12 Funktionsshirts im Test | BERGSTEIGER Magazin
Zweite Haut

12 Funktionsshirts im Test

Funktionsshirts sind heute nicht mehr einfach nur Baselayer zur Dampfableitung bei Schweißbildung. Sie haben sehr unterschiedliche Funktionsweisen und Anwendungsbereiche und können sogar als Außenlage dienen. Wir zeigen Ihnen, worauf Sie beim Kauf achten sollten. 


 
 
© mauritius images/imageBROKER/Moritz Wolf
Anno dazumal war man am Berg noch mit drei Baumwollunterhemden unterwegs: einem Schweißhemd für den Aufstieg, das am Gipfel klatschnass gegen ein Wärmehemd ausgetauscht wurde, welches wiederum nach dem Abstieg durchgefeuchtet durch ein trockenes Hemd für die Rückfahrt ersetzt wurde. Heute reicht für alle drei Etappen einer Bergtour ein Funktionsshirt aus, das im Idealfall die Basis-Funktionen Schweißableitung und Kühlung bei Aktivität sowie Trocknung und Wärmung bei Ruhe integriert. Vor allem langärmelige Shirts sind nicht mehr nur Unterwäsche, sondern auch Außenlage, die gegen Wind schützen und im Aufstieg einen zu dicken Midlayer ersetzen können. Da diese Kaufberatung im Winter erscheint, werden hier solche Funktionsshirts vorgestellt, die bei winterlicher Kälte hauptsächlich der Schweißableitung vom Körper zur jeweiligen Funktionsjacke dienen, bei frühjährlicher Frische auch etwas der Wärmung und bei herbstlichen Wechselverhältnissen teils auch als Windschutz. Solche Verhältnisse können aber natürlich auch im Sommer oder auf Hochtour auftreten.

Die technischen Details

Alle vorgestellten Funktionsshirts sind langärmelig und häufig je nach Bedarf mit wärmevariablem »Zip Neck« (Kragen mit Brust-Reißverschluss) oder als kühlerer »Crew« (mit Halsausschnitt) verfügbar – oft in gleicher Konstruktion auch als T-Shirt-Version. Selbstverständlich lassen sich auch immer funktionell passende Unterhosen dazukaufen. Die vorgestellten Shirts wiegen normalerweise 190 bis 220 Gramm, schwerere, das heißt wärmere (meist aus Wolle) und/oder funktionellere bis zu 260 Gramm, Falke dagegen nur federleichte 170 Gramm. Sie wärmen zumindest moderat (außer Mammut) und weisen eine große Spannweite an funktionellen Eigenschaften auf: Tragegefühl (Hautfreundlichkeit und Weite), Trocknung (Dampfdurchlass und Trocknungszeit), Wärmung oder Kühlung (letztere hier nicht bewertet), Geruchsabweisung und Luftigkeit oder Windabweisung. Von den Strümpfen bis zum Shirt hat sich die stark feuchteabsorbierende und dauerhaft geruchshemmende Schafwolle als wesentlicher Materialbestandteil von wärmenden Baselayern durchgesetzt. 

Von Wolle zu Kunstfaser

Für höhere Festigkeit und Dampfableitung wird sie meist mit einem anderen Material so kombiniert (Ortovox: 90 % Merinowolle, gewickelt um 10% Polyamid; zweilagiges Löffler Transtex mit Polypropylen innen), dass die Wirkung der Wolle erhalten bleibt oder zusätzlich zur Schweißabsorption nach außen genutzt wird. Aus pflanzlicher Zellulose gewonnene Fasern (Schöffel) nehmen so viel Feuchtigkeit auf wie Wolle, leiten aber weniger Dampf weiter. Sie bieten ein deutlich angenehmeres Hautgefühl und kühlen eher als zu wärmen. Die von Raupen stammende Seide (Innenlage bei Engel Sports) wirkt angenehm kühl auf der Haut und ist zugfester als Wolle. Die sehr feste und dehnbare Kunstseide Polyamid (PA) wird überwiegend bei engen Sport-Shirts in Kombination mit der elastischen Gummifaser Elastan (weniger dampfduchlässig) verwendet, um eine straffe Anpassung an den Körper zu ermöglichen. Wegen dichterer Webung weisen diese meist etwas Wind ab. Das kaum Feuchte aufnehmende Polyester (PES) leitet bei luftiger Webung den Schweißdampf sehr gut nach außen, riecht aber bereits nach einem aktiven Tag – weshalb es meist mit bakteriostatischen Silberionen geruchsabweisend behandelt ist. Bei Dampfentwicklung sogar knochentrocken bleibt das ebenfalls schnell riechende Polypropylen (PP), weshalb es gerne zur Schweißableitung von der Haut verwendet wird (Löffler, Dynafit). Ideal für alle, die möglichst wenig schwitzen und am Gipfel möglichst schnell trocken sein wollen.

