12 Schneeschuhe im Test | BERGSTEIGER Magazin
Bergsteiger-Kaufberatung

12 Schneeschuhe im Test

Wenn der Schnee kommt, wird das Stapfen ohne Schneeschuhe oder Ski schnell mühsam. Fürs Gebirge sollten Erstere einiges zu bieten haben, darunter Krallen für Halt in hartem Schnee, eine fest schließende Bindung und eine Steighilfe. Wir zeigen Ihnen, welche Modelle sich für welchen Einsatz am besten eignen.
 
Schneeschuhe im Test © Norbert Eisele-Hein

Der letzte Winter war kein Skitourentraum. Umso mehr ließ sich mit Schneeschuhen machen. Wo Skitourengeher nicht hinwollten und Wanderer längst umgekehrt waren, konnte man mit ihnen einsam zum Gipfel spuren. Schneeschuhe sind unkompliziert zu handhaben, die Gehtechnik lässt sich schnell erlernen und für ein gutes Paar muss man in der Regel nicht mehr als 200 bis 300 Euro hinblättern.

Diese 12 Modelle haben wir getestet:

ATLAS Elektra Serrate 23 (W)
BALDAS Pinter Special
FABER Winter Guide 1030
FIMBULVETR Hikr
INOOK E-Flex
INOOK VXM
MSR Lightning Ascent M 25
MSR Revo Ascent M 25
TSL 438 Up&Down Grips
TSL Symbioz Elite Medium
TUBBS Flex VRT 24 M
TUBBS Panoramic 25 M

Ihre Größe ist ein Kompromiss zwischen Auftrieb und Handlichkeit, Robustheit und Gewicht: Je kleiner der Schneeschuh, desto leichter am Rucksack zu transportieren und desto geländetauglicher ist er – aber desto tiefer sinkt er in den Schnee. Schmale Schneeschuhe unter 21 Zentimetern Breite ermöglichen eine natürlichere Gehweise, besitzen bessere Querungseigenschaften und sind somit alpintauglicher. Die starke Frontaufbiegung geländetauglicher Modelle dient sowohl deren Aufschieben in tiefem Schnee als auch dem frontalen Angehen steiler Aufschwünge. Je größer das Gewicht des Schneeschuhgehers, desto größer sollte die Fläche des Schneeschuhs sein. Deshalb sind Damenmodelle in der Regel schmaler und kürzer.
 


Drehachse: Beim Gehen taucht der Schuh in die vordere Öffnung des Schneeschuhs, wobei sich die Front automatisch anhebt.

Die Bindung aller guten Schneeschuhe besteht aus einer starren Platte mit Schuhkorb und Riemenverschluss auf einem Drehpunkt unterm Fußballen. Beim Gehen taucht die Bindungsspitze durch die Aussparung in den Schnee. Modelle mit starrer Drehachse ermöglichen eine exakte Kantstellung im weichen Schnee. Bei Schneeschuhen mit flexibler Aufhängung lässt sich auf Querungen mit hartem Untergrund der Fuß trotz schräggestelltem Schneeschuh ergonomisch optimal einkanten (Fimbulvetr perfekt). Sie sind auch manövrierfähiger, da ihr Hinterteil kaum nachschleift, bieten aber im weichen Schnee weniger Seitenhalt.

Der Drehpunkt der Bindung befindet sich bei kürzeren Modellen und Faber ein Drittel der Schneeschuhlänge hinter der Spitze, bei längeren Modellen eher ein Viertel, weshalb diese im Abstieg frontlastig sind. Kunststoffschneeschuhe besitzen Bindungen mit längenverstellbarem Steg unter dem gesamten Schuh mit Frontund Heckkorb. Letzterer fixiert die Ferse über dem Rist meist mit einer gepolsterten, trimmbaren und zugkräftigen Spannratsche mit Schnell-Entriegelung. Nach Einstellung der passenden Rastenlänge ist ein komfortables Gehen auch mit weichen Trekkingschuhen möglich. Alurahmen-Schneeschuhe besitzen vorne eine Korbbindung mit seitlicher Führung oder Schlupf aus flexiblem Kunststoff, wobei die Schuhspitze meist vorne heraussteht. Diese Bindungen werden klassisch mit Riemen über Vorfuß und Rist, bei raffinierteren Modellen mit einem zentrierenden Schnellverschluss (Doppelriemen, Boa-Wicklung, Spannratsche) fixiert.

