12 Kunstfaser-Schlafsäcke im Test | BERGSTEIGER Magazin
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12 Kunstfaser-Schlafsäcke im Test

Schlafsäcke mit Isolationsfaser-Füllung sind zwar schwerer und voluminöser als Daunenschlafsäcke. Aber bei Plustemperaturen im Sommer ist der Unterschied deutlich geringer. Dann spielen Preis und Robustheit eine wichtigere Rolle.
 
Kunstfaser-Schlafsäcke im Test © Vaude/Bastian Morell
Eine Nacht unter dem Sternenzelt: In der Sommersaison lohnt sich dieses Abenteuer gerade am Berg oder auf Trekkingtour, wenn nur wenig künstliches Licht die Sicht in den Himmel trübt. Die Nächte sind wärmer, der Schlafsack kann kleiner und leichter sein, und beim Biwakieren muss man außer Isomatte und Kocher kaum zusätzliches Gepäck mitschleppen. Der Vorteil von Schlafsäcken mit Isolierfaser-Füllung ist dabei, dass sie kaum Feuchtigkeit aufnehmen und selbst bei Regen weiterhin recht gut wärmen. Zudem trocknen sie wesentlich schneller als Daunen, sind einfach und ohne Isolationsverlust zu waschen und weniger schadensanfällig. Die meisten vorgestellten bergtauglichen Mumienschlafsäcke sind bereits für 130 bis 190 Euro zu haben. Fast alle Modelle gibt es in wärmeren oder kühleren Varianten.

Diese zwölf Modelle haben wir getestet:

CARINTHIA G 180
DEUTER Exosphere -4
EXPED LiteSyn -2
GRÜEZI BAG Synpod Island 185
JACK WOLFSKIN Airflake 0
MAMMUT Kompakt MTI Spring
MARMOT Trestles Elite 20
MOUNTAIN EQUIPMENT Nova II
NORDISK Oskar -2
SALEWA Fusion -2 Hybrid
VANGO Ultralite Pro 200
VAUDE Säntis 800 Syn

Ernste Konkurrenz für Daune

Das Verhältnis von Wärme zu Gewicht kommt bei guten Sommerschlafsäcken mit Isolierfasern den Daunenschlafsäcken schon recht nah, wenn man solche mit einem Grenzbereich bei Außentemperaturen um 0 Grad Celsius vergleicht: In Normalgröße wiegen die meisten vorgestellten Modelle nur 1100 bis 1250 Gramm. Die Ultraleichtmodelle von Salewa (Hybrid mit Daune, ca. 1000 g), Grüezi Bag (oben stärker isoliert, 1035 g) und Nordisk (teures Extremmodell, 810 g) machen ihnen sogar ernsthaft Konkurrenz.

Erstaunlich unterschiedlich sind dagegen die Volumina der verpackten Schlafsäcke: Sie messen normalerweise 12 bis 13,5 Liter (eher für Trekking mit Trekkingrucksack) oder unter neun Liter (Biwaktouren mit Bergrucksack; Salewa, Grüezi Bag komprimiert < 6 l). Ursachen sind die jeweilige Luftigkeit der Isolationsfüllungen und bei Mini-Packmaßen der meist fehlende Wärmekragen (z.B. Carinthia). Packsäcke mit vier Zugriemen lassen sich für die Tour mehr oder weniger stark zusätzlich komprimieren und das Volumen verkleinern, Packsäcke mit Rollverschluss dagegen kaum. Dafür sind diese wasserdicht verschlossen, sodass sie sich auch bei Regen am Rucksack außen tragen lassen.

Schlafen wie eine Mumie

Bei Schlafsäcken gibt es zwei Grundschnitte: Der klassische Mumienschlafsack ist zugunsten der maximalen Wärmeeffizienz entweder insgesamt oder an den Beinen schmaler und sein Reißverschluss traditionell kürzer. Seine Kapuze sollte das Gesicht eng umschließen, damit man bei kälteren Temperaturen nicht friert. Weiter geschnittene Komfortmodelle versuchen, Bewegungsfreiheit mit Effizienz zu verbinden. In der Theorie funktioniert das am besten mit dehnbaren Schlafsäcken (z.B. Deuter), in der Praxis jedoch entweicht Wärme an den Dehnnähten. Der weite und günstige Deckenschlafsack lässt innen uneingeschränkte Bewegungsfreiheit zu, wärmt aber weniger, ist voluminöser und somit das typische Campingmodell.


Foto: Vaude/Hansi Heckmair

Obwohl ein regulärer Schlafsack für Personen bis 185 Zentimeter Körperlänge ausgelegt ist, misst er außen mindestens zwei Meter (bei Übergröße L/XL bis 195/200 cm mindestens 215 cm). Das Zelt sollte also entsprechend lang sein. Die vorgestellten Schlafsäcke haben meist Langgröße und sind in Normalgröße ca. 15 Euro billiger und 10 Prozent leichter. Mammut hat auch eine Version für kleine Personen im Programm.