Luftiger oder zonierter Stoff?

Die Materialzusammensetzung bestimmt zusammen mit der Webung die Stoffeigenschaften und damit die Einsatzintensität von Funktionsshirts. Bei allen Unterschieden in der Konsistenz (glatt, streifig, flauschig, porig usw.) des heute auch ohne Elastan fast immer dehnbar gewebten oder gestrickten Stoffs bleibt die grundsätzliche Wahl zwischen luftigem, dampfdurchlässigerem (Mammut) und dichtem, windabweisenderem (Dynafit) Gewebe. Ob das Shirt hell oder dunkel ist, macht bei der Verwendung als Außenlage im Sonnenschein einen großen Unterschied: Ein schwarzes Shirt wärmt zusätzlich, ein weißes verringert die Aufwärmung.

Funktionsshirts funktionieren nach zwei verschiedenen Grundprinzipien: anliegende Trocknungsshirts für trockene Haut und straffe Sportshirts mit Feuchtekühlung, meist mit Bodymapping. Körpernah bis anpassend geschnittene (»slim fit«) Trocknungsshirts sind angenehm zu tragen und leiten Schweißdampf möglichst schnell von der Haut ab. Trockenes Warmhalten funktioniert aber nur, wenn der Dampf über weitere durchlässige Bekleidungslagen wie Fleece oder die Luft entweichen kann. Sonst bleiben die Shirts feucht. Sie sind bei gemäßigten Aktivitäten in kühleren Temperaturen optimal. Lockere Shirts (»regular fit«) sind dagegen eher für wärmere Touren oder beleibtere Personen geeignet. Trocknungsshirts lassen viel Bewegungsfreiheit zu, können aber an den Ärmeln verrutschen. Für die Bewertung der »Trocknung« wurden die Durchgangsmenge von heißem Wasserdampf auf der Innenseite der Shirts und deren anschließende Trocknungszeit gemessen.

Die dehnbaren und straffen Sport-Shirts mit »tight fit« sitzen im Idealfall wie eine zweite Haut und sollten ursprünglich nur während intensiver sportlicher Anstrengung kühlen. Durch flächige Feuchteverteilung bildet sich ein dünner Schweißfilm auf der Haut, der diese effektiv kühlt, und bei Ruhe länger nachkühlt: Optimal für eine sonnige Tour in den Übergangszeiten, suboptimal bei einer Skitour im Hochwinter. Für intensive Bergaktivitäten wie Trailrunning oder Mountainbiken mit Rast am Gipfel oder auf einer Hütte darf die Nachkühlung nur kurz andauern: Dynafit verbindet im Winter optimal Kühlung, Trocknung und Wärmung. F-Lite bietet in den wechselhaften Übergangszeiten ein optimal ausgeglichenes Klima und ein zonal der Wärme- und Schweißentwicklung angepasstes Bodymapping, das an Schweiß anfälligeren Zonen merklich mehr Dampf durchlässt. Zwar besitzen straffe Shirts einen von Nähten ungestörten Rumpf (»seamless«), sie stören aber meist unter den Achseln. Und beim Ausziehen der engen Teile muss man ordentlich ziehen.

Entscheidende Details

Ein ausgeprägter Kragen ist ein suboptimaler Shirt-Abschluss, weil er bei Aktivität zu Wärmestau führt. Ein Kragen mit Brustzipper dagegen lässt sich umlegen und vorne öffnen (leider meist nur kurz). Er ermöglicht damit mehr Klimavariabilität als ein kragenloser Abschluss der keinen Halsschutz bei Kälte oder Wind bietet. Die Abschlüsse an den Ärmeln wintertauglicher Langarmshirts sollten sich bündig um das Handgelenk legen, um nicht nur gegen Kälte, sondern auch Schnee zu schützen. Daumenlöcher dienen zur Handwärmung ohne Handschuhe und verhindern ein Rückrutschen der Ärmel (sollten stark dehnbar sein). Für bewegungsintensive Bergaktivitäten wie Skitouren, Biken oder Klettern sollte das Rückenteil deutlich verlängert sein, um beim Bücken oder bei eventuellem Hochrutschen des Shirts nicht die Nierenpartie freizulegen. Die meisten vorgestellten langärmeligen Funktionsshirts sind allerdings auch ohne Rückenverlängerung lang genug.    

Die getesteten Modelle im Vergleich


Craft Active Comfort Round-Neck Long-Sleeve Men

  • Materialmix: 70% Polyester, 30% Polyamid
  • Schnitt: locker
  • Gewicht: 190 g in XL
  • Preis: 39,95 €
  • Konstruktion: Lockeres, gesäßlanges Shirt aus Polyester-Polyamid-Gemisch mit luftiger Webung von den Achseln bis zu den unteren Ärmeln, Rumpf nahtfrei, luftige Zierstreifen, seitlich dehnbar, Ärmelbündchen schmaler, Langarm-Version ohne Kragen
  • Traggefühl *****
  • Trocknung ***
  • Wärmung ***
  • Geruchsbilanz **
  • Verrutschen *****
  • Ausziehen ****
  • Stärken: Super angenehm auf der Haut, lockeres Anliegen und rumpf nahtfrei, ergonomische Ärmelbündchen, klimaneutral, luftig im schwitzigen Achselbereich, etwas Windabweisung, relativ leicht, sehr günstig
  • Schwächen: Dampfdurchlass/Trocknung mäßig
  • Fazit: Supergünstiges Kuschelshirt: Ein top bewegliches Komfortmodell mit top Preis-Leistungs-Verhältnis; für gemäßigt ausgeübte Aktivit.ten im Winter sowie weniger anstrengende Aktivitäten wie Wandern, Klettern, Reisen in Übergangszeiten
 

Dynafit Innergy Performance L/S Tee M 

  • Materialmix: 49% Polyamid, 44% Polypropylen, 7% Elastan
  • Schnitt: sehr eng
  • Gewicht: 250 g in L/XL
  • Preis: 90 €
  • Konstruktion: Elastisches, zweilagiges, gesäßlanges Kompressionsshirt aus Dryarn mit Dehn-Abschnitten (Brust, Schultern, Schulterblätter) und Nilit (antibakterielle Kaffee-Aktivkohle) für Abstrahlung von Wärme, bakteriostatische Silberionen
  • Traggefühl ****
  • Trocknung *****
  • Wärmung ***
  • Geruchsbilanz ****
  • Verrutschen *****
  • Ausziehen *
  • Stärken: Wie eine zweite Haut, verrutscht nicht, kühlt bei Anstrengung fast ohne Schweißfilm, schnellste Trocknung, wärmt in Ruhephasen, top dehnbare Daumenlöcher, stärkste Wind- und Schneeabweisung
  • Schwächen: Engegefühl bei Ruhe, Kompressionskühlung vor Aktivität, zwickt an Achseln, An-/Ausziehen mühsam, relativ schwer 
  • Fazit: Schnelltrocknendes Winter-Sportshirt: Ein superschnell trocknendes und super kühlendes Shirt für bewegungsintensive oder anstrengende Aktivitäten in Winter bis Übergangszeiten und für (Abfahrts-) Wind bei Ski- oder Biketour; kaum Klettern
 

Engel Sports Running Shirt mit Zipper Man 

  • Materialmix: 70% Wolle, 28% Seide, 2% Elastan
  • Schnitt: eng anliegend
  • Gewicht: 255 g in XL
  • Preis: 132,95 €
  • Konstruktion: Modisches und dehnbares, zweilagiges, langes Shirt aus dickerem Materialmix mit glatter Seide innen und grober Merinowolle außen plus Elastanbeimischung, hinten länger, mit Daumenloch, Langarm-Version mit Kragen und Brust-Reißverschluss
  • Traggefühl ****
  • Trocknung **
  • Wärmung *****
  • Geruchabweis *****
  • Verrutschen *****
  • Ausziehen ****
  • Stärken: Komfortables Funktions-Shirt, angenehm kühl auf der Haut, dabei sehr warm, verrutscht kaum, auch als Midlayer, dichte Abschlüsse, kaum Geruchsentwicklung, Stoff aus edlen Naturfasern
  • Schwächen: Ellenbeuge etwas kratzig, beim Anwinkeln spürbar, langes Nachkühlen durch geringere Schweißableitung, relativ schwer 
  • Fazit: Angenehmes Naturfaser-Shirt: Ein komfortables warmes Shirt aus edlen Naturfasern, das bei Schwitzen innen feucht wird und kühlt, im Winter für gemäßigte Aktivität oder intensive Aktivität mit Umziehen; in Übergangszeiten optimal für Mehrtagestouren

Falke Zip Shirt Warm Hr.
  • Materialmix: 69% Polyamid, 26% Polyester, 5% Elastan 
  • Schnitt: eng 
  • Gewicht: 170 g in XL 
  • Preis: 59,95 €
  • Konstruktion: rundum dehnbares, zweilagiges, langes Mapping-Shirt mit anpassenden Dehnzonen, Flexzonen an Schultern und Ellenbogen und dünneren Zonen an schwitzigen Bereichen von Rücken, Front und Achseln/Ellenkuhle 
  • Traggefühl ***
  • Trocknung ***
  • Wärmung ***
  • Geruchsbilanz **
  • Verrutschen *****
  • Ausziehen **
  • Stärken: Neutral kühles Hautgefühl bei hautenger Körperanpassung, ausgetüfteltes Mapping an den richtigen Zonen, geringe Durchfeuchtung bei Anstrengung, etwas windabweisend, sehr leicht
  • Schwächen: Druck auf der Brust und Zwicken an Achseln, kaum zonale Unterschiede bei Schweißableitung, längeres Nachkühlen, Ärmel etwas kurz, Zip-Kragen drückt vorne
  • Fazit: Leichtes Bewegungs-Shirt: Ein leichtes und straffes Sport-Shirt um die Übergangszeiten herum. Eher für bewegungs als anstrengungsintensive Aktivitäten, gut für windige Verhältnisse, weniger für Mehrtagestouren
 

F-Lite Megalight 200 Longshirt 

  • Materialmix: 88% Polyamid, 12% Polyester
  • Schnitt: eng anliegend
  • Gewicht: 220 g in XL
  • Preis: 49,95 €
  • Konstruktion: Zweilagiges, dehnbares, langes Mappingshirt mit stärker luftdurchläßigen Zonen am rücken, den Seiten und der Brust; Rücken stark verlängert, Langarm-Version ohne Kragen (auch in dünnerer Version erhältlich)
  • Traggefühl ****
  • Trocknung *****
  • Wärmung ***
  • Geruchsbilanz ***
  • Verrutschen *****
  • Ausziehen ***
  • Stärken: Eng anliegend ohne zu drücken, kein Verrutschen, neutrales Hautgefühl, höherer Dampfdurchlass an den schwitzigsten Zonen, kühlt bei Anstrengung am stärksten und kühlt bei Ruhe kaum nach, etwas windabweisend, stärkerer Stoff an belasteter Hüfte und Schultern 
  • Schwächen: Ärmel etwas kurz, zwickt etwas an Achseln
  • Fazit: Feuchtekühlendes Mappingshirt: Angenehmstes Sport-Shirt mit top Klimatisierung für anstrengende oder bewegungsintensive Aktivitäten bei Wechselwetter; auch Hochtour mit schwerem Rucksack, kaum für Hochwinter/Hochsommer


La Sportiva Ionosphere Long Sleeve M

  • Material: außen: 41% PES, 40% Wolle, 15% PA, 4% Acryl; innen: 60% PES, 40% PP
  • Schnitt: anliegend
  • Gewicht: 265 g in XL
  • Preis: 129 €
  • Konstruktion: Zweilagiges Sweatshirt aus Trocknungsfasergemisch innen und exotischer Merinowollmischung außen mit Silberionen und Mesheinsätzen an Seiten bis Achseln; Rücken verlängert, seitlich dehnbar, Langarm-Version mit Kragen und längerem Reißverschluss
  • Traggefühl *****
  • Trocknung ****
  • Wärmung ****
  • Geruchsbilanz ****
  • Verrutschen *****
  • Ausziehen *****
  • Stärken: Zweilagenkonstruktion mit wunderbar neutralem Hautgefühl und sehr starker Dampfableitung bei starker Windabweisung, kühlt durch Feuchteverteilung, dampfdurchlässiger an weniger exponierten Zonen, verrutscht nicht, rechte Schulter zum Skitragen verstärkt
  • Schwächen: Längeres Nachkühlen, Ärmel etwas kurz, Halsabschluss suboptimal, schwer 
  • Fazit: Sportliches Komfort-Shirt: Ein superangenehmes Sweatshirt im Wortsinn mit Feuchtekühlung ohne einzuengen. Für alle Intensivaktivitäten in Winter bis Übergangszeiten und für (Abfahrts-)Wind bei Ski- oder Biketour, auch Wandern in Übergangszeiten

Hier geht's zu Teil 2 unseres Tests.

 
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