchlässigkeit zumindest wasserresistent, bei kaltem Schnee damit de facto dicht. Typen mit Schwerpunkt Wetterschutz (z.B. Hochgebirge oder Abfahrt, Eisklettern oder nasser Schneefall) besitzen eine winddichte bzw. wasserdichte Membran.


Beim Eisklettern ist vor allem der rutschsichere Griff des Handschuhs entscheidend.

Bei Wärme oder im Aufstieg mit Skiern ist ein dünnerer, möglichst schweißdampf- ableitender, windabweisender Handschuh ideal (schweißsaugendes Power Stretch bei Martini). Diese Modelle können selbst mit Membran unter 100 Gramm wiegen (Hestra 90 g)! Ist es draußen kälter, lässt sich ein Merino-Liner unterziehen. Geniale Skitourenmodelle kombinieren dampfdurchlässige Fingerhandschuhe mit einem verstaubaren, wind- und wasserresistenten Überzieh-Fäustling für windige Gipfel oder schnelle Abfahrten (Reusch, Dynafit) und sind trotzdem leicht.

Für Ski- oder Hochtouren eignen sich auch robuste, wasserdichte Überhandschuhe, die man für die Abfahrt bzw. bei unwirtlicher Witterung über dünne Fingerhandschuhe stülpen oder bei wärmeren Temperaturen auch solo verwenden kann (Poc optimal). Einen dünneren und wärmeren Handschuh in Einem bekommt man beim Zweikammer-Typ (Ziener) mit einem dünner und einem dicker isolierten Handeinschlupf (nur 210 g).

Wärme versus Gefühl

Je besser die Isolation, desto wärmer ist der Handschuh, aber desto eher schwitzt man bei Aktivität und auch das Greifgefühl (Taktilität) leidet darunter. Modelle für intensiven »Handgebrauch« wie (Eis-) Klettern oder Skitouren-Aufstiege besitzen daher innen meist ein dünneres Isolierungsfutter aus kuscheligem Fleece oder schweißsaugendem Polartec.

Wärmere Handschuhe sind mit künstlicher Isolationsfaser gefüllt und innen mit ebenfalls kuscheligem Microfleece gefüttert, das den Schweiß in die feuchteunempfindliche Isolation leitet. Die Füllung beeinträchtigt in der Regel aber das Greifgefühl und kann bei schlechter Vernähung rutschen. Die Handinnenfläche sollte deshalb dünner oder gar nicht mit Isolationsfasern befüllt sein.

Mit festem Griff

Neben dem Schutz vor Kälte, Wind und Nässe sollte ein funktioneller Handschuh möglichst griffig sein, um Skitourenstock oder Eisgerät sicher halten zu können: Die Innenhand inklusive Fingern besteht idealerweise aus nahezu rutschfestem Ziegenleder bzw. geöltem Leder oder ist zumindest auf Handfläche und Daumen mit einem solchen besetzt (Martini nur dort Leder). Das robustere Kuhleder ist dagegen hauptsächlich zum Halten eines Stock- oder Beilgriffs geeignet, aber auch zum Felsklettern (Marmot, Vaude). Mit Gumminoppen besetzte Handflächen (Dynafit, Reusch) sind zu 100 Prozent rutschfest, reines Leder ist jedoch dampfdurchlässiger.

Fingerspitzengespür

Die Finger sind das größte Problem der Handschuhentwickler, da deren Länge und Dicke individuell schwankt. Die Handschuh-Fingerlinge dürfen nicht drücken und sollten die Fingerkuppen vorne gänzlich umschließen. Von der Konstruktion der Fingerling-Spitzen hängt es ab, ob sich ein Handschuh nur zum Umgreifen eines Skistocks oder Pickels eignet, weil sie zu spitz (Hestra) oder zu dick isoliert (Zanier) sind oder zu viel Raum lassen (Vaude). Oder ob der Handschuh sich auch zum Klettern oder Hantieren (z.B. Eisschrauben setzen) verwenden lässt, weil die Finger stumpf konstruiert sind. Dies funktioniert aber nur, wenn die Isolation nicht zu schwammig ist (Marmot).

Fast alle funktionellen Handschuhe sind mit nach innen gekrümmten Fingern vorgeformt, was zum Umgreifen von Vorteil ist. Zum Hantieren und Felsklettern benötigt man aber möglichst bewegliche Finger. Im Idealfall sind die unangenehmen Nähte der Fingerlinge in der Isolation »versteckt«. Ansonsten sind sie besser außen angelegt, können dann aber die Taktilität behindern. Die Stulpe (Schneefang) am Armabschluss des Handschuhs sollte bei dünneren Handschuhen unter den Jackenärmel passen und entweder per Klett weitenanpassbar sein oder sich als Stretch- oder Neoprenschlauch dicht um den Arm schmiegen. Dieser kann aber feuchteln (nicht bei Arc’teryx).

Zudem befindet sich um das Handgelenk meist eine elastische Taillierung zur Fixierung der Hand im Handschuh. Bei extremeren Modellen und Überhandschuhen reicht die Stulpe (6-10 cm) weit über den Jackenärmel und ist per Gummizug einhändig und lückenlos an die stark schwankende Weite der Winterkleidung anpassbar (Poc perfekt).

Bei allen Handschuhen lässt sich der Daumen zum Abwischen von Brille oder ähnlichem verwenden. Ein Verbindungs- Clip zum Verstauen der Handschuhe sollte ebenso dazu gehören wie eine Zugschlaufe zum Anziehen oder eine Fingerschlaufe zum Ausziehen des eventuell feuchten Handschuhs. Eine abnehmbare Sicherungsschlaufe für den Unterarm verhindert bei Tourenmodellen den Verlust bei kurzzeitigem Ausziehen. Als Schlagschutz beim Eisklettern oder bei harten Abfahrten sind Knöchel- beziehungsweise Handrückenverstärkungen sinnvoll (Röckl Griffpolster in Daumenbeuge).


Beim Kauf von Handschuhen sollten einige Punkte beachtet werden.

Fazit

Selbst 100 Gramm leichte Funktions- Handschuhe können heute unter winterlichen Bedingungen vollständigen Wetterschutz bei ausreichender Robustheit bieten. Dünnere Modelle haben meist zusätzlich eine phänomenale Griffigkeit und Taktilität inklusive der neuralgischen Fingerkuppen. Schwachpunkte sind superleichte und warme, aber schwammige Isolierfüllungen mit wenig Gefühl oder glattes Leder mit wenig Griff. Alternativen zum klassischen zweiteiligen Handschuhsystem für Hochtouren- Einsätze mit taktilem Innen- plus Überhandschuh bieten heute das Zweikammersystem sowie das geniale Überzugsystem für Skitouren.

Darauf sollten Sie achten:

  • Handschuhe sollten robust, isoliert, dampfdurchlässig und zumindest wind- und wasserresistent sein.
  • Schnelle Trocknung des dampfl eitenden Futters und nicht zu enge Fingerlinge optimieren die Wärme der Handschuhe.
  • Fingerlinge sollten Greifgespür erlauben und für Fels-/ eiseinsatz stumpfe Spitzen mit sensiblen Kuppen besitzen.
  • Die Handinnenfläche aus Leder inklusive Fingern sollte robust und griffig sowie dampfdurchlässig und wasserresistent sein.
  • Die ideale Stulpe verschwindet unter dem Ärmel (dünnere Modelle) oder lässt sich über diesem weit varriieren (Tourenmodelle) und ist 100% schneedicht.
Christian Schneeweiß
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 03/2017. Jetzt abonnieren!
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