Außen und innen

Der Außenstoff aller Bergschlafsäcke besteht aus robustem, dicht gewebtem und leichtem Nylon. Da Kunstfaser-Schlafsäcke weniger empfindlich gegen Nässe sind, reicht die übliche wasserresistente Imprägnierung aus. Deuter verarbeitet an den Zonen wie Kopf und Füße, die meist am Zelt oder Biwaksack anliegen, wasserdichtes Material. Auch das Innenfutter ist in der Regel gegen Feuchte und Verschmutzung v. a. durch Schweiß imprägniert – meist mit PU, das sich anfangs auf der Haut angenehm glatt, mit der Zeit aber schwitzig anfühlt. Grüezi Bag und Salewa haben ein auf Dauer angenehmeres, dampfdurchlässigeres Futter.

Bei den Isolationsfüllungen experimentieren die Hersteller mit diversen Mikro- und Hohlfaser-Vliesen, aber auch Flocken – immer aus der synthetischen Kunstfaser Polyester. Zweilagiges Vlies in Schindelkonstruktion gilt als Nonplusultra, hat aber praktisch keinen erkennbaren Vorteil. Wärmereflektierende Schichten dagegen können Gewicht und Volumen erheblich reduzieren (Carinthia). Isolationsfasern speichern im Vergleich zu Daunen weniger Luft, wärmen dafür aber gleichmäßig und verrutschen nicht. Zudem reduziert sich die Isolation an der Auflagefläche bei Belastung durch den Körper kaum, und das Schlafsackgewicht lässt sich ohne Wärmeverlust reduzieren, wenn das Vlies dort dünner ist, wo die Liegematte bereits isoliert.

Hybridschlafsäcke sind unten mit robuster Isolierfaser und oben mit stark bauschender Daune befüllt. Beim Vollhybrid von Salewa ist der komplette Schlafsack mit einem Gemisch aus Isolierfaser und nässeresistenter Daune bestückt, was eine höhere Wärmeeffizienz und Dampfdurchlässigkeit bei kleinerem Packsack ermöglicht. Einige Schlafsäcke und die meisten Frauenvarianten haben eine dickere Fußisolierung für Verfrorene.

Warm um den Kopf

Im Idealfall verläuft rund um die Gesichtsöffnung des Schlafsacks ein Abschluss-Wulst. Allerdings bildet die kompakte Vlieslage beim weiteren Zuziehen häufig Dellen, die eine gleichmäßige Umrahmung der Atemöffnung – optimal Nase und Mund – bei Temperaturen um Null Grad Celsius verhindern. Ganz unergonomisch ist ein Querschlitz, der die Augen bedeckt und am Reißverschluss-Ende ein Loch als Isolationslücke freilässt.

Gegen diese hilft ein isolierter Wärmekragen um den Hals mit Zuganpassung, der verhindert, dass Wärme aus dem Schlafsack entweicht. Bei Kälte lässt sich so auch mit (teil-) geöffneter Kapuze schlafen – was viele bevorzugen. Bei Plus-Temperaturen kann man auf den Wärmekragen verzichten, sofern die Gesichtsöffnung effizient abgedichtet ist: Ohne Zusatzbändel ist der Schlafsack bedienungsfreundlicher, ums Gesicht angenehmer und wiegt weniger. Bei Kälte ist er dann allerdings auch ungemütlicher.


Foto: Grüezi Bag

Zur Weitenregulierung dient ein Doppelzug gegenüber dem Reißverschluss-Ende sowie verschiedene Schnüre für Kapuze und Kragen, bei durchdachteren Modellen auch unterschiedliche für Kopf- und Kinnbereich der Kapuze. Ein guter Einhandzug lässt sich ohne gedrückte Klemmfixierung schließen und durch Druck mit der Hand auf Kinn- und Kopfteil der Kapuze wieder öffnen.

Offen für Varianten

Die beste Schlafsackfüllung wärmt ineffizient, wenn der Seiten-Reißverschluss nicht gut gegen hereinströmende Kälte abgedichtet ist. Dies verhindern die meisten Hersteller durch exakt angepasstes oder überstehendes Vlies, das innen auf dem Reißverschluss anliegt. Bei einem Modell mit knöchellangem Reißverschluss (Grüezi Bag mit Rundbogen) kann man nicht nur leichter ein und aussteigen. Der Zweiwege-Reißverschluss lässt sich zur Lüftung auch unten viel weiter öffnen, und die Füße lassen sich aus dem Schlafsack herausstrecken – was besonders im Sommer und bei Männern eine wichtige Option ist. Zudem sind die meisten Isolierfaserschlafsäcke koppelbar (left/right zipper), wofür ein langer Reißverschluss natürlich sinnvoll ist.

Heute gibt es dank effektiver Aufnäher an den Reißverschluss-Abdeckleisten kaum noch Modelle, bei denen der Zipper beim Zu- oder Aufziehen im Stoff klemmt (perfekt bei Mammut, Marmot). Eine Blockade des RVs an der Krümmung des Schulterbereichs lässt sich entzerren, indem man den Schlafsackboden auf der Reißverschluss-Seite hochzieht. Eine Abdeckung am oberen Ende soll verhindern, dass er am Kinn stört oder aufrutscht. Sie sollte per Druckknopf oder Klett fest zu schließen sein, um den Reißverschluss bei geschlossener Kapuze aufziehen und den Arm herausstrecken zu können. Vaude hat eine zusätzlich Reuißverschluss-Öffnung auf der Gegenseite, so dass sich beide Arme zum Hantieren oder Kühlen aus dem geschlossenen Schlafsack strecken lassen (bei Marmot nur zur Kühlung gedacht).
 
Christian Schneeweiß
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 07/2018. Jetzt abonnieren!
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