Gegen Rückrutschen des Schuhs sichert ein Fersenriemen, meist mit vereisungssicherer Dornfixierung. Steighilfen befinden sich an allen Schneeschuhen für den Bergbereich (außer Faber) auf dem Schneeschuhdeck, teils auch am Fersenteil der Bindung. Inook kombiniert eine per Stock verstellbare Steighilfe mit einer Transportfixierung der Bindung. Bei TSL 438 ist die Aufstiegs- auch Abstiegshilfe.


Boa-Fixierung: Diese Schlupfbindung lässt sich vorne durch einfaches Drehen einer Drahtaufwicklung optimal anpassend schließen.

Bergtaugliche Schneeschuhe besitzen normalerweise Harschkrallen, um sich in harten Schnee zu beißen. Je nach Länge, Stellung und Kantigkeit der Krallen ist der Griff und damit der Einsatzbereich sehr unterschiedlich. Entscheidend sind die idealerweise gegen Schneestollen geschützten Krallen unter dem Vorfuß, die den Aufstieg unterstützen. Schneeschuh-Krallen sind so angeordnet, dass man auch auf aperen Passagen gehen kann. MSR machte aus der Not der wenig griffigen Alurahmenmodelle eine Tugend und baut Krallenrahmen. Bei Kunststoffmodellen stabilisieren Rahmenstreben den Schneeschuh im weicheren Schnee. Alle Kunststoff-Alpinmodelle besitzen zudem parallele Krallenschienen unterm Rahmen für sicheren Halt bei Querungen.

Fazit

Flächiges Deck mit Streben oder Schienen für Halt in weichem Schnee, Krallen für Griff in hartem Schnee, fest schließende Bindung auf einer Vorfußplatte oder Korbsteg und Steighilfe: So sind die Schneeschuhe fürs Gebirge nach wie vor aufgebaut. Zukunftsweisende Neuerungen sind die Verwendung des optimal anpassenden Boa-Bindungsverschlusses mit Drahtaufwicklung und eine Bindung mit extrem flexibler Aufhängung, die bei den neuralgischen Querungen eine ergonomische Fußstellung ermöglicht.

Tipps für mehr Spaß im Schnee

  • Zum Kauf den für den Schneeschuh vorgesehenen Schuh mitnehmen, um zu prüfen, ob dieser in die Bindung passt und diese nicht drückt.
  • Schmale Schneeschuhe mit noch schmaleren Krallenschienen sind am besten für Querungen geeignet und somit als Alpinmodelle ideal.
  • Flexible Kunststoff rahmen rollen im Abstieg ergonomischer, sind aber wie verwindende Bindungsstege bei Querungen ein Nachteil.
  • Bei Frontplattenbindungen mit Riemen lassen sich die Ballen der Füße für den Aufstieg etwas vorschieben und für den Abstieg etwas zurücksetzen.
  • Auch wenn es bei vielen Bindungen egal zu sein scheint: Der Verschluss sollte sich immer außen befinden.
  • Gegen Stollenbildung bei feuchtem Schnee hilft Imprägnierspray und das Vermeiden von Wasserkontakt (Bachüberquerung).

Bergtaugliche Schneeschuhe sollten unterm Fersenteil der Bindung immer eine Steighilfe zur Aufstiegserleichterung besitzen.

Der richtige Schneeschuhtyp

  • Kunststoffschneeschuhe aus hartem Plastik mit Steighilfe und Harschkrallen gibt es immer öfter in mehreren Längen. Gemessen wurde die meist kürzere Staulänge. Der in den Alpen beliebteste, kurze und schmale Typ wiegt im Vergleich zur Fläche am meisten (ca. 2 kg), ist aber im Gelände sehr beweglich, in weichem wie hartem Schnee ungemein griffig (außer günstige Modelle) und meistert auch Querungen gut (außer Trekkingmodelle).
  • Alurahmenmodelle mit flexiblem Kunststoff-Spanndeck und vorgelagertem Schwerpunkt gibt es in mehreren Längen. Sie eignen sich je nach Variation (Länge und Breite, Krallen, Steighilfe) für alle Bedingungen außer extreme Alpineinsätze (Schwachpunkt Querung). Allerdings verrutschen längere Modelle im weichen Schnee eher und behindern mit dem Schwanz den Abstieg.
  • Holzrahmenorginale mit geflochtener Bespannung aus leichter, aber empfindlicher Haut und mittigem Schwerpunkt sind ideal für flachere Routen und Tiefschnee geeignet, mangels Krallen aber nicht für harten Schnee. Der robuste Hybrid Faber kombiniert lackierten Holzrahmen mit Kunststoffdeck und Harschkrallen.
Christian Schneeweiß
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 01/2017. Jetzt abonnieren!
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren