12 Hybridjacken im Test | BERGSTEIGER Magazin
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12 Hybridjacken im Test

Wer sich bei schweißtreibendem Bergsport in der kühleren Jahreszeit nach dem Zwiebelprinzip kleidet, hat oft ein Problem: Das Fleece wird bald zu warm und das Shirt allein ist zu kalt. Besser, man greift zu Hybridjacken nach dem Prinzip des Bodymapping: Sie halten an den richtigen Stellen warm, während sie in anderen Körperregionen besonders dampfdurchlässig sind.
 
Hybridjacken sind atmungsaktiv und zugleich windabweisend – an unterschiedlichen Stellen. © Ortovox/Hansi Heckmair
Hybridjacken sind atmungsaktiv und zugleich windabweisend – an unterschiedlichen Stellen.
Die sogenannten Hybridjacken oder Bodymappingjacken, also »körperabbildenden« Jacken, sind in der Regel dünn isoliert, stark dampfduchlässig und dehnbar. Obwohl sie als Midlayer deklariert sind, bieten sie meist optimale Funktion, wenn sie als Außenlage über dem Funktionsshirt getragen werden.

Sie bestehen entweder aus verschiedenen Webmustern, die den Bedürfnissen der einzelnen Körperregionen angepasst sind (dichter, wärmer, durchlässiger, etc.) oder je nach Körperzone aus unterschiedlichen Materialien wie Fleece, Softshell, dünne Isolation oder Wollmischung. Meist sind außerdem winddichte Abschnitte eingearbeitet. So bestehen die Jacken aus stark dampfdurchlässigen, wärmenden und windresistenten Zonen.

Weil sie gegenüber Hybridjacken aus Daune und Isolationsfaser nicht so warm sind, aber stärker dampfdurchlässig, eignen sie sich ideal als Pausenwärmer in den Übergangszeiten oder für intensive Bergaktivitäten im Winter. Der Schwerpunkt von Mappingjacken kann auf Dampfableitung (im Winter als Midlayer), Windschutz (im Winter mit darunter getragenem Fleece) oder auf Wärmung (im Herbst als Rastjacke) liegen.

Diese 12 Modelle haben wir getestet

ADIDAS Terrex Skyclimb Top
BERGANS Visbretind
LÖFFLER Hr. Running Hoody WS Superlight
MONTANE Alpha Guide
MOUNTAIN EQUIPMENT Switch
ORTOVOX Col Becchei Men
PATAGONIA Men’s R2
REWOOLUTION Huron M‘s
SALOMON S-Lab X Alp Mid Hoodie M
TERNUA Sunlight
THE NORTH FACE M Fuse Dolomiti FZ
VAUDE Men’s Larice Rapidity

Hauptwindschutz vorne

An den wenig windausgesetzten Seiten des Rumpfs sowie an den unteren Ärmeln sollte die Mappingjacke ihre höchste Dampfdurchlässigkeit oder geringste Isolierung haben. Sie ist dadurch auch beweglicher. Gleiches gilt für den Rücken, wo man bei anstrengenden Aktivitäten schwitzt und zudem der Rucksack sitzt. Winterjacken mit Wärmefunktion sind idealerweise am Rumpf rundum isoliert – die Seiten ausgenommen. Zum Tragen schwerer Rucksäcke sind nur Jacken mit robusterem Schultermaterial geeignet.


Ein guter Hoody rahmt das Gesicht eng anpassend ein und bietet dem Kopf doch volle Bewegungsfreiheit.

Der Hauptwindschutz bei Bergjacken befindet sich an der Vorderseite und besteht meist aus einem robusten, winddichten, aber atmungsaktiven Membranlaminat (bei warmen Jacken die Isolation). Dieses ist bei robusteren Jacken mit besserem Wetterschutz auch für größere Touren und schwere Rucksäcke bis über die Schultern erweitert. Mappingjacken bieten eine sehr gute Bewegungsfreiheit bei hoher Aktivität. Einige Modelle verrutschen allerdings etwas beim Strecken der Arme.

Dampfableitung für trockene Haut

Jacken für intensive körperliche Aktivität, also Aufstiege aller Art, sollten möglichst viel Schweißdampf nach außen leiten. Dies gelingt am besten mit etwas wärmendem Waffelfleece, dessen Fasern die Feuchtigkeit nach außen saugen, wo sie schnell verdampft. Das funktioniert bei jeder Außentemperatur und hält die Haut trocken. Nässe von außen verteilt sich ebenfalls erst an der Oberfläche, so dass man auch Nieselregen längere Zeit trocken übersteht.

Etwas langsamer trocknen wärmere Stretchfleece. Länger feucht bleibt der Rücken etwa in den Modellen von Bergans und Vaude. Stark windresistentes Softshell mit Futterlage ist extrem dampfableitend, ohne zu wärmen. Es bietet bei Ortovox und Löffler einen Dreifachschutz gegen Schwitzen, Wind und Nässe.

Wetterschutz ohne Schwitzen

Die winddichten Membranzonen vieler Mappingjacken unterscheiden sich erheblich in ihrer Dampfdurchlässigkeit. Bei Ortovox etwa ist die Front kaum durchlässig, Vaude hat eine zusätzliche Schulterverstärkung eingebaut und Löffler bietet eine unglaublich durchlässige Vorder- und Rückseite an. Luftige Mappingjacken müssen an Handgelenk und Hals nicht perfekt abdichten, außer der Schwerpunkt liegt auf dem Windschutz.


Mappingjacken kombinieren meist wasserresistente Zonen (Perlen auf dichtem Stoff) und solche mit feuchtesaugender Wirkung (dunkler Fleck auf luftigem Stoff; Mountain Equipment).

Der Hals und Kopf umschließende, sich jeder Bewegung anpassende Hoody mit Stretchkapuze ist so ausgereift, dass er für die meisten Situationen ausreicht – auch wenn er weder Anpassung noch Schild hat. Zumal man ihn bei wechselhafter Witterung mit einer Handbewegung über- oder abstreifen kann. Schutz-Hoodies haben eine wasserresistente Windmembran, Wärmehoodies dampfdurchlässiges Seitenmaterial.

Mit fast winddichtem Polartec Alpha isolierte Mappingjacken sind ideal für den aktiven Einsatz bei winterlicher Kälte. Sie wärmen im Aufstieg ausreichend und lassen doch erstaunlich viel Schweißdampf durch, während weniger isolierte Zonen für genügend Kühlung und hohen Dampfdurchlass sorgen. Im Herbst fungieren sie als wärmende Oberschicht bei Pausen.

Gesund imprägniert?

Alle Mappingjacken in unserem Test sind an ihren wasserabweisenden Zonen mit sogenanntem Perfluorcarbon (PFC) dauerhaft wasserabweisend imprägniert (DWR). Für Kontroversen sorgen dabei die Aspekte Gesundheit und Umweltverträglichkeit. Zwar vermeiden die namhaften Outdoor-Hersteller inzwischen die wegen ihrer Hormonaktivität in die Kritik geratene Perfluoroktansäure (PFOA). Auch andere PFC bauen sich allerdings in Natur und Körper kaum ab.

Vaude verwendet PFC-freie Stoffe, die bei Jacken für sehr anspruchsvolle Bedingungen allerdings noch nicht überzeugen: Hier drang ein Teil des Wassers beim Test in den Stoff ein. Die Dauerimprägnierung wird durch Waschen und imprägnieren der Jacke aufrechterhalten. Am besten sind Waschmitt el, die beides erledigen, z.B. PFC-freie imprägnierung mit Nikwax TX.Direct. Perfekt ist eine schonende Nachbehandlung mit Wäschetrockner oder Bügeleisen bei 30-40 Grad Celsius.
 
Christian Schneeweiß
Artikel aus Bergsteiger Ausgabe 10/2016. Jetzt abonnieren!
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